Rezension: ‚John Sinclair Classics 1: Der Anfang‘

Titel: ‚John Sinclair Classics 1 – Der Anfang‘

Autor: Oliver Döring/Jason Dark

Sprache: Deutsch

Sprecher: Frank Glaubrecht, Joachim Tennstedt uvm.

Format: Audio-CD

Länge: 1 Std 16 min

Eine Hörprobe gibt’s hier.

Inhaltsangabe:

Ein bestialischer Mord erschüttert eine kleine Gemeinde in Schottland. Der Hauptverdächtige scheint verwirrt, redet von einer lebenden Leiche. Hilfesuchend wendet sich die örtliche Polizei an New Scotland Yard. Inspektor John Sinclair nimmt sich des Falles an. Was für den kühlen Analytiker als Routineauftrag beginnt, gipfelt in einem apokalyptischen Szenario des Schreckens: Werden die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren?

Zum Hörspiel:

John Sinclair. Davon hatte ich schon mal gehört. Aber was sich dahinter verbarg? Fehlanzeige. Als ich in Köln auf der Hörspiel-Arena dann ‚John Sinclair live‘ mit Dietmar Wunder und Martin May erleben durfte, wusste ich ein wenig mehr und kaufte mir Teil 1 der neuen ‚Classics‘ Reihe.

Inzwischen habe ich etwas recherchiert und kläre euch gerne kurz auf:

Die John Sinclair-Geschichten entstammen einer deutschen Groschenromanserie, die 1973 das erste mal erschien. Die Abenteuer um den britischen Geisterjäger aus deutscher Schreibe entwickelten sich zur erfolgreichsten Heftroman-Reihe, und es werden nach wie vor wöchentlich neue Folgen veröffentlicht. Inzwischen sind das über 1.800!

1981 erblickte die Hörspielumsetzung das Licht der Welt. Das Tonstudio Braun produzierte mehr als 100 Folgen, musste dann aber die Serie wegen eines Rechtsstreits mit Bastei-Lübbe (die die Hefte herausgeben) beenden.

Ab dem Jahr 2000 produzierte Lübbe Audio dann die ganze Reihe selbst neu – als ‚Edition 2000‘, mit einem modernisierten John Sinclair, neuen Sprechern und nur noch an die Originalstories angelehnt.

Seit März 2010 gibt es jetzt die ‚John Sinclair Classics‘ von Lübbe. Das sind die Originalgeschichten aus der Anfangszeit der Groschenhefte, zeitlich vor den Edition 2000-Geschichten angesiedelt, aber mit den gleichen, namhaften Sprechern neu aufgenommen.

So. Hat das geholfen?

Hier handelt es sich also um Folge 1 der neuen Classics-Serie. John Sinclair, seines Zeichens Inspector bei Scotland Yard, soll in Schottland einen Mord aufklären, den wir Zuschauer zuvor ‚live‘ mitgehört haben. Wir wissen also, dass ein stöhnendes, schlurfendes Wesen mit schmatzend-krachenden Geräuschen die Ehefrau umgebracht hat, und nicht der Ehemann, wie die Polizei noch vermutet. Zombiealarm!

Auftritt John Sinclair, der diesen Fall mit gebührender Ernsthaftigkeit angeht und erstaunlich bodenständig und authentisch daher kommt. Was zum Großteil an Frank Glaubrecht liegt, der ihn ganz wunderbar spricht. Die Geschichte schwankt beständig zwischen Grusel und Komik, und es liegt vor allem an Glaubrecht und seinen Kollegen, dass sie nie in Trash abgleitet. Man schaudert und hat gleichzeitig Spaß, weil die Sprecher ihren Job ernst nehmen und eben NICHT übertreiben, sondern glaubhaft Angst, Verwunderung, Schock und alle anderen Emotionen stimmlich spiegeln.

Klar, diese Geisterjagd in einer schottischen Kleinstadt hat trotzdem etwas Vergnügliches. Die Geschichte spielt in einer Zeit, als es noch keine Handies, GPS oder sonstigen technischen Schnickschnack gab und ist damit herrlich altmodisch. Die Geräuschemacher schwelgen in Türenquietschen, hallenden Schritten und Kettengerassel. Das alles ist aber hochwertig aufgenommen und umgesetzt, so dass man im Dunkeln vielleicht doch etwas Gänsehaut bekommt.(Und Vorsicht: NICHTS für Kinder! Dafür ist es dann doch zu heftig!)

‚Der Anfang‘ begründet den Beginn von John Sinclair’s Karriere als Geisterjäger und macht definitiv neugierig auf mehr. Ich war richtig enttäuscht, als das Hörspiel nach einer guten Stunde schon zu Ende war. Das war schaurig und lustig und einfach nur gut gemacht! Von einer neuen Sucht möchte ich nicht sprechen, aber zumindest was die Classics angeht, werde ich mir bestimmt noch mehr anhören.

Zu den Sprechern:

Ein ganz feines Ensemble findet sich ein, um Geisterjäger zu spielen. Frank Glaubrecht vertont von Folge 1-9 John Sinclair mit ganz viel Glaubwürdigkeit und kommt als cooler Held von Scotland Yard sehr gut rüber. (Ich hatte zu Beginn leichte Probleme, ihn nicht mit Cowboyhut als ‚Rick Simon‘ vor meinem inneren Auge zu sehen, weil auch der Synchronsprecher seines TV-Bruders ‚AJ Simon‘ in dieser Folge mitmacht, aber das ist eine andere Geschichte und interessiert keinen unter 30…). Ab Folge 10 spricht in den Classics Dietmar Wunder den John Sinclair, und bei der Hörspiel-Arena konnte ich mich davon überzeugen, wie gut sich das anhören wird.

Zu Joachim Kerzel als Erzähler gibt es nichts hinzu zu fügen – der ist bewährt aus endlosen anderen Hörspielen und ein Vollprofi. Etliche andere bekannte Sprecher geben sich die Hand: Joachim Tennstedt, Peer Augustinski, Detlef Bierstedt, Tobias Meister, Oliver Rohrbeck, Ilya Welter und sogar Dieter Nuhr steckt mal den (Kehl)kopf rein. Besonders lobend erwähnen möchte ich Nana Spier, die die toughe Journalistin Ann Baxter mit dem perfekten Mix aus frecher Neugier und schließlich nackter Angst verkörpert.

Fazit:

Ein schräg-schauriges Hörspielvergnügen für Erwachsene. Die Geschichten haben altmodische Groschenromanqualität, sind durch die fantastischen Sprecher, die perfekten Geräusche und Musik aber ein hochkarätiger Genuß! Man muss es allerdings mögen, und es sind eindeutig Hörspiele für ERWACHSENE! Etwas für Freaks oder Menschen wie mich, die zwischen langen Hörbüchern und manchmal doch recht grauem Alltag Lust haben auf Exzentrik.

Und Horrorfilme gucke ich mir deswegen trotzdem nicht an. Damit hat John Sinclair nur am Rande etwas zu tun.

Bewertung: 9/10

Joachim Kerzel erzählt (mit einem Augenzwinkern) von den typischen Geräuschelementen einer Horrorszene:

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