‚Der Prophet des Todes‘ von Vincent Kliesch

Titel: ‚Der Prophet des Todes‘ (Julius Kern 3)

Autor: Vincent Kliesch

Sprache: Deutsch

Sprecher: Uve Teschner

Format: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo (Normalpreis € 20,95 )

Länge: 8 Std 51 min (ungekürzt)

Inhaltsangabe (von audible.de):

Eine geheimnisvolle Vorhersage kündigt zwei rätselhafte Todesfälle in Berlin an. Wer steckt hinter der seltsamen Botschaft? Hauptkommissar Julius Kern beginnt zu ermitteln – und erhält kurz darauf selbst eine Todesprophezeiung. Er wird von dem Fall abgezogen, doch inoffiziell ermittelt er weiter. Denn der Prophet des Todes hat keinen Zweifel daran gelassen, dass nur eine Begegnung mit Kerns Erzrivalen Tassilo Michaelis das Rätsel lösen und die Familie des Kommissars retten kann…

Zum Hörbuch:

DER PROPHET DES TODES ist der 3. Band aus der Julius Kern-Serie von Vincent Kliesch, aber für mich war es das erste Zusammentreffen mit dem Kommissar. Schade eigentlich, denn nach all den Spoilern aus diesem Band kann ich mir die ersten beiden sparen. Die bieten dann wohl keine tatsächliche Spannung mehr. Folglich kann ich nur allen Neulingen raten, tatsächlich mit Band 1 anzufangen: DIE REINHEIT DES TODES.

So aber lerne ich Hauptkommissar Julius Kern kennen, als er den Schauplatz eines fragwürdigen Selbstmordes inspiziert: Eine junge Mutter, die beim Jugendamt auf Grund von Vernachlässigungsvermutungen bereits aktenkundig war, wird erhängt in ihrer Wohnung aufgefunden. Ihr kleine Tochter liegt weinend im Kinderzimmer. An der Selbstmordhypothese gibt es jedoch ein Problem: Auch der Vater des Kindes wird tot in dessen Wohnung entdeckt, und die Ermittler stoßen auf eine Prophezeiung, die beide Todesfälle voraussah.

Dieser Beginn ist gut. Ein interessanter Fall, und die Figuren machen auch einen vielversprechenden Eindruck. Kern ist mal NICHT ein gebrochener Einzelgänger, sondern ein verheirateter Vater mit einer Teenager-Tochter. Zwar schleppt er einiges an ‚Gepäck‘ mit sich herum und hat raue Zeiten in seiner Ehe überstanden, aber seine Situation ist stabil. Nett sind die eingestreuten Szenen mit seiner Tochter und deren neuem Schwarm. Es tut gut, in einem Thriller auch mal etwas Leichtigkeit und Normalität vorzufinden.

Die Nebenfiguren, von Kerns Frau über seine Kollegen Quirin und Dennis, seine Chefin Castella bis hin zu den ‚bösen Buben‘ sind ebenfalls interessant. Ihnen fehlt zwar die Tiefe von literarischeren Thrillern, aber sie sind auch keine eindimensionalen Pappfiguren oder wandelnde Klischees. Dafür sorgt allein schon die Tatsache, dass die meisten Charaktere schon seit Band 1 der Serie mit von der Partie sind und eine gemeinsame Geschichte teilen.

Kommen wir zum Bösewicht dieses Thrillers. Die besten Serienmörder sind immer die, die eine gewisse Faszination auf den Leser ausüben. Solche, bei denen man sich ertappt, sie teilweise sogar zu mögen oder zu verstehen, um im nächsten Moment entsetzt über solche Gedanken zu sein. Zu dieser Kategorie gehört Tassilo Michaelis zweifellos. Er ist natürlich absolut krank im Kopf, und seine Morde lassen an kreativer Grausamkeit nichts zu wünschen übrig. Was er da mit seinen ‚Gästen‘ treibt, ist schon sehr heftig, und das hätte es für mich auch nicht unbedingt sein müssen – aber so ist das heute in Serienmörder-Krimis eben. Ein Opfer einfach nur auf ‚gute alte Art‘ umzubringen, lockt offenbar keine müde Maus mehr hinterm Ofen hervor.

Neben Abscheu und Entsetzen konnte ich mich zeitweilig aber auch nicht dagegen wehren, Tassilos geschliffene, elegante Art zu mögen und ihm ein gewisses Verständnis entgegen zu bringen (wenn ihr die Stelle mit dem deutschen Touristen gelesen habt, wisst ihr, was ich meine). Man hat fast das Gefühl, würde dieser Drang zur Gewaltauslebung nicht in Tassilo existieren, hätte man es mit einem äußerst klugen und angenehmen Menschen zu tun. DER PROPHET DES TODES unterstützt diesen Eindruck noch, als wir aufschlussreiche Dinge über Tassilos Vergangenheit erfahren und Kern und er beinahe so etwas wie eine Allianz eingehen.

Von diesem starken ‚Duo‘ abgesehen, hat der Roman allerdings auch Schwächen. Es ist immer schwierig, in einer Buchreihe dem Leser das Vorhergegangene noch mal zu erklären. Neulinge müssen auf den Stand der Dinge gebracht werden, ohne dass es zu Wiederholungen oder für den Serienkenner langweilige Zusammenfassungen kommt. Das  gelingt hier nicht wirklich. Selbst ich, die ich die ersten beiden Bände ja nicht kannte, empfand die Erklärungen zur Vorgeschichte und das Wiederauftauchen bekannter Charaktere mit den zugehörigen Erklärungen als mühselig und störend. Die Geschichte sackte im Mittelteil dadurch etwas durch, verlor an Tempo und Spannung. Von anderen Lesern, die Teil 1 und 2 schon kennen, habe ich gehört, dass sie das noch wesentlich nerviger fanden.
Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang, dass ein 4. Teil am Ende im Bereich des Möglichen liegt. Der wirkich hoch spannende Schluss mit mehreren Wendungen und viel Dramatik lässt da eine Tür offen, die man vielleicht besser hätte schließen sollen.

Fazit:

Ein spannender, solider Thriller mit einem kernigen, sympathischen Hauptkommissar und seinem interessanten, barbarischen Erzfeind. Die gesamte Besetzung ist unterhaltsam, und der Fall bietet genügend Überraschungen, um gut bei der Stange zu bleiben. Allerdings schaden Wiederholungen und Erklärungen im Rückgriff auf die ersten beiden Bände der Serie der Spannung und dem Tempo des Buches. Zu viele Charaktere aus den Vorgängern tauchen wieder auf und bringen eher sperrige Pausen, als die Geschichte vorwärts zu treiben. Der wendungsreiche, dramatische Schluss bringt allerdings satte Pluspunkte.

Am Ende möchte man Julius Kern und sein Team gerne wieder sehen – aber bitte ohne Altlasten und mit einem neuen Gegner!

Zum Sprecher:

Uve Teschner kannte ich bereits von einem anderen Thriller. Er hat keine markante Stimme, die im Gedächtnis bleibt, aber er spricht dieses Hörbuch wirklich tadellos. Tassilo verleiht er eine samtig-gefährliche Stimme, die absolut zur Dualität dieser Figur passt, und auch für Kern findet Teschner den passenden Tonfall. Schön, dass er auch die Tochter von Julius gut hinbekommt – weibliche Teenager sind für einen männlichen Hörbuchsprecher immer eine doppelte Herausforderung. Lobend erwähnt sei noch das hörbare Bemühen um Authentizität, z.B. als Tassilo eine Maske trägt und Teschner ganz offensichtlich auch durch ein Tuch o.ä. spricht, um den gedämpften Klang wieder zu geben.

Bewertung: 7/10

Die Julius Kern-Serie:

Band 1: ‚Die Reinheit des Todes‘

Band 2: ‚Der Todeszauberer‘

Band 3: ‚Der Prophet des Todes‘

Interview mit Vincent Kliesch:

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