Rezension: ‚Apocalypsis 3‘ von Mario Giordano

Apocalypsis 3Titel: ‚Apocalypsis 3‘

Autor: Mario Giordano

Format: Hörbuch (in 12 einzelnen Episoden)

Sprache: Deutsch

Sprecher: Matthias Koeberlin

Anbieter: Lübbe Audio

erschienen: 2.12.2013

Länge: je Episode zwischen 1 Std 11 min und 1 Std 42 min

Die einzelnen Folgen gibt es im Download bei audible.de, angefangen HIER.  Dort findet ihr auch eine Hörprobe. Jede Folge kostet € 0,95.

Beschreibung (Folge 1) von audible:

Maria und Franz Laurenz erleben im Fernsehen live mit, wie Papst Petrus II. Edward Kelly erschießt. Während Laurenz nach Rom fliegt, um den Papst aufzusuchen, bleibt Maria in Jerusalem, um Shimon Kohn zu finden. In einer parallelen Welt 2013 wird Peter Adam, Deutschprofessor an einem College in Iowa, von Albträumen geplagt. Eines Tages hat er eine apokalyptische Vision, in der ihm eine unbekannte junge Nonne eine entsetzliche Wahrheit enthüllt.

Zur Hörbuchserie:

Wer es bis zur 3. Staffel von APOCALYPSIS schafft, hat bereits viel durchgemacht und hohe Loyalität bewiesen. So farbenprächtig, wild und vollgestopft mit Mystik die ersten beiden Staffeln waren, so konfus, haarsträubend und abgedreht waren sie eben auch. Nach jeder Staffel dachte ich, das wär’s für mich gewesen. Aber nachdem Staffel 2 mich mit einem schier unauflösbaren Szenario zurückgelassen hat, für das es weder eine Lösung noch eine Erklärung zu geben schien, siegt die Neugier: APOCALYPSIS 3 landet auf meinem iPod.

Statt eines Aha-Erlebnisses mit logischer Anknüpfung an das Ende von APOCALYPSIS 2 gibt es aber erstmal ein stutziges ‚Häh?‘ meinerseits. Die neue Staffel beginnt mit einer Figur, die da, wo sie jetzt ist (und vor allem mit wem), eigentlich gar nicht sein kann. Habe ich etwas verpasst?

Habe ich nicht. Denn so ist das nunmal bei APOCALYPSIS. Man wird in Szenen und Szenarien geworfen, die erst später Sinn ergeben (oder manchmal auch gar nicht). Logik, eine lineare Struktur, Kontinuität – vergesst es. Man muss sich über mehrere Zeitebenen und – in diesem Fall – sogar über parallele Welten und doppelt vorkommende Figuren hinweg selbst zusammenreimen, was wie und ob überhaupt zuammenpasst.

Dieser neuen Staffel halte ich zugute, dass sie bei allem anfänglichen Augenbrauenhochziehen ungewöhnlich lange Ruhe bewahrt, stringent bleibt, und in sich nachvollziehbar ist. Das gibt dem Hörer Zeit, mit vielen alten und einigen neuen Figuren warm zu werden und sich das Vorangegangene nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Etwa drei Episoden lang behält man den Überblick und freut sich über wachsende Spannung.

Dann geht’s los. Anschnallen, bitte. Es folgen plötzliche Wendungen, Zeit- und Raumsprünge. Figuren tun Dinge, die einen aus den Schuhen hauen oder einfach nur ratlos zurücklassen. Und immer wieder bewirft uns Mario Giordano mit Häppchen aus Mythologie, Religion, Wissenschaft, die er zu einem spannenden, teils abstrusen Cocktail zusammenmischt.

Es ist bei mir die vertraute Achterbahn der Gefühle: Spaß, Verärgerung, Unglauben, Zweifel, Freude, Schreck… Ich kann diese wilde Geschichte nicht wirklich gutheißen. Verreißen kann ich sie aber auch nicht. Staffel 3 fällt im direkten Vergleich nämlich etwas weniger haarsträubend aus als die zweite und lehnt sich in Sachen Science Fiction nicht ganz so weit aus dem Fenster. Viel Spaß habe ich zugegebenermaßen auch an der Büchse der Pandora, von der wir ja alle wissen, dass man die NICHT ÖFFNET, HERRGOTT NOCHMAL! Aber sie machen’s natürlich doch, und die Apocalypse, von der seit Staffel 1 dauernd gesprochen wird, nimmt diesmal tatsächlich ihren Lauf. Giordano bedient sich dabei beliebter Trends: Peter Adam und Co. kriegen es nicht nur mit einer Epidemie zu tun, sondern irgendwann schlurfen sogar Zombies über den Petersplatz in Rom.

Unterm Strich kann ich das alles mal wieder nicht ernst nehmen und rolle viel mit den Augen, habe aber trotzdem Spaß beim Hören. Es werden viele interessante Themen aus allen möglichen Bereichen angeschnitten, und da mag ich es, nachzuschlagen und mehr zu erfahren. Nebenher verpasst Giordano der modrigen katholischen Kirche ein paar nette Kinnhaken, ohne jedoch komplett den Respekt vor Gläubigkeit zu verlieren. Und er produziert immer wieder Cliffhanger und Spannungsmomente, die einen am Ball halten. Habe ich auch schon die Geräuschkulisse erwähnt? APOCALYPSIS ist ja nicht einfach ein Hörbuch. Hintergrundmusik und subtile, aber sehr realistische Geräusche sorgen für Atmosphäre und – mithilfe Koeberlins toll differenzierter Dialoge – beinahe für ein Hörspielgefühl.

Zum Sprecher:

Ich kann es nur immer wieder sagen: Für das, was Matthias Koeberlin in APOCALYPSIS leistet, hat er großen Respekt verdient. Wenn ich das schon verwirrend finde – wie muss es ihm erst beim Einlesen gehen? Trotzdem begeht er überhaupt keine Fehler und sucht sich für die Hauptfiguren sorgfältig charakteristische Stimmen aus. Nach wie vor mag ich den tief-rauchigen Laurenz am liebsten, aber mir gefällt auch gut, wie er den kleinen Raymond mit leiser Unheimlichkeit versieht.

Koeberlin kann sehr scharf klingen, wenn er das will. Er kann aber auch weich und wohlig, was den raren gefühligen Stellen in der Geschichte gut tut. Er hat als Sprecher einen tollen Stimmumfang, und man merkt besonders in den Dialogen, dass er ausgebildeter Schauspieler ist. Seine Leistung ist – mal wieder – einer der Hauptgründe, warum APOCALYPSIS 3 trotz aller Schwächen doch so viel Spaß macht.

Fazit:

Man nehme Dan Brown, Indiana Jones und The Walking Dead, schmeiße alles in den Mixer und gebe das Skript einem unerschrockenen Hörbuchsprecher. Mit viel Toleranz für Logiklöcher, absurde Ideen und oberflächlich angerissene Themen kann man an APOCALYPSIS 3 Spaß haben. Spannung, irre Einfälle und sympathische Figuren sorgen dafür, gemeinsam mit Matthias Koeberlin als klasse Sprecher und einer dezenten, aber stimmigen Geräuschuntermalung.

Einen Nobelpreis bekommt man dafür ganz sicher nicht. Aber von mir eine versöhnliche mittlere Wertung.

Bewertung:

Geschichte: 5/10

Sprecher: 10/10

Die vorangegangenen Staffeln und meine Rezensionen dazu:

Apocalypsis 1   Apocalypsis II

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4 Gedanken zu “Rezension: ‚Apocalypsis 3‘ von Mario Giordano

  1. buechermonster 8. Februar 2014 / 12:50

    Mich reizt es ja auch schon immer mal wieder, mit der Reihe weiterzumachen, habe bisher ja nur die erste Staffel gehört.

    Allerdings war diese ja schon recht wirr und ich hab ehrlich gesagt nicht mehr so viel der Handlung im Hinterkopf, deswegen schrecken mich die beiden nächsten Staffeln noch etwas ab.

    Kannst du da Entwarnung geben oder sollte ich vielleicht doch noch mal lieber die erste Staffel zur Auffrischung hören? 😉

    • papercuts1 8. Februar 2014 / 13:32

      Tatsächlich wird es schwierig, die 2. Staffel auch nur ansatzweise zu verstehen, wenn du die 1. nicht mehr im Kopf hast. Gerade die 2. habe ich als die verworrendste und schlechteste Staffel empfunden.

      Ich würde mir eine gute Inhaltsangabe der 1. Staffel suchen und dann die 2. hören.

      Ich wäre sehr interessiert an deiner Meinung!

  2. Johann 17. Februar 2014 / 7:45

    Danke für die Rezension.
    Kein Danke für die Spoiler!!

    • papercuts1 17. Februar 2014 / 12:00

      Danke – und schade, wenn du dich gespoilert fühlst. Ich bemühe mich immer, nichts preiszugeben, was für den Ausgang der Geschichte wichtig ist oder einem den Spaß daran verderben könnte. Auch in diesem Fall habe ich nichts geschrieben, was aus ‚Klappentext‘, Buchtrailer und/oder Pressemeldungen nicht schon hervorging und kann dir versichern, dass du auch nach dem Lesen meiner Rezension noch keine Ahnung hast, wie ‚Apocalypsis‘ ausgeht und was die entscheidenden Schritte bis zu diesem Ende sind.
      Wenn du die Reihe magst, wirst du also trotzdem mit Spaß zuhören können und überrascht sein vom großen Finale.

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