Rezension: ‚Bones are forever‘ von Kathy Reichs

Titel: ‚Bones are forever‘

(erscheint unter dem Titel ‚Knochenjagd‘ am 19.12.2012 auf Deutsch)

Autorin: Kathy Reichs

Sprache: Amerikanisch

Sprecherin: Linda Emond

Format: Hörbuch-Download von audible.de für €9,95 im Flexi-Abo

Länge: 9 Std 43 min (ungekürzt)

Hörprobe

Inhaltsangabe (amazon):

Ihr neuester Fall konfrontiert Tempe Brennan, forensische Anthropologin, mit einem albtraumhaften Szenario: In einer verlassenen Wohnung in Montreal findet sich, eingewickelt in ein Handtuch, versteckt unter einem Waschbecken, die Leiche eines Neugeborenen. Schlimmer noch: Neben diesem tauchen noch zwei weitere tote Babys auf. Die fieberhafte Suche nach der Mutter beginnt. Ist sie eine herzlose Mörderin, getrieben von ihren Dämonen? Auf der Flucht vor ihrem Zuhälter? Geriet sie zwischen die Fronten eines Drogenkriegs? Ihre Spur führt Tempe Brennan und ihren Kollegen Andrew Ryan tief in die kanadische Einöde – und in das Revier eines eiskalten Killers, der einen abgründigen, grausamen Plan verfolgt …

Zum Hörbuch:

Tempe und ich sind alte Bekannte. Seit ihrem ersten Fall, TOTE LÜGEN NICHT, (‚Déjà dead‘), sind wir gemeinsam durch viele Höhen und Tiefen, schwierige Fälle, romantische Katastrophen und einige bad hair days gegangen. BONES ARE FOREVER ist der inzwischen 15. Fall, und – sagen wir’s ehrlich – es treten einige Abnutzungserscheinungen auf.

Von der forensisch-anthropologischen Seite her beginnt es gleichwohl spannend als auch tief berührend. Die Babyleichen gehen nicht nur Tempe und den anderen Ermittlern an die Nieren. Diese Szenen gehören tatsächlich zu den erschütternsten aber auch besten des Buches. Hier zeigt Tempe die besten Seiten, die Kathy Reichs ihrem Charakter verliehen hat: mit unglaublicher Zärtlichkeit, Respekt und tiefer Traurigkeit versorgt Tempe die kleinen Leichen. Hier ist eine Figur, die noch genauso mitfühlt und eine genauso große Ethik an den Tag legt wie zu Beginn der Reihe. Etwas, das sie wohltuend von vielen abgestumpften Cops in anderen Buchreihen abhebt.

Gleichzeitig flackert in Tempe die typische Wut auf und daraus resultierende Besessenheit, die Verantwortlichen zu stellen. Und genau diese emotionale und moralische Involviertheit ist es, die Tempe’s folgenden Kreuzzug glaubhaft machen. Das ist sehr charaktertreu und von Reichs in bekannter, gekonnter Manier geschrieben.

Gerade bei den Charakteren zeigen sich aber auch die Schwächen von BONES ARE FOREVER, die sich in einigen vorherigen Bänden auch schon ausmachen ließen. Die Entwicklung der Figuren – allen voran Tempe und Ryan – stagniert. Seit mehreren Büchern befindet sich die anfangs so würzige Beziehung der beiden in einem Zustand permanenter Wischi-Waschigkeit. So richtig sprühen die Funken nicht mehr, aber es wird sich auch nicht mehr erfrischend in die Waden gebissen. Das ist nicht Halbes und nichts Ganzes. Irgendwie scheint Reichs sich mit den beiden in eine Ecke hinein geschrieben zu haben, aus der sie nicht wieder herauskommt. Dadurch fehlt das Salz in der Suppe, und ein wichtiger Teil dessen, was die Serie so attraktiv gemacht hat, wird dauerhaft unbefriedigend.

BONES ARE FOREVER kommt da auch nicht wesentlich weiter. Dabei verspricht die Figur des kanadischen Mountie’s Oli, mit dem Tempe mal eine flüchtige Affäre hatte, doch ordentlich Zunder: Eifersüchteleien zwischen den beiden Kerlen, Konflikte bei Tempe und schließlich einen Gewinner im männlichen ‚Weitpinkel-Wettbewerb‘. Doch auch diese verheißungsvolle Konstruktion nutzt Reichs ungenügend aus. Da hätte man wesentlich mehr draus machen können.

Die Aufklärung des Falles selbst ist ganz interessant und hält den Hörer/Leser bei der Stange, ohne sensationell zu sein. Reichs lässt sich ja immer mal etwas Neues einfallen aus dem Bereich Anthropologie oder auch gerne fachfremden Wissenschaften. In BONES ARE FOREVER bekommen wir es diesmal mit den kanadischen Ureinwohnern im hohen Norden zu tun, dazu erfahren wir noch Dinge über Geologie, die wir vielleicht nicht immer wissen wollten, aber doch interessant präsentiert bekommen. Um Drogen geht es zwischendurch auch noch, und eine Truppe an suspekten Nebenfiguren tritt an, die allerdings alle nicht sonderlich gut im Gedächtnis haften bleiben.

Am Schluß wird es gewohnt spannend. Fragt sich nur, ob es ein running gag ist, dass sich im Finale ein oft bedientes Muster wiederholt, oder ob Reichs einfach keine neue Art mehr eingefallen ist, den Fall zum Abschluss zu bringen. Unterhaltsam ist das Ende, wenn auch – wie gesagt – weder neu noch sehr spektakulär.

Zur Sprecherin:

Linda Emond passt vom ‚Stimmalter‘ her zwar gut zu Tempe, ganz zufrieden war ich mit ihrer Leistung aber auch nicht. Eigentlich schafft sie es, in Dialogen zwischen verschiedenen Figuren hörbar zu unterscheiden, tut dies jedoch nicht immer. So verschwindet Ryan’s ruhige Rauchigkeit (die eigentlich super passt) oft mitten im Gespräch, und man weiß nicht mehr recht, wer wer ist. Da gibt es insgesamt nicht genug Konsistenz.

Am besten ist Emond, wenn es um Tempe’s innere Dialoge und unausgesprochenen Kommentare geht. Die trockene Ironie bringt den Hörer zum Schmunzeln und macht Tempe einmal mehr zu einem absolut sympathischen Charakter.

So richtig glücklich war ich auch nicht mit der französischen Aussprache von Emond. Laut den Büchern hatte ich mir da einen etwas weniger starken amerikanischen Akkzent bei Tempe vorgestellt. Aber bei solchen Sachen bin ich oft über pingelig, und das hätte sich auch viel, viel übler anhören können

Fazit:

Nach wie vor ist Temperance Brennan eine sympathische Ermittlerfigur, die mit interessanten Fällen gut unterhält. Aber BONES ARE FOREVER gehört zu den Fällen, die sich leider in der Serie häufen: gut, aber nicht mitreißend. Flott geschrieben, aber umhauen kann es einen nicht. Und Kathy Reichs hat das prickelnde Pärchen Tempe und Ryan leider in eine Sackgasse laufen lassen, in der sie schon zu lange fest stecken.

Ich weigere mich, zu behaupten, die Serie habe ihren Zenith überschritten. In den Figuren steckt durchaus noch Potential, und bestimmt hat Reichs noch Ideen für fesselnde Fälle, die am Ende nicht nach bewährtem Schema ablaufen. Aber so langsam muss sie damit mal rausrücken. In BONES ARE FOREVER bewegt sich außer einem mäßig spannenden Fall nicht viel vorwärts, und das sollte es allmählich.

Zur mangelnden Zufriedenheit mit diesem Hörbuch kann die Sprecherin, Linda Emond, auch nur bedingt beitragen. Schade. Obwohl ich Tempe liebe und im Zweifel für den Angeklagten stimme, ist das alles in allem nur Mittelmaß.

Bewertung: 5/10

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