Rezension: ‚Whispers Underground‘ von Ben Aaronovitch

Titel: ‚Whispers Underground‘

(dt. Titel: ‚Ein Wispern unter Baker Street‘, erscheint im Mai/Juni 2013)

Autor: Ben Aaronovitch

Sprache: Englisch

Sprecher: Kobna Holdbrook-Smith

Format: Hörbuch-Download von audible.de für € 9,95 im Flexi-Abo

Eine kostenlose Hörprobe findet ihr HIER, auf der Produktseite von audible.

“My dad was a fairy,“ said Zach. „And by that I don’t mean he dressed well and enjoyed musical theatre.”
― Ben Aaronovitch, Whispers Underground

Inhaltsangabe (amazon):

Eine unbekannte Person wird im U-Bahn-Tunnel nahe der Station Baker Street tot aufgefunden – erstochen, und es deuten unübersehbare Anzeichen auf die Anwesenheit von Magie hin. Ein Fall für Peter, keine Frage. Der unbekannte Tote stellt sich als amerikanischer Kunststudent und Sohn eines US-Senators heraus, und ehe man noch „“internationale Verwicklungen““ sagen kann, hat Peter bereits die FBI-Agentin Kimberley Reynolds mitsamt ihren felsenfesten religiösen Überzeugungen am Hals. Dabei gestalten sich seine Ermittlungen auch so schon gruselig genug, denn tief in Londons Untergrund, in vergessenen Flüssen und viktorianischen Abwasserkanälen, hört er ein Wispern von alten Künsten und gequälten Geistern.

Zum Hörbuch:

WHISPERS UNDERGROUND ist der 3. Teil der Reihe um Englands einzigen modernen Zauberlehrling/Polizisten, Constable Peter Grant. Das schöne Wortspiel des Originaltitels (‚underground‘ = Untergrund/U-Bahn) überträgt sich leider nur mühselig in den deutschen Titel, der mit der der Erwähnung der ‚Baker Street‘ außerdem auch falsche Erwartungen weckt. Natürlich: Baker Street war die Adresse des berühmten Meisterdetektivs Sherlock Holmes, und auch Peter Grant löst seine Fälle vor allem durch klassische Ermittlungen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen. Und ein Teil der Geschichte spielt sich in der U-Bahnstation ‚Baker Street‘ ab. Aber das ist es dann auch schon. Wer eine Hommage an Sherlock Holmes erwartet, sitzt im falschen Dampfer.

Apropos falsche Erwartungen: Der Klappentext hebt die Rolle der FBI Agentin Reynolds hervor, und vor allem ihre religiösen Überzeugungen. Es stimmt – Reynolds ist praktizierende Christin und hat mit Magie so gar nichts am Hut. Aber das spielt in WHISPERS UNDERGROUND merkwürdigerweise keineswegs eine so große Rolle, wie man erwartet. Im Prinzip spielt die FBI-Ermittlerin an sich und überhaupt gar nicht die riesige Rolle. Ich empfand ihre Gegenwart in der Geschichte oft störend und teils unnötig. Entweder wollte/konnte Aaronovitch das eigentlich nette Konfliktpotenzial zwischen den Figuren und somit zwischen Religion und Magie gar nicht ausschlachten. Oder der Schreiber des Klappentextes hat ganz einfach den falschen Schwerpunkt hervorgehoben.

Wenn es um das Zusammenprallen oder auch aparte Verschmelzen von Weltanschauungen geht, so ist das in WHISPERS UNDERGROUND stattdessen nach wie vor die spritzige Kombination von Magie und Naturwissenschaft. Ben Aaronovitch postuliert einmal mehr Isaac Newton als Begründer der modernen Magie, und Peter’s wissenschaftliche Experimentierfreude, was Zaubersprüche angeht, ist ungebrochen. Das ist nach wie vor reizvoll, unterhaltsam und gleichzeitig erdend für Aaronovitch’s wahnwitzige Ideen.

Leider ist auch die Geschichte an sich diesmal nicht das Gelbe vom Ei. Im Gegensatz zu den Vorgängern empfand ich sie als eher langweilig, mit wenigen Höhepunkten, die meistens einfach verpuffen. Es wird spannend (vor allem in den U-Bahn Schächten), und man denkt “So, jetzt aber!‘, aber irgendwie löst sich die Spannung dann relativ ereignisarm in Luft auf. Merkwürdig.

Das gilt leider auch für den Showdown, den ich so gar nicht nennen mag. Es ist eine durchaus anprechende Entdeckung, die Peter und sein Team am Ende machen, und die Fäden werden verknüpft. Aber das plätschert dahin und lässt sogar in Sachen Originalität viel vermissen.

Insgesamt ist die Mordermittlung ziemlich konventionell. Wieder gibt es viele Befragungen, Verhöre und Recherchen. Wieder muss man aufpassen, dass man nicht den roten Faden verliert. Zumal ein unaufgeklärter Fall aus den vorherigen Bänden immer noch mitgeschleppt wird und keine Auflösung erfährt, stattdessen aber vielfach Nightingale’s Abwesenheit aus der Geschichte erfordert. Nicht das, was ich wollte.

Nach all dem Gemeckere jetzt das Positive, und das gibt es zum Glück doch:

Auch in WHISPERS UNDERGROUND beweist Aaronovitch sein Talent für kecke, geistreiche Dialoge. Besonders die liebevollen Neckereien zwischen Peter und Leslie oder Peter und Nightingale sind erfrischend und machen einfach Spaß. Besonders, weil Aaronovitch diese Dialoge mit reichlich Anspielungen und Querverweisen auf Harry Potter, J.R.R. Tolkien und sogar Star Wars würzt. Wenn Lesley sich (schwer betrunken) bei Peter beklagt: ‚Du bist langweilig. Harry Potter war nie so langweilig. Sogar Gandalf könnte dich unter den Tisch trinken!‘ und Peter darauf eine noch viel bessere Antwort zurückfeuert, dann ist das ein Fest für Fans!

Überhaupt halten die Charaktere den Charme der Geschichte hoch. Dafür sorgt vor allem Constable Lesley May, die ebenfalls ins Hauptquartier ‚The Folly‘ einzieht und offizielle Zauber-Azubine unter Nightingale wird. Da sie sich nach wie vor mit den belastenden Folgen aus RIVERS OF LONDON herumschlägt, sorgt sie einerseits für den nötigen Ernst in einer ansonsten doch eher abgedrehten Buchreihe. Andererseits sind ihre Tapferkeit und ihr Humor herzerwärmend, und sie sorgt nicht nur bei Peter für das ein oder andere hormonelle Knistern.

Zum Sprecher:

Ich werde den Teufel tun und mich über Kobna Holdbrook-Smith beschweren. Mit seiner Vielseitigkeit, was Stimmen, Stimmung und Akkzente angeht, macht er auch WHISPERS UNDERGROUND wieder zu einer einzigen Party für die Ohren. Allein schon für Lesley’s Darstellung bekommt er dicke Extrapunkte: Den Spagat aus kieferorthopädisch bedingtem Genuschel und koketter Schlagfertigkeit muss man erst mal hinbekommen! Ich ziehe meinen Hut.Einen winzigen Kritikpunkt gibt es diesmal trotzdem. Die FBI-Agentin Reynolds statted Holdbrook-Smith mit einem wenig authentisch klingenden, zu breiten amerikanischen Akkzent aus, der nervt statt zu überzeugen. Es liegt vielleicht auch ein wenig an der grundsätzlich nervigen Figur, dass mir das so aufstößt, aber hier schießt mir der Sprecher dann doch über das Ziel hinaus.

Ein kleines Pünktchen Abzug. Wo wäre denn sonst die Chance zur Optimierung?

Fazit:

Der bisher schwächste Band der Peter Grant-Reihe. Nicht so spannend, nicht so einfallsreich und auch nicht so herrlich durchgeknallt wie die Vorgänger. Gerettet wird das (Hör)buch durch Aaronovitch’s stilistischen Charme, literarische Querverweise, tolle Dialoge und die starken Charaktere. Peter, Nightingale und vor allem Lesley sorgen dafür, das man der Serie trotz Schwächen die Treue hält. Und natürlich der wunderbare Sprecher, Kobna Holdbrook-Smith, mit seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit und ungebrochenem Schwung.

Bewertung:

Story/Inhalt: 5/10

Sprecher: 9/10

Info:

WHISPERS UNDERGROUND erscheint am 1. Juni 2013 auf Deutsch unter dem Titel ‚Ein Wispern unter Baker Street‘ im dtv-Verlag.

Die deutsche Hörbuch-Version erscheint bei GoyaLit am 24. Mai 2013 und wird wieder von Dietmar Wunder gesprochen.

Der 4. Band der Reihe, BROKEN HOMES, wird ebenfalls 2013 erscheinen. Das genaue Datum steht noch nicht fest.Webseite des Autors: www.the-folly.com

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