Rezension: ‚Abends um 10‘ von Kate de Goldi

Abends um 10Titel: ‚Abends um 10‘

Originaltitel: ‚The 10pm question‘

Autorin: Kate de Goldi

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)

Format: Hörbuch

Sprecher: Andreas Fröhlich

Anbieter: HörbucHHamburg

erschienen: 16.12.2013

Länge: 4 Std 56 min (gekürzt)

Das Hörbuch gibt es als Download bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis: €13,95).

Eine Hörprobe gibt es HIER, auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (audible):

Das Leben könnte so schön sein! Frankie Parson hat eine aufregende Familie, einen tollen besten Freund und viele großartige Talente. Leider ist da auch diese nervende innere Stimme, die den Zwölfjährigen immer wieder sorgenvoll auf das Leben schauen lässt: Sind die Pickel auf seiner Brust vielleicht ein Zeichen für Krebs? Hat die Ratte, die die Familienkatze mitten in der Nacht anschleppt, die Beulenpest? Funktioniert der Feueralarm im Haus zuverlässig? Nur ein Mensch scheint Frankie zu verstehen: seine Mutter, die ihm jeden Abend geduldig zuhört. Aber ist nicht gerade seine Mutter, die niemals nach draußen geht, die Quelle seiner Unruhe? Als sich Frankie mit Sydney anfreundet, stellen sich ihm einige sehr unangenehme Fragen immer dringender. Frankie muss lernen, den Tatsachen ins Auge zu sehen.

Zum Hörbuch:

Für eine ca. 6-stündige Autofahrt lade ich am Vorabend sehr spontan das frisch erschienene ABENDS UM 10 herunter. Gründe: Die Beschreibung hört sich gleichzeitig witzig und interessant an; der Sprecher ist Andreas ‚Recherchen-und-Archiv-Bob-Andrews‘ Fröhlich; die Laufzeit reicht für die Hinfahrt. Frohgemut starten wir also zu viert auf die Autobahn und ins Hörbuch.

ABENDS UM 10 entpuppt sich in den nächsten Stunden als Chamäleon. Was beginnt wie ein witzig-skurriles Kinderbuch, für das meine beiden 12- und 15-jährigen auf dem Rücksitz schon zu alt zu sein scheinen, wird nach und nach zu einem anspruchsvollen Jugendbuch mit einem gar nicht witzigen Thema: In ABENDS UM 10 geht es um psychische Erkrankungen in der Familie.

Zu Beginn schmunzelt man über Frankie und seine Sorgen um zu wenig Milch im Haus, den Wetterbericht, den Ausschlag auf seiner Brust und die nahende Klassenfahrt. Man freut sich über seinen sympathischen Kumpel Gigs und die jungenhaften Rituale auf dem Weg zum Schulbus. Man grinst über die kuchenverputzende, kartenspielende Tanten-Invasion. Man lacht über die Hauskatze namens ‚Fettkontrolle‘. Und die Sonne geht auf, als Sydney mit ihren Rastalocken, selbst genähten Klamotten und unerwarteten Fragen in Frankie’s Leben bricht.

Aber wer aufpasst, ahnt bald, dass es ernst wird. Dass Frankie’s Mutter nie das Haus verlässt, fällt einem irgendwann auf, und dass Frankie sich deshalb viel um Einkäufe und Erledigungen kümmern muss, wenn ‚Onkel George‘ das nicht tun kann. Frankie’s Sorgen sind ebenfalls nicht einfach nur Sorgen. Mir schwant schon lange vor dem Rest meiner Mitfahrer, dass es mit dem Spaß bald vorbei sein wird. Und zwar gleich in Bezug auf zwei der Hauptfiguren.

Tatsächlich schwenkt der Fokus mit Sydney’s Ankunft erstmal in ihre Richtung. Man glaubt, sie wäre es, die Frankie’s zwanghaft-neurotisches Verhalten mit ihrer Spontanität und Warmherzigkeit aufzubrechen vermag. Aber das stimmt nur zum Teil. Sydney hat nämlich selbst mit ganz gewaltigen Problemen zu kämpfen, und eine ganze Weile scheint ABENDS UM 10 sich um ihre ‚Rettung‘ zu drehen.

Bis de Goldi diesen Teil der Geschichte recht unbefriedigend fallen lässt und sich wieder auf Frankie konzentriert. Dessen Ängste steigern sich langsam ins Pathologische. Es muss etwas unternommen werden, und das wird es auch. Dieses letzte Drittel der Geschichte befasst sich ganz offen und eindeutig mit dem Thema ‚psychische Erkrankung.‘ Endlich erfahren wir auch, was mit Frankie’s Mutter los ist und wie die Familie damit über Jahre gelernt hat umzugehen.

Es wird nichts verniedlicht oder beschönigt. Es wird auch nicht mit medizinischen Fachbegriffen um sich geworfen sondern Alltagssprache benutzt. Psychisch kranke Familienmitglieder – so wird klar – sind eine große Belastungsprobe für eine Familie und nur mit einem ganzen ‚Netwerk‘ an Menschen zu bewältigen. Frankie’s Familie meistert diese Herausforderung mit Hilfe von außen, mit Mut und mit kreativen Lösungen.

Am Ende werden Wege gefunden. Für Sydney. Für Frankie. Es sind keine fertigen Lösungen. Die gibt es für beide nicht. Aber es gibt Wege, die man bewältigen kann.

Zum Sprecher:

Andreas Fröhlich ist ein alter Hase. Je älter er wird, desto plastischer, tiefer und ausdrucksstärker wird seine Stimme. Es ist ein angenehmes Zuhören ohne Manko. Vom humorigen Beginn trägt Fröhlich die Geschichte glaubwürdig ins Ernsthafte, Schwierige hinüber. Mir ist sein Erzähltempo zugegeben hier manchmal etwas zu langsam, aber Mann und Kinder sehen das anders. Von uns bekommt er eine Zwei plus.

Fazit:

Ein Buch für jüngere Jugendliche (ich würde mal 12 bis 15 Jahre sagen), das sich mit psychischen Erkrankungen in der Familie befasst. Dabei hat es zunächst den Anschein, als ob es zentral um ganz andere Dinge gehe: um einen heranwachsenden, etwas merkwürdigen Jungen und seine lustige Familie; um die wunderbare Freundschaft mit seinem besten Kumpel Gigs; um ein Mädchen und vielleicht sogar die erste Liebe? Das tut es auch, eine ganze Buchhälfte lang – bis es eben doch um Frankie’s psychische Probleme geht. Und um die seiner Mutter.

Ohne Gewese und Fachchinesisch wird hier ein sensibles Thema sehr lebensnah an junge Hörer vermittelt. Mit Sicherheit interessant für junge Menschen, die Angehörige oder Freunde mit psychischen Schwierigkeiten haben. Schade nur, dass ein zweiter Handlungsstrang (der um Sydney) fallen gelassen wird wie eine heiße Kartoffel. Das gibt Abzüge!

Bewertung:

Geschichte: 6 von 10 Punkten

Sprecher: 8 von 10 Punkten

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