Rezension: ‚Nachtjagd‘ (Black Dagger 1) von J.R. Ward

Titel: ‚Nachtjagd‘ (Black Dagger 1)
(Originaltitel: ‚Dark Lover‘)

Autorin: J.R. Ward

Sprache: Deutsch
(Originalsprache: Englisch)

Sprecher: Johannes Steck

Format: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo (ohne Abo € 11,95)

Länge: 4 Std 53 min (gekürzt)

Hörprobe

Inhaltsangabe (audible.de):

Die junge Beth Randall, Reporterin bei einer kleinen Zeitung in Caldwell, New York, wird an den Tatort eines ungewöhnlichen Mordes gerufen:
Ein Mann ist bei der Explosion einer Autobombe gestorben, und die Polizei kann keinen Hinweis auf die Identität des Toten finden. Dann trifft Beth auf den geheimnisvollen Wrath, der in Zusammenhang mit dem Mord zu stehen scheint. Während sie sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit ihm einlässt, wächst in ihr der Verdacht, dass Wrath der gesuchte Mörder ist. Und darüber hinaus behauptet er, ein Vampir zu sein, und das Oberhaupt der Bruderschaft der BLACK DAGGER, die seit Jahrhunderten einen gnadenlosen Krieg um das Schicksal der Welt führen muss…

Zum Hörbuch:

Nachdem ich in der Vergangenheit mehrere Bände der MIDNIGHT BREED-Reihe gelesen oder gehört hatte, bekam ich Lust, es mal mit einer anderen Fantasy Romance-Serie zu versuchen. Ab und an kriege ich ja meinen ‚Vampir-Rappel‘, und dann sah ich auch noch, dass Johannes Steck die BLACK DAGGER-Reihe liest. Den kannte ich bisher nur als Thriller-Leser, wollte ihn aber schon länger gerne mal mit einer erotischen Thematik erleben.

BLACK DAGGER also.

Das Schema, so merkte ich schnell, kam mir verdammt bekannt vor: Wie in der MIDNIGHT BREED-Serie geht es um den Kampf der ‚guten‘ gegen die ‚bösen‘ Vampire, und darum, welcher Krieger welche Frau abbekommt. Bei MIDNIGHT BREED kämpft der ‚Orden‘ gegen die ‚Rogues‘, bei BLACK DAGGER die ‚Bruderschaft‘ gegen die ‚Lesser‘. Und die Frauen der Vampire heißen im ersten Fall ‚Gefährtinnen‘, im zweiten ‚Shellans‘.

Ansonsten liegen die Unterschiede nur im Detail. J.R. Ward’s Vampire müssen z.B. erst noch eine Transition durchstehen, bevor sie Blutsauger werden. Und bei ihr wechselt die Erzählperspektive zwischen der Bruderschaft und dem Anführer der ‚Lesser‘ hin und her – bei Lara Adrian gibt es das nicht. Die Nebenfiguren variieren auch, aber im Grunde genommen ist es doch das Gleiche. Unwillkürlich fragte ich mich, welche Serie denn da jetzt bei der anderen abgekupfert hat – um zu meinem Erstaunen festzustellen, dass es noch etliche weitere Serien gibt, die genau demselben Schema folgen. Und eine Krähe hackt der anderen dabei offenbar kein Auge aus.

Aber gut: Es sind ja auch archaische Themen, die auch in BLACK DAGGER gnadenlos beackert werden. Da haben wir den düsteren, mysteriösen Wrath, der von magnetischer Anziehungskraft ist. Und wir haben Beth, die ihm trotz seines furchteinflößenden Auftretens nicht widerstehen kann. Mit anderen Worten: Die Schöne und das Biest, Version 3.685.

Wir haben die Bruderschaft, die sich mit dunkler Noblesse gegen die moralisch korrupten und niederen ‚Lesser‘ stemmt. Der Kampf des Guten gegen das Böse.

Und wir haben unverhohlene Erotik. Schwarzes Leder, lüsterne Gedanken und völlig ungenierten Sex, für den es keine andere Begründung braucht als schiere, körperliche Lust.

Diese Zutaten funktionieren immer noch. Für viele. Haben sie für mich auch bei Lara Adrian. Aber merkwürdig – hier, bei J.R. Ward, wollte der Funke einfach nicht überspringen. Mögliche Begründungen dafür gibt es mehrere:

  • Das Schema der Geschichte war schon bekannt, daher eventuell reizlos
  • Die Charaktere aus BLACK DAGGER schnitten im Vergleich zu MIDNIGHT BREED schlechter ab (Tut mir leid, Wrath, dein Platz ist schon von Lucan besetzt, und der ist einfach heißer!)
  • Die Hörbuchfassung war stark gekürzt und fühlte sich gerafft und reduziert an
  • Johannes Steck konnte mich als Sprecher nicht so überzeugen wie Simon Jäger in der ‚Konkurrenzreihe

Woran genau es nun lag, dass  Wrath und Konsorten mein Herz nicht erobern konnten, ist schwierig zu sagen. Schlechter geschrieben ist die BLACK DAGGER-Serie jedenfalls nicht. Aber der ‚Wiederholungsfaktor‘ hat mit Sicherheit eine große Rolle gespielt. Ich habe ja nichts dagegen, wenn ein klassisches literarisches Thema in einer Variation immer wieder aufgegriffen wird. Aber das hier bot einfach keine neuen Aspekte, bei denen ich aufgehorcht hätte.

Ganz schlimm finde ich es auch, dass die englischen Original-Bücher in der deutschen Übersetzung je auf zwei Bände aufgeteilt werden. Band 1 ‚Dark Lover‘ wurde hierzulande somit in ‚Nachtjagd‘ und ‚Blutopfer‘ gesplittet. Für mich kann das keinen anderen Grund haben als reine Geldmacherei, und es erklärt auch, warum NACHTJAGD so merkwürdig ‚mitten drin‘ endet. Klare Punktabzüge dafür!

Zum Sprecher:

Auf Johannes Steck hatte ich mich sehr gefreut. Ich liebe seine vielschichtige Stimme, und was er alles damit anstellen kann. Schon nachdem ich ihn in SCHWARZER SCHMETTERLING zum ersten Mal gehört hatte, wollte ich ihn unbedingt mal in einer Liebesgeschichte mit erotischem Anteil erleben. Das konnte ich mir sehr gut vorstellen.

Jetzt bin ich mir allerdings nicht mehr absolut sicher, ob Erotik für ihn so ideal ist. Seine Stimme war mir in den ‚heißen‘ Szenen oft etwas zu scharf und nicht warm genug. Vielleicht wollte er das Bedrohliche, Düstere, Animalische betonen (was auch berechtigt ist). Mich hat das aber weniger berührt als erwartet.

Fairerweise muss man sagen, dass das Buch insgesamt mich recht kalt gelassen hat, aufgrund der absolut bekannten Thematik. Steck konnte das dann für mich einfach nicht rausreißen, obwohl er ambitioniert gelesen, gut differenziert und wie üblich einen tadellosen Job gemacht hat.

Es erstaunt mich selbst, aber der etwas weicheren, trotzdem dunklen Stimme von Simon Jäger in den Lara Adrian-Büchern konnte Steck in Sachen Vampir-Erotik nicht das Wasser reichen.

Fazit:

Eine Vampirromanze nach dem bekannten ‚Schema F‘, mit geringen Variationen. Die guten Vampire jagen die bösen, und es wird geliebt, und man treibt es miteinander. Es ist alles schon bekannt und nichts Neues, wenn man eine andere Vampir-Fantasy-Romance-Serie gelesen hat. Die Geschichte ist nicht besser und nicht schlechter, gleiches gilt für den Schreibstil und die Charaktere.

Wer neu in das Fantasy/Paranormal Romance-Genre einsteigt, wird sich vielleicht in die BLACK DAGGER-Serie verlieben. Gleiches gilt womöglich auch für eingefleischte Fans, die nicht genug von diesem Schema bekommen können.

Wenn man aber auf neue Ideen, Varianten und Interpretationen der Vampire Romance aus ist und bereits etwas Ähnliches gelesen hat, dann sollte man etwas anderes hören. BLACK DAGGER ist dann nur ein weiterer Aufguß des ewig selben Themas.

Bewertung: 5/10

Website der Autorin: http://www.jrward.com/

Die BLACK DAGGER-Reihe auf deutsch (Stand: Juli 2012):

ACHTUNG: Im englischen Original gibt es bisher nur 9 Bände. Für den deutschen Markt wird immer je ein Band in 2 gesplittet – daher sind es hier 18!

1. Nachtjagd

2. Blutopfer

3. Ewige Liebe

4. Bruderkrieg

5. Mondspur

6. Dunkles Erwachen

7. Menschenkind

8. Vampirherz

9. Seelenjäger

10. Todesfluch

11. Blutlinien

12. Vampirträume

13. Racheengel

14. Blinder König

15. Vampirseele

16. Mondschwur

17. Vampirschwur

18. Nachtseele

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