‚Apocalypsis‘ – webnovel

Titel: ‚Apocalypsis‘

Autor: (keine Angabe)

Sprache: deutsch

Sprecher: Matthias Köberlin

Medium: webnovel, Audio-Download-Version

Länge: 12 Folgen, jede Folge hat ca. 30-50 min

Preis: je nach Format € 1,49 – € 2,39 pro Folge (bei iTunes)

Inhaltsangabe (von iTunes):

Rom. Aufruhr in der ewigen Stadt. Papst Johannes Paul III. ist zurückgetreten und spurlos verschwunden. Niemand weiß, ob er überhaupt noch lebt. Zur gleichen Zeit werden seine engsten Vertrauten ermordet. Auf bestialische Weise.

Während das Konklave zur Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes beginnt, macht sich Vatikanreporter Peter Adam auf die Suche nach dem verschwundenen Papst. Die Spur führt zu einem mysteriösen Orden, der seit Jahrhunderten im Untergrund gegen die Kirche wirkt. Seine Anhänger stützen sich auf eine mittelalterliche Prophezeiung: Nach dem gegenwärtigen Papst soll einer kommen, der sich den Namen Petrus II. geben wird. Er wird der letzte auf dem Stuhle Petri sein.

Steht die Zeit der Apokalypse bevor? Und wird sie die Erfüllung eines alten Menschheitstraums bringen oder das Ende der Welt?

Zum Buch:

Das Besondere an ‚Apocalypsis‘: Es handelt es sich um eine Webnovel – eine Fortsetzungsgeschichte, die auf verschiedenen digitalen Endgeräten zu hören, zu sehen oder zu lesen ist. Es gibt sie als App,  E-Book, Read-and-Listen-Version und als Audio-Download. Ein interessantes neues Format. In diesem Fall handelt es sich um den Audio-Download. Von einem normalen Hörbuch setzt sich ‚Apocalypsis‘ dadurch ab, dass es hier teilweise auch Musik und Geräusche gibt, die Geschichte aber – wie beim Hörbuch – von nur einem Erzähler vorgetragen wird – sozusagen ein Crossover zwischen Hörbuch und Hörspiel

Zu Beginn der Geschichte bahnt sich das Unheil bereits drohend an: Papst Johannes III., mit bürgerlichem Namen Franz Laurenz, tritt ohne Angabe von Gründen zurück und taucht unter. In aller Eile muss ein Konklave einberufen werden, um einen neuen Papst zu wählen. Ebenfalls in Rom hat der deutsche Reporter Peter Adam während eines Migräneanfalls eine Vision, in der der Vatikan von einer gewaltigen Explosion zerrissen wird. Gleichzeitig geschehen an verschiedenen Orten der Welt grausige Morde, und Peter wird zum Hauptverdächtigen. Zusammen mit der Nonne Maria macht er sich auf die Suche nach dem wahren Täter, um seine Unschuld zu beweisen und die Hintergründe der offenbar in Zusammenhang stehenden Ereignisse aufzudecken. Hilfe erfahren die beiden von einem Exorzisten und dem ehemaligen Papst. Rasch wird ihnen klar, dass mehr auf dem Spiel steht: Das Ende der Kirche – oder gar der Welt?

Die Jagd, die den Hörer nach jeder Folge mit einem Cliffhanger in Atem hält, geht durch die ganze Welt und verschiedene Zeitebenen. In Rückblenden, über vorgelesenen Email-Verkehr und unterbrochen von Peters Visionen wird ein rasantes und komplexes Puzzle Stück für Stück zusammengesetzt, das volle Aufmerksamkeit erfordert, um nicht verworren zu wirken.

Es geht dabei weder so gründlich und sorgfältig wissenschaftlich zu wie bei Dan Brown, noch so geradlinig. Viele Themen und Namen kommen ins Spiel – von Nicholas Flamel und der Alchemie über die Templer bis hin zum Okkultisten Aleister Crowley und alternativen Versionen des Alten Testaments. Das ist interessant und für Freunde von Vatikan-Thrillern ein Fest, allerdings hat die Geschichte ein Tempo drauf, das tiefere Beschäftigung mit einem Thema verhindert. Auch die Sprünge in Zeit und Ort sorgen manchmal für leichte Verwirrung. Die Schlussfolgerungen, die Peter und seine Helfer ziehen, sind teilweise rein intuitiv, und ab und an muss pures Glück (oder auch Pech) bei der Recherche nachhelfen. Ab und an kommt das Gefühl auf, dass die Macher der Story zu viel aufeinander stapeln – hat man einen Zusammenhang verstanden und sich auf eine Gefahr eingerichtet, setzen sie noch eine neue drauf. Das wirkt zum Teil etwas überfrachtet.

Trotzdem ist das Ganze unterhaltsam und ziemlich spannend. Wie beabsichtigt, wachsen einem die Charaktere ans Herz: Peter und Maria, zwischen denen es rasch und verbotenerweise knistert natürlich. Bühler, der Oberst der Schweizer Garde (auch wenn es eine Weile dauert). Und besonders der handfeste, Schwert-schwingende Ex-Papst Laurenz, an dem aus verschiedenen Gründen besonders die Kritiker der katholischen Kirche ihre Freude haben sollten.

Der Schluss ist spannend gemacht. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, und am Ende schließt sich der Kreis. Es gibt Helden, es gibt Tote, und es gibt Überlebende. Alles ist da drin. Lediglich die Auflösung, wer der ‚Böse‘ ist, und der Kampf mit ihm kam mir seltsam antiklimaktisch vor. Da stiehlt der 2. Handlungsstrang der Szene wohl etwas die Schau. Und einen Clou gibt es ganz am Ende auch noch, den man dann selbst so auslegen kann, wie man will.

Zum Sprecher:

Matthias Köberlin habe ich das erste Mal gehört – und bin absolut begeistert! Er gehört vielleicht nicht zu denjenigen Sprechern, die eine sehr markante Stimme haben, aber gerade das ist seine Stärke. Köberlins Stimme ist unglaublich flexibel. Mühelos schlüpft er in weibliche und männliche Rollen, Stimmungen und Akkzente. Er macht das so gut, dass ich manchmal fast glaubte, ein anderer Sprecher wäre dazu gestoßen! Vollends umgehauen hat mich seine Interpretation des Edward Kelly. Warum, das müsst ihr selbst hören.
Hier ist ein Sprecher, der seine Stimme nicht in den Vordergrund drängt, sondern sie ganz in den Dienst der Geschichte und einzelnen Charaktere stellt. Fantastisch! Allein dafür gibt’s für ‚Apocalypsis‘ einen Extrapunkt.

Fazit:

Ein innovatives Format, das Zukunft hat. Sowas wird’s demnächst bestimmt öfter geben. Trotz einiger Unebenheiten und teilweise etwas abstrusem Populär-Okkultismus ist die Geschichte unterhaltsam und fesselnd. Wer sich von dem Vergleich mit Dan Brown frei machen kann und ein Faible für diese Art von Satanismus-Thrillern hat, der kann hier einen guten Fortsetzungsroman erleben, und muss inzwischen auch nicht mehr fiebernd auf die nächste Folge warten. Was die Sache allerdings vermutlich spannender gemacht hat, als die ganze Geschichte auf einmal zur Verfügung zu haben.

Ein Kritikpunkt ist allerdings der Preis: Als Audio-Download kostet ‚Apocalypsis‘ bei iTunes pro Folge €1,49. Bei 12 Folgen summiert sich das ganz schön. Als E-Book und im App sind die einzelnen Folgen sogar noch teurer! Das berühmte Preis-/Leistungsverhältnis stimmt hier noch nicht.

Bewertung: 7/10

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2 Gedanken zu “‚Apocalypsis‘ – webnovel

  1. Sunsy 20. Januar 2012 / 17:18

    Ja, wahrscheinlich hast du recht, dass das ständige Warten auf die Fortsetzung den Thriller spannender gemacht hat, als er dann eigentlich tatsächlich war 😉 – aber ich fand es besonders toll, dass es oft gehallt hat und andere Geräusche im Hintergrund zu hören waren. Das hat man sonst nur bei Hörspielen, bei gelesenen Hörbüchern jedoch nicht.

    glg, Sunsy

    • papercuts1 21. Januar 2012 / 12:38

      Also, ich fand’s schon sehr spannend! Aber klar, das Warten-Müssen nach einem Cliffhanger heizt das natürlich an und baut die Erwartungshaltung anders auf.

      Und, wie gesagt, die Geräusche und Hintergrundmusik fand ich auch eine tolle Sache – unterstützt die Atmosphäre der Geschichte sehr. Eigentlich mag ich Hörbücher ja lieber als Hörspiele, weil mir bei denen aufgrund der fehlenden Introspektive einfach etwas die Tiefe fehlt, aber diese Mischversion hier war klasse – von beiden Formaten das Beste!

      Allerdings haben mich die Geräusche beim Hören im Auto manchmal an der Nase rumgeführt. Ich dachte in paar Mal, mit meinem Auto wäre etwas nicht in Ordnung, und musste zur Kontrolle den Ton wegdrehen. Also: Besser nicht beim Fahren!

      Dieses neue Format hat in meinen Augen (oder Ohren) jedenfalls großes Potenzial.

      Danke für deinen Kommentar!

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