Rezension: ‚Daughter of smoke and bone‘ #1 von Laini Taylor

Titel: ‚Daughter of smoke and bone‘ (Teil 1)
(dt. Titel: ‚Daughter of smoke and bone: Zwischen den Welten‘)

Autorin: Laini Taylor

Sprache: Amerikanisch

Sprecherin: Christine Hvam

Format: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo (Normalpreis € 15,95)

Länge: 12 Std 32 min (ungekürzt), incl. Interview mit der Autorin

Hörprobe

“She had been innocent once, a little girl playing with feathers on the floor of a devil’s lair. She wasn’t innocent now, but she didn’t know what to do about it. This was her life: magic and shame and secrets and teeth and a deep, nagging hollow at the center of herself where something was most certainly missing.”
― Laini Taylor, Daughter of Smoke and Bone

Inhaltsangabe (von audible.de):

Karou ist jemand ganz Besonderes. Sie hat blaue Haare so glänzend wie Seide und filigrane Tattoos. Sie ist in den düsteren Gassen Prags genauso zu Hause wie auf den Märkten von Marrakesch. Und sie spricht fast alle Sprachen der Welt, nicht nur die der Menschen. Doch Karou hat ein Geheimnis. Manchmal verschwindet sie für Tage, ohne jemandem zu sagen wohin. Außerdem kennt nicht einmal sie selbst ihre wahre Herkunft. Als sie Akiva mit den feuerfarbenen Augen trifft, beginnt eine Liebe, deren Wurzeln tief in eine gewalttätige Vergangenheit reichen. Und Karou muss mehr über sich erfahren, als sie sich jemals hätte vorstellen können…

Zum Hörbuch:

Dieses Hörbuch war eine Empfehlung von Kelli @oddiophile, auf meine Nachfrage nach etwas ‚Literarischem, gerne auch Fantasy, aber ohne Vampire!‘ Das Label ‚YA‘ (was hierzulande etwas unpassend ‚Jugendbuch‘ heisst), machte mich skeptisch, aber Inhaltsangabe und  Hörprobe waren verheißungsreich.

Unterlegt mit poppig-ätherischer Musik, stellt das Intro ins Hörbuch schon mal eins klar:

‚Once upon a time, an angel and a devil fell in love. It did not end well.‘

Wir erfahren also direkt, dass mit Friede, Freude, Eierkuchen am Ende nicht zu rechnen ist – was bei einem so gegensätzlichen ‚Paar‘ auch einleuchtet. Natürlich hört sich das auch etwas klischeehaft an, nach romantischem Drama und Schwarz-Weiß-Malerei. So einfach kommt es allerdings nicht.

Karou wird uns vorgestellt. Auf dem Weg zur Kunstschule, die die 17jährige in Prag besucht, muss sie sich augenrollend mit ihrem nervigen Ex-Freund Kazimir auseinander setzen. Es kommt zu einigen recht lockeren, neckischen Szenen, die vor allem die Zielgruppe des Hörbuchs ansprechen. Wir lernen Karou’s Freundin Zuzanna kennen (die von Hvam mit entzückend tschechischem Akkzent gesprochen wird), und kleine, aber nicht näher erklärte Einblicke in Karou’s Leben wecken große Neugier. Warum sind ihre Haare tatsächlich blau? Was hat es mit den Tatoos auf ihrem Körper auf sich? Und wie funktioniert das mit ihrer Halskette, deren Perlen sich in die Erfüllung kleiner Wünsche verwandeln lassen? Die phantasievollen Figuren, die Karou in ihrem Skizzenbuch zeichnet, sind, so ahnt man, nicht nur ihrer Einbildung entsprungen. Und warum, um Gottes Willen, sammelt sie Zähne?! Sie verbirgt ein geheimnisvolles Doppelleben vor ihren Freunden, das ist klar.

Das erste Drittel des Hörbuchs widmet sich farbenfroh, unterhaltsam und ideensprühend der häppchenweisen Vorstellung von Karou’s geheimer Welt. Nach und nach lernen wir die weiteren Protagonisten kennen, allen voran Brimstone, Karou’s Ziehvater, und natürlich Akiva. Ah, Akiva. Sein erster Auftritt lässt an atemberaubender Dramatik nichts zu wünschen übrig. In üppiger Sprache und schamlosen Metaphern schwelgend, zeichnet Laini Taylor dieses männliche Traumwesen auf die Leinwand eines düster-verwunschen anmutenden Prags, und wir können nur andächtig lauschen.

Überhaupt traut sich Taylor, ihre Neuauflage der Romeo-und-Julia-Geschichte ungeniert und leidenschaftlich auszuschlachten. Und es funktioniert! Gebannt und mit blutendem Herzen verfolgt man das Schicksal der tragischen Liebenden von Prag über Marrakesch bis hinein ins mysteriöse ‚Elsewhere‘ – Anderswo. Der Kniff an der Sache ist, dass immer unklarer wird, wer hier gut und wer böse ist. Die Definitionen von ‚Engel‘ und ‚Teufel‘ geraten aus den Fugen. Taylor transportiert diese Archetypen in eine nicht-religiöse Welt aus Fantasmus und neu erfundenen Mythen und spielt dabei mit unseren Erwartungen.

Zugegeben, im Mittelteil verliert die Geschichte zeitweilig an Tempo. Das liegt zum einen an den komplett ausgereizten Szenen zwischen Karou und Akiva. Eine Bewegung, ein Blick, ein Kuss – das kann mit viel deskriptivem Gewese und emotionalen Einblicken in die Herzen beider Beteiligten schon mal ewig dauern. Allerdings schafft Taylor es, ganz sicher diesseits auf der Grenze des Erträglichen zu bleiben. Für jugendliche Leser glitzern diese Momente in schwindelerregender Schönheit und Romantik, und auch ich konnte mich dem schillernden Pathos der Geschichte überhaupt nicht entziehen. Muss man allerdings mögen. Kurz und knackig gibt es hier nicht. Realismus muss vor der Tür angebunden werden. Aber das ist ja der Sinn der Sache.

Zum anderen eröffnet Taylor in der Mitte des Buches eine neue Zeit- und Personenebene in der Geschichte. Die Perspektive wechselt hin zu Akiva und dessen Vergangenheit. Neue Figuren müssen eingeführt werden, und zwar sehr gründlich und ausführlich, damit wir uns emotional an sie binden können. So entsteht eine komplette zweite Geschichte, und zumindest mich hat das zwischendurch bei aller Liebe etwas genervt. Ich wollte wissen, wie es im Hier und Jetzt weitergeht, mit Karou und Akiva. Ab und an habe ich tatsächlich aufgestöhnt, als eine bevorstehende Enthüllung mal wieder ewig in die Länge gezogen wurde. „Jetzt spuck’s schon aus, Akiva!“ Sowas habe ich mehr als einmal laut gerufen.

Am Schluss stehen wir mit Karou vor erschütternden Erkenntnissen. DAUGHTER OF SMOKE AND BONE wird wohltuend düster, schüttelt die Kategorien ‚gut‘ und ‚böse‘ nochmal kräftig durch, und präsentiert uns ein tragisches Liebespaar, wie Shakespeare es nicht schöner und dramatischer hätte erfinden können. Und endet mit der gefährlichen Eröffnung eines neues Aktes, beim Eintritt in eine neue Welt. Wer jetzt noch nicht am Haken hängt und nach der Fortsetzung hungert, hat weder Augen noch Ohren noch ein Herz.

Zur Sprecherin:

Khristine Hvam macht alles richtig. Ihre junge Stimme passt zu Karou, und erstaunlicherweise auch zu Akiva. Es sind Nuancen in Stimmlage und Sprechtempo, mit denen Hvam jeden Charakter erkennbar und einzigartig macht. Besonders die Interpretation von Brimstone mit seiner tiefen Stimmfarbe und dem eckig-dusteren Fantasieakkzent ist eindrucksvoll. Gleiches gilt für Zuzanna und den Humor und die Reife,  welche Hvam Karou’s Freundin verleiht.

In den vielen dramatischen und romantischen Szenen muss Hvam aufpassen, sich vom ausgeschmückten Stil der Autorin nicht ins Übertriebene tragen zu lassen – und schafft das auch! Ohne Leidenschaft, Honig und Hauchen lässt sich diese Geschichte nicht vortragen. Hvam gibt sich dem hin, ohne je ins Lächerliche zu kippen. Im Gegenteil: Sie trägt dem tragischen, dunklen Unterton der Geschichte Rechnung und verleiht ihr immer wieder die nötige Schwere. Es wird ernst, und Hvam bringt das sehr glaubhaft rüber.

Fazit:

DAUGHTER OF SMOKE AND BONE vereint die klassischen Elemente moderner Jugend-Fantasy und ‚paranormal romance‘ mit erstaunlich lustvoller Sprache und einer modernen Variante von ‚Romeo und Julia‘. Die Fantasiewelt, die Taylor erschafft, spielt mit Konventionen und Erwartungen, ist farbenfroh und düster zugleich. Im Zentrum steht eine tragische Liebesgeschichte von überbordendem Ausmaß. Als Identifikationsfigur dient Karou, der Prototyp der toughen jungen Heldin, wie wir sie zur Zeit in vielen Jugendbüchern erleben – stark und selbstbewusst, aber von erstaunlicher emotionaler Reife und Verwundbarkeit. Gespickt mit eindrucksvollen Nebenfiguren und schaurig-romantischen Schauplätzen, ist das Hörbuch ein Fest für die Sinne.

Wer leidenschaftliche, romantische Geschichten liebt und sich für Fantasy interessiert, ist in Karou’s Welt wunderbar aufgehoben. Ein Hörbuch zum Schwelgen.

Bewertung: 8/10

Info:

Band 2, DAYS OF BLOOD AND STARLIGHT, erscheint im September 2012 auf Englisch.

Webseite zur Buchreihe: http://www.daughterofsmokeandbone.com/

Buchtrailer (deutsch):

Buchtrailer (englisch):

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2 Gedanken zu “Rezension: ‚Daughter of smoke and bone‘ #1 von Laini Taylor

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