Rezension: ‚Catch of the Day‘ von Kristan Higgins

Titel: ‚Catch of the Day‘

Autorin: Kristan Higgins

Sprache: Amerikanisch

Sprecherin: Xe Sands

Format: Hörbuch-Download von audible.de für €9,95 im Flexi-Abo (ohne Abo €25,95)

Länge: 10 Std 13 min (ungekürzt)

Hörprobe

Inhaltsangabe:

Maggie Beaumont lebt in Gideon’s Cove, einem winzigen Ort an der Ostküste der USA. Sie betreibt dort das einzige Diner, Anlauf- und Treffpunkt für die Bewohner der Kleinstadt. Mit Männern hat Maggie nichts als Pech. Gerade erst kommt sie über den letzten Reinfall hinweg: Der Angebetete hat sich als katholischer Priester entpuppt. Außerdem lässt Maggie kein Fettnäpfchen aus, um hinein zu tappen. Mit ihrer Mutter, die dauernd an ihr herumkritisiert, verbindet sie eine Hass-Liebe. Wie gerne wäre Maggie auch deshalb etwas mehr wie ihre glücklich verheiratete Zwillingsschwester Kristy.

Auf der Suche nach dem Mann für’s Leben kreuzen sich ihre Wege mit dem schweigsamen Fischer Malone. DER kann es doch nun wirklich nicht sein, oder?

Zum Hörbuch:

Nach Nicolas Barreau’s luftiger Sommer-Romanze ‚Das Lächeln der Frauen‘ war mir für den anstehenden Urlaub nach einem weiteren, leichten Liebesroman. Einem, der trotz aller Leichtigkeit aber nicht oberflächlich sein sollte. Auf der ‚Sound Cloud‘ der Erzählerin Xe Sands war ich auf einen vielversprechenden Clip aus CATCH OF THE DAY gestoßen, und so nahm ich also die sympathische Maggie mit ihren Männerproblemen mit auf die Reise.

Es war eine richtig gute Wahl. CATCH OF THE DAY mag auf den ersten Blick wie ein bedeutungsloses Romänchen erscheinen, das nicht nur vorhersehbar ist sondern auch genauso schnell aus dem Gedächtnis wie ein Einkaufszettel. Wie schön, dass dem überhaupt nicht so war!

Gut, vorhersehbar ist das Ende schon. Das ist ja auch irgendwie der Sinn bei einem solchen ‚Wohlfühlbuch‘. Das Leben bietet genug schockierende Wendungen – da braucht man manchmal eine Liebesgeschichte, auf die man sich verlassen kann. Ein garantiertes Happy End eben.

Aber wie Maggie dahin kommt, das hat Charme, Schwung, Witz und – erfreulicherweise – auch einige ernste Untertöne und traurige Momente. Vornehmlich lässt uns Higgins mit keckem Humor und viel Selbstironie der in der ersten Person erzählenden Maggie an ihrem Leben teilhaben. Das spielt sich ab in dem herrlich dörflichen Gideon’s Cove, das man durch Higgin’s unverblümte Beschreibungen bildlich vor sich sehen kann: ‚Joe’s Diner‘, Maggie’s Restaurant und Herz des Dorfes; den Hafen mit seinen Fischerbooten; Maggie’s Haus mit der alten, warmherzigen Vermieterin und Maggie’s treuestem Freund Colonel, einem alten Golden Retriever.

Hier haben eine ganze Schar sympathischer Charaktere ihr zu Hause und prägen die Geschichte. Man schließt sie ins Herz – Maggie’s sanfte Zwillingsschwester nebst Tochter Violet, den gutherzigen Father Tim (mit rollendem irischem Akkzent), Maggie’s am Down-Syndrom leidenden Küchenhelfer, ihren stürmischen Bruder Jonah und – natürlich – den schweigsamen, rätselhaften Malone. In diesem bunten Mikrokosmos blamiert und verplappert sich die springlebendige Maggie ein ums andere Mal, durchläuft ein paar Tränentäler und landet – natürlich – am Schluss in den Armen des richtigen Kerls. Sie dorthin zu begleiten, ist einfach nur eine Freude.

Maggie selbst muss man einfach ins Herz schließen. Kommt sie am Anfang noch etwas flatterhaft und naiv daher, merkt man doch zunehmend, dass man es mit einer gestandenen Frau zu tun hat, die sich nicht unterkriegen lässt. Sie vereint mädchenhaften Charme mit weiblichem Tiefgang und ist so herrlich unverwüstlich, dass man ihr auch manche romantische ‚Blindheit‘ verzeiht. Und Higgins damit das Zurückgreifen auf uralte Verwechslungs- und Verwirrungsmechanismen.

Die nötige Bodenhaftung bekommt der kleine Roman unerwarteterweise durch die Geschichte von Maggie’s Eltern. Deren Ehe gerät nach so vielen gemeinsamen Jahren ins Wanken, und erst jetzt erfährt Maggie ein paar entscheidende Dinge über ihre Mutter. Dinge, die erklären, warum Mutter und Tochter sich so lange so schwer miteinander getan haben.

Ach, und dann gibt es mittendrin noch Trauer zu bewältigen. So leicht weine ich ja nicht bei Hörbüchern, aber hier habe ich wirklich ein paar Tränen vergossen. Es geht ans Herz, und das ist ein schönes Gegengewicht zu den leichtfüßigen und unverhohlen romantischen Momenten in der Geschichte.

Die Sprecherin:

Nachdem ich in THE SILENCE OF TREES Xe Sands‘ zerbrechlich-mystriöse Stimme genießen durfte, zeigte sie bei CATCH OF THE DAY eine völlig andere Seite: Perfekt tränkt sie Maggie’s Ich-Erzählung in Selbstironie und unverwüstlichem Charme. Man hört es alles – Maggie’s Selbstzweifel, ihren Frust, aber auch ihren natürlichen Optimismus und das warmherzige Gemüt.

Die anderen Charaktere bekommen allesamt unverwechselbare Nuancen, und es besteht selbst bei den eineiigen Zwillingsschwestern Maggie und Kristy nie Verwechselungsgefahr.

Sensationell sind die männlichen Figuren. Father Tim’s irischer Akkzent rollt wie über geschliffene Kiesel – wenn mir seine Stimme für einen Mann diesen Alters auch etwas zu alt klang. Octavio, Georgie, Maggie’s Vater, ihr Bruder, ihre diversen Dates und der Ex-Freund – alle klasse gemacht, alle bemerkenswert.

Den Vogel schießt Xe mit Malone ab. Es dauert fast das halbe Hörbuch, bis dieser raue, schweigsame Kerl überhaupt den Mund aufmacht. Und auch dann sind es nie mehr als ein paar Wörter am Stück. Aber, verdammt noch mal, Xe stattet seine Dialoge mit einer grollenden männlichen Erotik aus, dass es mir wohliges Stöhnen entlockte. Und das habe ich bei einer weiblichen Sprecherin, die Männer darstellt, noch nie erlebt!

Fazit:

Eine Liebesgeschichte, die alles hat, was sie braucht – Witz, Charisma, Ironie, aber auch traurige und ernste Momente. Klischees werden bedient, wirken aber nie platt. Die Hauptfigur ist durch und durch sympathisch. Und die Kerle sind Männer, wie wir sie lieben: Harte Schale, weicher Kern. Das Ganze mit Ecken und Kanten.

Dazu noch eine Sprecherin, die Maggie und das gesamte Ensemble wunderbar unterhaltsam zum Leben erweckt und sogar die Männerstimmen umwerfend vertont. Ein kleiner Leckerbissen, genau richtig für ein unbeschwertes Hörvergnügen und wohlige Seufzer.

Bewertung: 9/10

Webseite der Autorin: http://www.kristanhiggins.com/

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2 Gedanken zu “Rezension: ‚Catch of the Day‘ von Kristan Higgins

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