‚The Night Circus‘ von Erin Morgenstern

Titel: ‚The Night Circus‘
(dt. Titel: ‚Der Nachtzirkus‘)

Autorin: Erin Morgenstern

Sprache: Englisch

Sprecher: Jim Dale

Medium: Hörbüch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo

Länge: 13 Std 39 min (ungekürzt)

“You may tell a tale that takes up residence in someone’s soul, becomes their blood and self and purpose. That tale will move them and drive them and who knows that they might do because of it, because of your words. That is your role, your gift.”
The Night Circus

Kurzbeschreibung (von amazon.de):

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.

Zum Buch:

Der schwarz-weiße Zirkus taucht plötzlich auf und öffnet erst bei Einbruch der Dunkelheit, bis zum Morgengrauen. Mit den anderen Besuchern betritt der Hörer (hier wird in der 2.Person erzählt) eine verzauberte, betörende Welt. In den unzähligen, um ein großes Feuer angelegten Zelten wartet Geheimnisvolles, Wundersames: Akrobaten, Wahrsager, Spiegelkabinette, aber auch so Seltsames wie Regale voller Flaschen, die beim Entkorken Empfindungen freilassen, oder ein Garten ganz aus Eis. In lustvollen, äußerst detaillierten Beschreibungen erschafft Erin Morgenstern eine Welt, die im Kopf ganz großes Kino auslöst. Man fühlt, hört, sieht und schmeckt diesen Zirkus, während man hindurch streift und den Mund vor Stauenen offen stehen lässt.

Zwischen diesen Erkundungen findet die Handlung statt. Und hier kann man THE NIGHT CIRCUS auch direkt kritisieren (so man es denn möchte). Die eigentliche Handlung ist eher dünn, der Klappentext in dieser Beziehung regelrecht irreführend, und von ‚Action‘, wie man sie von Fantasy- oder Magical Realism-Geschichten üblicherweise erwartet, ist hier kaum etwas zu sehen. Warum das aber überhaupt nicht schlimm ist, dazu später.

Zunächst einmal ist die Geschichte schnell erzählt: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschließen zwei Magier (‚Prospero the Enchanter‘ und ein Herr im grauen Anzug, der sich ‚Alexander‘ nennt) in einem Wettkampf zwei ihrer Schüler gegeneinander antreten zu lassen: Celia, die Tochter von Prospero (alias Hector Bowen) gegen Marco, den Alexander aus dem Waisenhaus holt. Es kommt, wie es kommen muss: Celia und Marco treffen aufeinander und verlieben sich. Sie begreifen schließlich, dass es ein Wettkampf bis in den Tod ist: nur Einer von ihnen wird überleben. Im Nachtzirkus, dem ‚Cirque des Rêves‘, findet das ‚Duell‘ schließlich sein verzweifeltes, überraschendes Ende.

Verkompliziert wird die Geschichte zum einen durch Isobel, die Wahrsagerin, die ebenfalls in Marko verliebt und mit diesem zusammen ist. Außerdem sind da noch die Zwillinge Penelope und Winston, genannt Poppet und Widget, die ahnen, dass die Existenz des Zirkus gefährdet it. Helfen soll Baley, ein junger Mann, der seit seiner Kindheit vom Zirkus der Träume fasziniert ist und sich mit Poppet anfreundet.

Das alles ist allerdings eher nebensächlich. Oder vielmehr: nicht die Hauptsache. Wer einen aufregenden Spannungsbogen erwartet, der in einem dramatischen Finale kulminiert, wird bitter enttäuscht werden. Kritikern des des Buches passiert einfach zu wenig. Aber hat man erstmal die in verschiedenen Zeitebenen und an verschiedenen Orten stattfindenden Geschehnisse sortiert, hat man sich eingehört in die opulenten, sinnlichen Beschreibungen, sind einem die ebenso liebevoll wie plastisch beschriebenen Figuren erst einmal ans Herz gewachsen, dann passiert etwas anderes, etwas Wunderbares: Man begreift, dass es hier nicht um die Geschichte eines Duells geht, ja, noch nicht einmal um eine dramatische Liebesgeschichte. Es geht einzig und allein um den Zauber des Zirkus und der Charaktere, die ihn bevölkern.

Es geht um Prospero und Alexander, die auf so unterschiedliche Weise ihre Zöglinge unterrichten. Es geht um Chandresh Christophe Lefèvre, der den Nachtzirkus ins Leben ruft. Es geht um die Murray-Zwillinge, Poppet und Widget, die in der Premierennacht geboren werden und das Schicksal des Zirkus mit ihren besonderen Gaben beeinflussen werden. Und weitere illustre Personen bevölkern und schmücken den Cirque des Rêves: die Burgess-Schwestern, Mr. Barris, Madame Padva mit ihren grandiosen Kostümen, die Akrobatin Tsukiko und Herr Thiessen, der eine unvergleichliche Uhr für den Zirkus kreiert.

Sie alle verzaubern den Leser/Hörer und erschaffen zusammen mit den sinnlichen, detailverliebten Beschreibungen eine einzigartige Atmosphäre, in die man voll und ganz eintaucht. Der Leser riecht den Duft des Feuers, fühlt den samtigen Vorhangsstoff, schmeckt die karamellisierten Äpfel, hört die verwunschenen Stimmen der Schatten, spürt den kühlen Hauch des Eisgartens. Wer hier bereit ist, die Langsamkeit wieder zu entdecken, wer sich einlassen kann auf den hypnotischen Zauber der Sprache Morgensterns, dem sind die Schwächen in der Dramaturgie egal.

Der Zirkus selbst ist der Hauptdarsteller und die Geschichte, und man verlässt ihn mit einer Mischung aus Glück und leise schmerzender Sehnsucht.

Fazit:

Ein zauberhaft-geheimnisvolles Hörbuch, das nicht durch die Handlung, sondern die überwältigende Atmosphäre seinen Reiz erhält und überzeugt. THE NIGHT CIRCUS ist kein actionreiches Magier-Duell, auch wenn der Klappentext das glauben macht. Diese Erwartungen werden enttäuscht. Es geht nicht um das, was passiert, sondern wie es passiert. Es geht um den Zirkus selbst, um seine wundersamen Geschöpfe, und was sie in uns auslösen. Der Hörer betritt eine verwunschene, zerbrechlich scheinende Welt der Magie und kann sich gar nicht satt sehen an ihrer Schönheit und ihren Details. Wer den ‚Cirque des Rêves betritt‘, verlässt ihn nur ungern. Es ist wie das Auftauchen aus einem schönen, mystriösen Traum, dem man verwundert nachhängt, mit einem Gefühl von zarter Melancholie.

Zum Sprecher:

Jim Dale ist, um es kurz zu machen, fantastisch! Seine ruhige, doch leidenschaftliche Sprechweise ist genauso melodiös und geheimnisumwittert, wie das Thema es verlangt. Mit seiner Interpretation der Figuren und sorgsam gelesenen, üppigen Beschreibungen holt Dale das Letzte aus dem Hörbuch heraus. Es spricht den Zuhörer geradezu in einen Rausch. Ohne großartig die Stimmtiefe zu variieren, gibt er mühelos männlichen als auch weiblichen Figuren ihre eigene Persönlichkeit. Die Murray-Zwillinge würzt er mit einem schottisch anmutenden Akkzent, an den ich mich gewöhnen musste, mich letztendlich aber verliebte. Man kann spüren, dass Dale lange Sprech- und Lebenserfahrung in die Waagschale wirft und große Freude an seiner Arbeit mit dem Buch hat. Eine perfekte Verbindung von Geschichte und Geschichtenerzähler. Grandios!

Bewertung: 9/10

Erin Morgenstern twittert unter @erinmorgenstern (und antwortet auch!)

Ihre website: erinmorgenstern.com

Videos:

Buchtrailer:

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