‚Snow Crash‘ von Neal Stephenson

Titel: ‚Snow Crash‘
(dt. Titel: Snow Crash)

Autor: Neal Stephenson

Sprache: Amerikanisch

Sprecher: Jonathan Davis

Medium: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo

Länge: 17 Std 08 min

Inhaltsangabe (von audible.de):

Los Angeles, heute, morgen, in der nahen Zukunft: Hiro Protagonist ist Pizzalieferant in Diensten von Onkel Enzos Cosa Nostra Pizza, einem Mafia Unternehmen, das jedem Anrufer verspricht, in genau dreißig Minuten – keine Minute länger – liegt die dampfende Pizza vor seinen Augen. Ein normaler schneller Pizzaservice? Eigentlich ja – mit dem feinen Unterschied: Wer die Pizza auch nur eine Minute zu spät bringt, wird getötet. Hiro Protagonist liebt diese Art von Nervenkitzel – und liebt daher seinen Job als Pizzalieferant, denn er ist einer der letzten wirklichen Helden, der letzte freiberufliche Hacker und größte virtuelle Schwertkämpfer aller Zeiten.

Bald kommt Hiro einer Verschwörung auf die Spur, die in der realen Welt genauso wie im virtuellen Raum immer mehr Todesopfer fordert. Hiro kann die drohende Infokalypse verhindern – doch das kann ihn das Leben kosten.

Zum Buch:

Hiro Protagonist (was für ein Name!) ist unterwegs um eine Pizza auszuliefern, gerät aber in Schwierigkeiten, die ihn Zeit kosten und somit (nach den geltenden Regen) möglicherweise auch das Leben. Aus der Patsche hilf ihm die junge Botin YT (findet selbst heraus, wofür die Abkürzung steht!), die auf einer Art fliegendem Skateboard unterwegs ist, mit dem sie sich halsbrecherisch an fahrende Autos anheftet.

Wenn Hiro keine Pizza ausliefert, betreibt er mit einem Kumpel ein Etablissement in einer digitalen Parallelwelt, in der Avatare nach mehr oder weniger festen Regeln zwei- bis dreidimensional ein mehr oder weniger luxuriöses Leben führen – je nach finanziellen Mitteln und Kampferfolgen.

Da fällt Hiro’s Freund einem Cyber-Virus zum Opfer, und ganz allmählich wird klar, dass die Infokalypse naht: ‚Snow Crash‘ ist auf dem besten Wege, die Menschen in glückliche, aber dumme und willenlose Zombies zu verwandeln, wenn keiner etwas dagegen tut.

Und so machen sich Hiro und YT, deren Wege sich noch häufiger kreuzen und trennen werden, auf den Weg, um herauszufinden, was es mit ‚Snow Crash‘ auf sich hat, und wie sie sowohl die digitale als auch die analoge Welt retten können.

Soweit zur Handlung.

Eben diese Handlung ist letzten Endes aber nebensächlich. Wer eine spannende Jagd erwartet, wird größtenteils enttäuscht werden. Bis es überhaupt mal richtig losgeht, vergeht ein gutes Viertel des Buches. Aber mir, wie auch vielen, vielen anderen, für die ‚Snow Crash‘ ein Kult-Roman ist, war das ziemlich schnell egal.

Was ‚Snow Crash‘ so fantastisch macht, ist der detaillierte, mit Zitaten, Andeutungen und Thesen vollgepackte Entwurf einer zukünftigen Welt. Oder vielmehr zweier Welten: die analoge, und die digitale, in skurriler, surrealer Koexistenz. Wortwitzig und mit bitter bösem Humor baut Stephenson minutiös diese Welt vor dem inneren Auge des Hörers auf, angefangen von den unglaublichen Eigenschaften von Hiro’s Arbeitskleidung bis hin zum Aussehen, den Regeln und Werbestrategien der verschiedenen Franchise-‚Enklaven‘, die Länder und Nationalität in der Zukunft abgelöst haben. Wer Mr.Li’s Greater Hongkong mit Hiro betritt, vergisst ziemlich schnell, WARUM er es überhaupt betreten hat – so nebensächlich wird der Handlungsverlauf.

Unterbrochen von (leicht nervtötendem) psychedelischem Sprechgesang, der jeweils die Kapitel einleitet, platzt die Geschichte vor bizarren Ideen und Figuren und verliert sich zwischenzeitlich gar in sumerischer Geschichte, als Hiro (und der Hörer) von einem digitalen Bibliothekar über Religionsgeschichte und etliches Andere aufgeklärt werden. Es gibt etliche Nebenschauplätze, die in aller Ausführlichkeit behandelt werden, letztendlich für die Geschichte aber nicht von großem Belang sind. Und wo Stephenson schon mal bei beißender Gesellschaftskritik ist, zieht er nebenher auch noch das FBI, die Mafia und die Polizei durch den Kakao.

Auf diesem Trip (und die Wortwahl ist absichtlich) begegnen dem Hörer erstaunliche, wundervolle Figuren. Neben Hiro und YT sind da noch YT’s Mutter hervorzuheben und Raven, der düstere Biker mit der implantierten Atombombe. Und ein Hacker mit fehlenden Gliedmaßen, der in einem baumelnden Sack in einem Hightech-Van lebt.

Wen kümmert da noch die Handlung?

Fazit:

‚Snow Crash‘ ist eine Tour de Force durch eine irrwitzige Cyberpunk-Welt. Man muss ein Faible für detailverliebte Beschreibungen haben, und für reichlich verrückte Utopien, um das Buch zu mögen. Genie und Wahnsinn scheinen bei Stephenson nah aneinander zu liegen. Wer seine Freude daran hat, wer Wortwitz und Doppelbödigkeiten reizvoll findet und Gesellschaftskritik in der bzizarrsten Form etwas abgewinnen kann, der ist hier genau richtig. Wer aber nach einem wasserdichten Handlungsstrang, glasklaren Aussagen und einem eindeutigen Ende sucht, dem wird ‚Snow Crash‘ zu abgedreht sein. Bei diesem Buch gilt der Grundsatz: Der Weg ist das Ziel!

Zum Erzähler:

Jonathan Davis war mir noch unbekannt, obwohl er auch solche Größen wie Baldacci und Vonnegut vertont hat. Seine Stimme kam mir zu Beginn etwas blechern vor, was aber auch allgemein an der Aufnahme-Qualität liegen kann. Einmal eingehört, fiel mir seine Sprechweise weder besonders positiv noch negativ auf. In gut verständlichem Amerikanisch macht er ganz einfach einen guten Job. Es ist eine dieser Stimmen, die den Hörer vielleicht nicht vor Begeisterung aufhorchen lassen, andererseits der Geschichte auch nicht die Schau stehlen.

Bewertung: 10/10

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