‚First Drop‘ von Zoë Sharp

Titel: ‚First Drop‘
(nicht auf deutsch veröffentlicht)

Autor: Zoë Sharp

Sprache: brit. Englisch

Sprecherin: Clare Corbett

Medium: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo

Länge: 10 Std 43 min (ungekürzt)

Inhaltsangabe:

Charlie Fox, Engländerin und seit kurzem Bodyguard, bekommt den Auftrag, in Florida auf den verwöhnten, schwer zugänglichen Sohn eines Geschäftsmannes aufzupassen. Der pubertierende Trey macht ihr diesen Job mit seinem provokanten Verhalten nicht gerade einfach. Bei einem Ausflug kommt es plötzlich zu einem Angriff auf Trey, und die Ereignisse überschlagen sich. Charlie gerät unter Mordverdacht, ihr Partner Sean verschwindet spurlos, und zusammen mit Trey befindet sie sich auf der Flucht sowohl vor der Polizei als auch vor unbekannten Gegnern, die über Leichen gehen. Charlie kann niemandem mehr trauen…

Zum Buch:

Charlie Fox, aus deren Sicht die Geschichte in der Ich-Form erzählt wird,  ist eine toughe Britin und hat nach ihrem Austritt aus der Army einen neuen Beruf angetreten: Sie ist Bodyguard. Ein kurzfristig erteilter Auftrag verschlägt sie nach Florida, wo sie auf den jungen Trey, einen schwierigen und rebellischen Teenager, aufpassen soll. Es scheint ein leichter Job zu sein, von Trey’s trotzigen Pubertäts-Anwandlungen einmal abgesehen.

Die beiden befinden sich auf einem Ausflug in einen Vergnügungspark, wo Trey Charlie mit Freuden auf den Achterbahnen leiden lässt, und Charlie außer mit der Übelkeit auch mit der Hitze Florida’s, zu niedrig eingestellten Klimaanlagen und so manch anderem ‚Amerikanismus‘ zu kämpfen hat. Europäische Leser/Hörer können so manches davon gut nachvollziehen – auch wenn die andere Bezeichnung der Stockwerke in den Staaten (dort heißt das Erdgeschoss ‚1.Stock‘ usw.) dabei wohl noch keinem zur tödlichen Gefahr geworden ist, wie in ‚First Drop‘.

Im Vergnügungspark kommt es unerwartet zu einem Angriff auf Trey. Bewaffnete Männer sind offenbar darauf aus, ihn zu töten. Charlie ist perplex, kann aber mit Trey unerkannt entkommen. Auf der Flucht kommt es zu einem tragischen Zwischenfall: Ein Polizist kommt ums Leben, und Charlie wird als Täterin gesucht. Zudem finden die beiden Trey’s Elternhaus leer vor – Trey’s Vater Keith ist verschwunden, laut Augenzeugenbericht möglicherweise entführt.

Was folgt, ist ein tagelanges Versteckspiel sowohl vor den Behörden als auch vor den Männern, die hinter Trey her sind. Charlie ist dabei von jeder Hilfe isoliert: ihr Partner Sean (und offenbar ist er viel mehr als das) ist ebenfalls wie vom Erdboden verschluckt; die Firma, die Charlie engagiert hat, ist eventuell ebenfalls in die Geschichte verstrickt; und Charlie’s Kontakt in England ist aufgrund der Zeitverschiebung und der offensichtlichen Unmöglichkeit, an ein Telefon zu kommen (*Augenrollen*) nicht erreichbar. Und damit haben wir auch schon die erste Schwäche des Buches identifiziert. Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass Charlie in einem Land, in dem JEDER ein Handy besitzt, in einer Stadt, in der es mit Sicherheit unzählige Internetcafés gibt, und bestimmt auch noch das ein oder andere öffentliche Telefon, KEINE Möglichkeit findet, nach England zu telefonieren. Oder zu simsen. Zu skypen. Eine Email zu schicken BEVOR es Nacht wird in England.

Auf ihrer Flucht bekommen die beiden allerdings nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch Hilfe von unerwarteter Seite: Da sind Trey’s Freunde, die die ganze Sache erstmal ‚cool‘ finden und trotz Spring Break bereit sind, ihn und Charlie zu unterstützen (aber auch kein funktionierendes Telefon bieten können…). Wer es nicht weiß: ‚Spring Break‘ ist eine Woche im Frühling, in der die Colleges und Universitäten in den USA unterrichtsfrei haben, und in der die Studenten massenhaft an die Strände strömen, um Party zu machen. Und auch da ist es unlogisch, dass Charlie und Trey sich tagelang ausgerechnet in einer Küstenstadt aufhalten, die wegen betrunkener, wild gewordener Studenten nur so von Polizisten wimmelt. Macht keinen großen Sinn.

So geraten die zwei auch mehrfach in Gefahr, entdeckt zu werden. Zum Glück (und was für ein Zufall ist das?) stolpern sie dabei auf einen pensionierten FBI-Agenten, der ein Haus am Strand besitzt und Charlie und Trey spontan unter die Arme greift. Walt ist symphatisch, und Corbett verleiht ihm eine warmen, schweren Südstaaten-Akkzent. Dennoch ist das Zusammentreffen ein arger Zufall und auch nicht ganz klar, warum Walt ihnen hilft, anstatt die inzwischen in jeder Nachrichtensendung Gesuchten der Polizei zu übergeben.

Während sie untergetaucht sind, erfährt Charlie, dass eine über zugerichtete Leiche gefunden wurde. Sean. Und hier wird das Buch dann doch tiefgründiger und interessant. Charlie und Sean verbindet eine Vorgeschichte, die wir andeutungsweise erfahren, und sein Tod reißt der toughen Charlie den Boden unter den Füßen weg. An diesen Stellen spürt man das Potential der Buchreihe. Sharp, so sie denn die albernen Teenies mal beiseite lässt, hat ein gutes Gefühl für ihre Charaktere. Die Chemie zwischen Charlie und Sean in den Rückblenden ist prickelnd. Und auch in besonnenen Momenten mit Trey kann Charlie zeigen, dass sie mehr ist als nur ein funktionierender Bodyguard – eine Frau mit Gefühlen.

Es kommst schließlich, wie es kommen muss: ein actionreiches Finale (und Action, das muss man Sharp lassen, kann sie gut!), und die Aufklärung über die Hintergründe der Jagd auf Trey. Die Geschichte schließt sauber ab, und sie baut am Ende noch eine emotionale Brücke für den Folgeband. Charlie geht verändert aus diesem Fall hervor. Wie, das wird sich zeigen, sollte man sich für das nächste Buch entscheiden.

Zur Sprecherin:

Clare Corbett spricht angenehmes, sehr gut verständliches britisches Englisch. Die Stimme passt zu Charlie – jung, aber nicht naiv, von subtil ironischer Trockenheit. Auch Charlie’s ebenfalls englischem Partner Sean verleiht sie interessante, unterschwellig sexy klingende Nuancen. Die amerikanischen Figuren spricht Corbett mit amerikanischem Akkzent, und das ist gewöhnungsbedürftig. So ganz bekommt sie es nicht hin, und ihre Sprechweise kam mir oft übertrieben vor, als würde sie sich über den Akkzent lustig machen. Das gilt in besonderem Maße für die männlichen Personen. Sie verstellt ihre Stimme da sehr in tiefere Bereiche, und das wirkt gekünstelt. Für die Teenager passte diese Affektiertheit allerdings wie Faust aufs Auge. Da wirkte die überzogene Aussprache wie eine gewollte Parodie, und das machte Spaß. Nach einer Weile hat man sich allerdings reingehört, und dann kommt Corbett’s Stil als recht flott und pfiffig daher. Für die zahlreichen Actionszenen ist das genau richtig, und auch die vereinzelt vorkommenden leiseren Töne sind stimmig.

Fazit:

So richtig mitreißen konnte mich die Story nicht, und mit der sich um nervige Teenager drehenden Thematik hatte ich so meine Probleme, ebenso wie mit der Sprecherin. Es hat mich am Schluss nicht mehr richtig gekümmert, wer warum hinter wem her war. Der Plot war einfach nicht interessant genug. Die Action-Sequenzen waren dagegen gut geschrieben und auch gesprochen – knackig, spannend, zum Aufhorchen. Das große Plus, das das Hörbuch ins Positive rettet, ist die Figur der Charlie Fox, besonders im Zusammenspiel mit ihrem Partner Sean. Da kommt Knistern auf, und Tiefe, und so etwas wie eine emotionale Bindung an die Heldin. Wenn ich mir noch ein weiteres Buch der Serie anhöre, dann um mehr über die Beziehung der beiden zu erfahren, und aus keinem anderen Grund.

Bewertung: 5/10

Webseite der Autorin: www.zoesharp.com
(Hier findet man auch die ‚Charlie Fox‘-Reihe nach Erscheinungsdatum sortiert. Ich habe leider in der Mitte angefangen.)

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