Rezension: ‚Shining‘ von Stephen King

shiningTitel: ‚Shining‘

Originaltitel: ‚The Shining‘

Autor: Stephen King

Format: Hörbuch

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Amerikanisch)

Sprecher: Dietmar Wunder

Anbieter: Lübbe Audio

erschienen: 17 Std 31 min

Länge: 17 Std 31 min (ungekürzt)

Das Hörbuch gibt es im Download bei audible.de zum regulären Preis von €7,95, und zwar HIER.

Beschreibung (audible):

Ein Hotel in den Bergen von Colorado. Jack Torrance, ein verkrachter Intellektueller mit Psycho-Problemen, bekommt den Job als Hausmeister, um den er sich beworben hat. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny reist er in den letzten Tagen des Herbstes an. Das Hotel „Overlook“ ist ein verrufener Ort. Wer sich ihm ausliefert, verfällt ihm, wird zum ausführenden Organ aller bösen Träume und Wünsche, die sich in ihm manifestieren.

Zum Hörbuch:

Das Erscheinen von DOCTOR SLEEP im September 2013 war Anlass, endlich mal dessen Vorgänger und somit einen von Stephen King’s ‚Klassikern‘ zu hören: SHINING.

Das Buch wurde bereits 1977 geschrieben, hat sich über die Zeit aber sehr gut gehalten. Das liegt auch am ungewöhnlichen Setting: SHINING ist beinahe ein Kammerspiel. Fast die gesamte Geschichte spielt im von der Außenwelt abgeschnittenen Overlook-Hotel. Das eingeschneite Hotel lässt nicht nur die Abwesenheit moderner Technik vergessen (Smartphones und WLAN hätten selbst heute da keine Chance), sondern es sorgt für eine Loslösung von irgendwelchen zeitlichen Fix- und Vergleichspunkten. Die Besetzung beschränkt sich größtenteils auf 3 Personen: Jack, Wendy und Danny Torrance. Eine Nukleus-Geschichte, die sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.

Das tut der Intensität der Geschichte gut und hält Stephen King davon ab, ständig irgendwelche Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen oder mit unwichtigen Figuren in weitere Gefilde davon zu galoppieren. Das macht er ja gerne, und er schafft es auch hier ab und an, aber eben nicht so oft, dass es groß auffällt.

King muss sich also auf die Familie Torrance konzentrieren, und das macht er mit Bravour. Alle drei sind komplett ausgemalte Charaktere, selbst der kleine Danny (wenn er mir auch manchmal ein wenig zu perfekt vorkommt, verglichen mit der Realität). Da haben wir den übersinnlich begabten Fünfjährigen. Die sanfte, ängstliche Mutter. Und Jack, den Vater mit den zwei Gesichtern. Auf der einen Seite liebevoll und künstlerisch ambitioniert, kämpft er schon vor dem Einzug ins Overlook mit seinen eigenen Dämonen. Der Alkohol erweckt in ihm einen versteckten Hang zur Brutalität, und auch wenn er zu Beginn des Romans trocken ist, ahnen wir Böses. Denn natürlich bereitet ihm Stephen King eine unwiderstehliche Steilvorlage, um wieder zur Flasche zu greifen und zu unserem teuflischen Vergnügen in den Wahnsinn abzudriften.

Da kommen wir auch gleich zum Zweiten, was mir an SHINING gut gefällt: Der Horror kommt (zunächst) auf leisen Sohlen. Anstatt brachial mit Ekelgestalten, Außerirdischen oder Clowns über uns hereinzubrechen, ist zunächst noch nicht einmal klar, ob der Grusel real ist oder vielleicht hausgemacht. Hat die Familie Torrance es mit Sinnestäuschungen zu tun? Bildet Jack sich das alles nur ein? Wo King nur andeutet, überlässt er es der überbordenden Phantasie seiner Leser, sich das Schlimmste auszumalen. So funktioniert das, meine Damen und Herren! Die beste Gänsehaut macht man sich selber.

Klar. Irgendwann zieht der Meister alle Register. Es wird plastisch, eklig und blutig. Das passt dann aber zu der Raserei des Showdowns. Erstaunlich, wie grandios spannend der ist, obwohl eigentlich von Anfang an völlig klar ist, wie die Geschichte ausgehen wird. Nur die Details eben nicht. Und wer überlebt. Wenn überhaupt einer überlebt. King traut man ja alles zu.

Es gibt kaum etwas, das man kritisieren könnte. Mir persönlich fehlt ein bisschen die Begründung für die Existenz des Bösen im Overlook. Als Jack die Geschichte des Hotels recherchiert, schweift King sehr ab, und der Spannungsbogen wird vorübergehend labbrig. Wendy ist mir manchmal zu naiv, und Danny selbst für einen außergewöhnlichen 5jährigen zu redegewandt und weit entwickelt. Und obwohl das Buch auch im Deutschen SHINING heißt, kommt derselbe Begriff in der Geschichte kein einziges Mal vor. Man muss sich schon selber erklären, dass das ein anderes Wort für ‚Hellsichtigkeit‘ oder ‚das zweite Gesicht‘ ist.

Aber Schwamm drüber. Das Konzept geht einfach auf und lässt in Sachen gruseliger Unterhaltung nichts zu wünschen übrig.

Zum Sprecher:

Überraschung! Es ist NICHT David Nathan, der hier liest. Stattdessen schwingt sich diesmal ‚Mr. James Bond‘ Dietmar Wunder himself vor’s Mikrofon. Meine anfängliche Skepsis vergrabe ich zügig in den Schneemassen rund um’s Overlook: Dietmar Wunder macht das ganz anders als David Nathan, aber er macht es genauso gut. Statt der Subtilität und kalten Beiläufigkeit von Nathan benutzt Wunder unverhohlene Dramatik und eine stimmliche Bandbreite, die ich so von ihm noch nicht erlebt habe. Er wispert, singsangt, schreit, bettelt und meuchelt sich durch SHINING, als wäre es das Letzte, was er in diesem Leben tut. Sein ‚DROOOOM‘ dröhnt mir jetzt noch in den Ohren. Und auf dem Höhepunkt von Jack’s Wahnsinn wechselt er innerhalb weniger Sekunden zigmal die Persönlichkeit und Stimmfarbe. Der vertonte Irrsinn. Das würde selbst James Bond aus dem Smoking hauen.

Fazit:

Ein klasse King der alten Schule: reduziertes Setting, kleines Ensemble, gepflegter Grusel, der in ausgewachsenem Horror mündet. Die Phantasie des Lesers darf mitspielen bei diesem zwar vorhersehbaren aber keine Sekunde langweiligen Trip in die Abgründe des Wahnsinns. Die Spannung steigert sich stetig, die Charaktere besitzen gewohnte Plastizität, und das Ende sorgt dafür, dass man sich ohne Handy bei abgestellter Türklingel in den Keller verziehen möchte, um nur ja nicht gestört zu werden.

Für King-Fans ein Muss. Für solche, die es noch werden wollen, der beste Einstieg.

Bewertung:

Hörbuch: 9 von 10 Punkten

Sprecher: 10 von 10 Punkten

SHINING wurde 1980 von Stanley Kubrick mit Jack Nicholson in der Hauptrolle verfilmt. Für Kubrick-Fans ist der Film ein Muss, und Jack Nicholson’s Darstellung des Jack Torrance ist legendär. Wer allerdings eine gekonnte Buch-Adaption erwartet, wird enttäuscht: Der Film entfernt sich immer weiter von der Handlung im Buch und hat einen stark veränderten Schluss. Stephen King selbst hat sich damals von der Verfilmung distanziert.

Weitere Rezensionen von Stephen King-Hörbüchern auf meinem Blog:

Todesmarsch Es Joyland

SHINING ist übrigens mein Dezember-Beitrag zur Hörbuch-Challenge 2013.

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5 Gedanken zu “Rezension: ‚Shining‘ von Stephen King

  1. pimisbuecher 3. Dezember 2013 / 21:16

    Wieder einmal eine super Rezi und ich habe jetzt noch mehr Lust auf das Buch. Im November habe ich es nicht geschafft Shining zu lesen, aber im Dezember wird es sicher klappen. Es liegt gaaaanz weit oben auf dem SuB.
    Lg
    Miri

    • papercuts1 3. Dezember 2013 / 21:20

      Danke dir, Miri!

      SHINING liest sich weg wie nichts. Ist genau das richtige, wenn einem die ganze weihnachtliche Beschaulichkeit mal zu sehr auf die Nerven geht. 😉 Dann hast du bestimmt auch vor, DOCTOR SLEEP zu lesen? (Ich hab’s gestern durch gekriegt).

      LG,
      papercuts1

      • pimisbuecher 3. Dezember 2013 / 21:31

        Ja, Doctor Sleep steht danach an 🙂 hast du das auch gehört? Shining hab ich in Buchform hier, aber bei Doctor Sleep überlege ich zum Hörbuch zu greifen.

      • papercuts1 3. Dezember 2013 / 21:38

        Ich hab’s, wie gesagt, gestern beendet. David Nathan liest und macht das wie immer sehr gut. Kann ich dir nur empfehlen!

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