Rezension: ‚The Golem and the Jinni‘ von Helene Wecker

51NXQy+b1zL._SL175_Titel: ‚The Golem and the Jinni‘

(dt. Titel: ‚Golem und Dschinn‘, erscheint am 16.8.2013 als Hardcover)

Autorin: Helene Wecker

Sprache: EnglischHörbuchchallenge

Format: Hörbuch

Sprecher: George Guidall

Anbieter: Harper Audio

veröffentlicht: 2013

Länge: 19 Std 43 min (ungekürzt)

Das Hörbuch könnt ihr bei audible.de runterladen, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur €9,95, ohne Abo €29,95.

Grafikelement Hörprobe

Inhaltsangabe (amazon):

New York, 1899: Hier begegnen sich Chava und Ahmad, eine Frau aus Ton und ein Mann aus Feuer, deren Schicksal seit Jahrhunderten unauflöslich miteinander verknüpft ist. Chava ist ein Golem, zum Leben erweckt von einem skrupellosen Rabbi. Sie kann die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen um sich herum spüren. Als ihr Meister stirbt, muss sie sich allein in New York zurechtfinden. Ahmad ist ein Dschinn, der eingeschlossen in einer Kupferflasche auf Umwegen nach Manhattan gelangt. Seine Neugier und seine Leidenschaft sind ihm schon einmal zum Verhängnis geworden. Ihm fällt es schwerer als Chava, sich in das menschliche Leben zu fügen. In einer kalten Winternacht kreuzen sich zufällig die Wege von Chava und Ahmad, von Golem und Dschinn. Sie entdecken ihre Seelenverwandtschaft: In der Welt der Menschen suchen beide nach Liebe und Freundschaft, und ständig schwebt die Gefahr, entdeckt zu werden, über ihnen. Als ein übermächtiger Feind auf den Plan tritt, müssen sie gemeinsam eine schicksalhafte Entscheidung treffen.

Zum Hörbuch:

Es muss an mir liegen. Bei den üblichen Verdächtigen häufen sich die begeisterten Rezensionen zu THE GOLEM AND THE JINNI, die Timeline juchzt, und auch die beste Freundin mag das Hörbuch. Es muss also an mir liegen, dass ich mit dem Debut-Roman der Amerikanerin Helene Wecker bis zum Ende nicht warm werde.

Die Idee ist gut: Man nehme ein Immigranten-Viertel in New York an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Dazu gebe man zwei magische Hauptfiguren, die der jiddischen und arabischen Folklore entsprungen sind. Als Würze füge man eine Handvoll plastischer Nebenfiguren hinzu. Dann verteile man die Zutaten auf verschiedene Zeitebenen und Erzählperspektiven und mische kräftig.

Ein Erfolgsrezept, offentsichtlich. Geschrieben in schöner Sprache und stilistisch tadellos, besonders für einen Erstling, gibt es an THE GOLEM AND THE JINNI nichts auszusetzen. Man erfährt viel: Über New York zur Zeit der großen Einwanderungswelle, vor allem über ‚Little Syria‘ und das jüdische Viertel. Außerdem natürlich über die Natur der zwei übernatürlichen Hauptfiguren. Dass ein Dschinn ein Flaschengeist ist, wusste ich ja noch. Aber nicht, dass die Dschinn Wesen aus Feuer sind, die jede beliebige Gestalt annehmen können und nichts mehr lieben als ihre Freiheit. Was ein Golem ist, wusste ich dagegen gar nicht. Das sind normalerweise recht rudimentäre, aus Lehm geschaffene Wesen, die nur dazu da sind, ihrem Meister zu dienen und alles zu tun, was von ihnen verlangt wird.

Spannend, oder?

Nicht zu verachten auch die Nebenfiguren des Romans. Wir lernen die Schöpfer von Chava und Ahmad kennen, und deren Geschichte. Das Gleiche gilt für die beiden Männer, die sich unserer zwei in New York Gestrandeten annehmen. Um sie herum kreisen weitere Personen, von denen keine blass bleibt. Und am Ende fließt die an sich ruhige Geschichte in einem spannenden Finale zusammen.

Trotzdem. Mich packt die Geschichte nicht. Ich merke es daran, dass ich beim Hören immer wieder mit meinen Gedanken abschweife, die Namen einiger Figuren verwechsle und kein bisschen nervös werde, als Chava und Ahmad in Gefahr geraten. Ein Grund mag sein, dass sich der Roman im Mittelteil doch etwas zieht. Die beiden ‚Immigranten‘ Chava und Ahmad versuchen, ihr Anderssein zu verbergen und sich anzupassen. Das finde ich nur bedingt faszinierend. Und es geht nicht darum, dass der ‚Fantasy‘-Anteil am Roman hierbei sehr gering ist und eher als historischer Roman mit leichten fantastischen Elementen einzustufen ist.

Mein Hauptproblem: Weder Chava noch Ahmad können mein Herz erobern. Für den Golem hege ich noch eine gewisse Zuneigung. Ihr verzweifeltes Bemühen, nicht dauernd  – gemäß ihrer Natur – den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen nachzukommen, ist interessant. Ahmad aber wird mir nicht sympathisch. Er mag leidenschaftlich, stolz und unbekümmert sein. Das macht ihn aber auch selbstverliebt, arrogant und rücksichtlos. Dass er dafür zwischendurch die Quittung bekommt, hilft nicht viel.

Zum Sprecher:

Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen. Schon die Hörprobe riss mich nicht vom Hocker. George Guidall ist ein erfahrener und mehrfach preisgekrönter Sprecher mit einem unverkennbaren Stil. Dass er nicht mehr so jung ist und man das seiner Stimme auch anhört, passt ja eigentlich auch zu historischen Stoffen.

Aber was für die Geschichte gilt, gilt auch für den Sprecher: Er ist einfach nicht mein Ding. Stimmfarbe und Sprechweise entsprechen nicht meinen Vorlieben. Und Guidall’s eigentümliche Art, andauernd mitten im Satz dramatische Pausen einzubauen, geht mir schnell auf den Wecker. Kennt ihr das, wenn ein Sprecher so eine Eigenart hat, die einen in den Wahnsinn treibt, und man kann machen, was man will, es fällt einem JEDES MAL auf, in jedem verfluchten Satz? So geht es mir mit Guidall. Grrrr.

Meine (rein subjektive) spontane Antipathie gegenüber dem Sprecher ist mit Sicherheit auch ein Grund, warum THE GOLEM AND THE JINNI bei mir so viel schlechter abschneidet als bei anderen. Ich bin jedenfalls gespannt, welcher Sprecher sich irgendwann der deutschen Hörbuchversion annehmen wird, und ob das einen Unterschied macht.

Fazit:

Unterm Strich steht ein gutes Roman-Debut, das viele verlockende Elemente aus den Bereichen Geschichte und Folklore bietet, mich aber einfach nicht berühren konnte. Das liegt an den Hauptfiguren und einem sich ziehenden Mittelteil sowie an meinem ganz persönlichen Geschmack. Dabei bin ich mir sicher: THE GOLEM AND THE JINNI ist bestimmt etwas für Fans historischer Romane, und auch für Leser, die mit ‚Fantasy‘ sonst nichts am Hut haben. Es geht hier schlicht und ergreifend um zwei Einwanderer in New York, die versuchen müssen, sich anzupassen. Dass sie magischen Ursprungs sind, spielt keine so große Rolle, wie man erwartet.

Wer sich für dieses Hörbuch interessiert, dem rate ich dringend, die Hörprobe anzutesten. George Guidall ist eigentümlich, und wenn man das nicht mag, verhagelt es einem die ganze Geschichte. Stattdessen gibt es ja auch noch die Print-Version und – hoffentlich – auch ein deutsches Hörbuch.

Auch wenn THE GOLEM AND THE JINNI mich nicht begeistern konnte, hat es bei euch trotzdem eine Chance verdient.
Bewertung:

Hörbuch: 6/10

Sprecher: 4/10

Die Autorin hat eine wirklich hübsche Website mit vielen Infos zum Buch: http://www.helenewecker.com/

THE GOLEM AND THE JINNI ist übrigens mein Juni-Beitrag für die Hörbuch-Challenge 2013.

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2 Gedanken zu “Rezension: ‚The Golem and the Jinni‘ von Helene Wecker

  1. Darklittle 2. April 2014 / 13:52

    Interessant. Bei mir war es so, dass ich überall die guten Kritiken gelesen hab und mir dachte, dass die wohl wieder alle übertreiben. Und als ich das Buch dann gelesen hab war ich überrascht. Vor allem weil ich es lieber mag, wenn die Fantasy Elemente etwas in den Hintergrund treten. Und Immigrants sind halt meine stille Leidenschaft.

    • papercuts1 2. April 2014 / 17:33

      Ich war ja selbst überrascht, dass es mir nicht so gut gefiel – bin da offenbar eine Ausnahme. Aber, wie gesagt, ich hatte wirklich Probleme mit dem Sprecher, und das macht viel aus. Und der Zugang zu den Figuren hat mir gefehlt. Manchmal ‚klickt‘ es eben nicht. Ich muss die Fantasy Elemente auch nicht so sehr im Vordergrund haben und lese eigentlich besonders gerne Geschichten, wo die Fantasiewelt nur einen Teil der realen Welt ausmacht. Aber hier… war einfach nicht meins, hat mich nicht erreicht. Schön, wenn es bei dir anders war!

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