Rezension: ‚Breakfast at Tiffany’s‘ von Truman Capote

breakfast at tiffany'sTitel: ‚Breakfast at Tiffany’s‘

dt. Titel: ‚Frühstück bei Tiffany’s‘

Autor: Truman Capote

Sprache: Amerikanisch

Format: Hörbuch

Sprecher: Michael C. Hall

Anbieter: Audible, Inc.

erschienen: 11. Februar 2014

Länge: 2 Std 52 min (ungekürzt)

Das Hörbuch erhaltet ihr im Download bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis € 13,95). Auf der Produktseite von audible findet ihr auch eine Hörprobe.

Beschreibung:

Holly Golightly, 18 Jahre, schlägt sich auf New York’s Upper East Side der 50er Jahre durch, indem sie mit reichen Männern anbandelt und sie gleichermaßen um den Finger wickelt, wie sie sich von ihnen aushalten lässt. Leichtigkeit und Naivität paaren sich bei ihr mit Mut, Einfallsreichtum und einem für damalige Frauen gewagten Selbstbewusstsein. Der Erzähler – Holly’s Nachbar und erfolgloser Schriftsteller – erzählt voller Bewunderung und Staunen von diesem gleichermaßen zerbrechlichen wie flatterhaften Geschöpf und ihrem Dasein als ‚Society Girl‘.

Zum Hörbuch:

BREAKFAST AT TIFFANY’S, gelesen von Michael C. Hall? Spontane Assoziationen: Audrey Hepburn. Dexter. Moon River.  New York. George Peppard. Glitzernde Juwelen. Schwarz-weiß-Film auf dem Fernseher meiner Großmutter.

Ein paar davon teilt ihr vielleicht. Der Film von 1961 jedenfalls sagt jedem etwas. Hoffe ich. (Wenn nicht – zackzack ansehen, das gehört zum Allgemeinwissen!) Und dass der Hörbuchsprecher, Michael C. Hall, im TV den liebenswerten Serienkiller Dexter verkörpert, dürften auch viele von euch wissen.

Wenn man – so wie ich – Fan von beidem ist, den kurzen Roman von Truman Capote aus dem Jahr 1958 aber noch nie gelesen hat, führt dieses Hörbuch zu Erwartungen, Sorgen und Überraschungen. Ich jedenfalls erwarte, in dunkler, aus Kindertagen stammender Erinnerung an den Film, eine angestaubte Romanze mit einem kitschig-kratzigen Soundtrack und einer entzückenden Hauptfigur. Meine Sorgen richten sich auf Michael C. Hall: Kann er diesen Klassiker stemmen? Werde ich statt George Peppard im scharf geschnittenen 50er-Jahre Anzug nur Dexter Morgan mit Blutspritzern und Donuts-Box vor meinem inneren Auge sehen?

Und damit kommen wir schon zu den Überraschungen:

Von einer Romanze ist so gut wie nichts zu spüren. Wo ich eine Liebesgeschichte zwischen dem namenlosen Schriftsteller und Holly in Erinnerung hatte, spielt sich stattdessen ein Gesellschaftsportrait mit einer schillernden, kontroversen Frau als Zentrum ab. Klar, unser Schriftsteller verguckt sich heillos in die verführerische Holly, aber im Prinzip bleibt es bei der sehnsuchtsvollen Bewunderung.

Statt Romantik also zeittypische und zeitkritische Beschreibungen der Haupt- und Nebenfiguren. Dubiöse, glamouröse, abstoßende und auch warmherzige Menschen kreisen wie Meteoriten um Holly. Die erweist sich als wesentlich zweischneidiger und provokativer, als ich sie aus dem Film in Erinnerung habe. Von wegen ‚Reh‘ – diese Holly scheint sich nicht darum zu scheren, dass sie ein wandelnder Skandal im noch recht züchtigen New York der 50er ist. Männer dienen ihr offenbar nur als Geldgeber, und sie führt sie ganz schön an der Nase herum. Aber da ist auch Holly’s andere Seite: Das fragile, liebenswerte Mädchen auf der Suche nach Liebe, und nach sich selbst. Sie kommt erst im Verlauf der Geschichte zum Vorschein – genau wie ihre wahre Identität, die so manches erklärt und ihre versponnenen Träume in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Es ist die Figur der Holly Golightly, erstaunlich kontrovers und schillernd, die diese Geschichte ausmacht. Sie bleibt im Gedächtnis, und ich werde Audrey Hepburn’s Performance im berühmten Film beim nächsten Anschauen mit anderen Augen betrachten.

Zum Sprecher:

Ich hatte ja schon Sorgen. Michael C. Hall kannte ich bisher nur als Schauspieler: Als Beerdigungsunternehmer in Six Feet Under und als Serienkiller in Dexter. Beide Serien liebe ich, und ‚Dexter’s‘ voice over-Kommentare in dieser hart-weichen, kalt-warmen Stimme versprachen Potential, was Hörbücher angeht. Aber würde er auch einen amerikanischen Klassiker wuppen, der so gar nichts mit Mord und Totschlag zu tun hat? Würde ich beim Hören ständig Dexter vor Augen haben?

Die Sorgen waren unbegründet. Zu meiner großen Erleichterung und Freude erweist sich Michael C. Hall als echte Entdeckung. Man zieht überrascht die Augenbrauen hoch, wenn man Holly aus seinem Munde das erste Mal hört: säuselnd, Lolita-haft, mit Südstaaten-Einschlag, ebenso naiv wie keck. Das hat nichts mit dem guten Dexter zu tun! Ich habe sein Bild also schnell aus dem Kopf und genieße die Akkzentreiche Performance, das melodische Tempo und die geschulte, sehr gut verständliche Aussprache von Michael C. Hall. Ein kleiner, feiner Genuss.

Fazit:

Ein kleines Hörbuch-Juwel aus der Rige der amerikanischen Klassiker. Gelesen von einem tollen Schauspieler, der sich als Hörbuch-Talent beweist. Der kurze Zeitgeist-Roman von Truman Capote um eine denkwürdige, kapriziöse Frauenfigur erfreut mit Stil und interessanten Figuren. Luftig, aber deswegen nicht leicht, empfehle ich das Hörbuch gerne an drei Gruppen: Diejenigen, die den Film kennen, den Roman aber noch nicht gelesen haben. An Truman Capote-Liebhaber, die Breakfast at Tiffany’s schon kennen, aber noch nicht als englisches Hörbuch. Und an neugierige Dexter-Fans, die mal eine ganz andere Seite dieses Schauspielers kennen lernen möchten.

Knappe drei  Stunden Hörbuch-Genuß, leichtfüßige Bildung und unterhaltsamer Englisch-Unterricht. Was will man mehr?

Bewertung:

Geschichte: 9 von 10 Punkten

Sprecher: 10 von 10 Punkten

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4 Gedanken zu “Rezension: ‚Breakfast at Tiffany’s‘ von Truman Capote

  1. bookberry 22. März 2014 / 16:49

    Ich bin ein großer Fan von Audrey Hepburn, Frühstück bei Tiffany und – wie Du weißt – von Dexter und Michael C. Hall. Mir ging es ähnlich wie Dir. Ich war begeistert, wie wunderbar Michael C. Hall diesen Klassiker liest. Das Buch habe ich irgendwann bereits in der deutschen Übersetzung gelesen und irgendwoher hatte ich seinerzeit gelesen, dass die Holly im Buch eine andere ist, als wie von Audrey im Film dargestellt. Für den Film hätte er lieber Marilyn Monroe gehabt, welche auch eher zu der Holly aus dem Buch passt. Deswegen – und weil ich den Film mit Audrey einfach liebe – betrachte ich Buch und Film getrennt voneinander. Und was Michael C. Hall betrifft so hoffe ich, dass er uns nun öfter Höhrbücher vorliest.

    • papercuts1 24. März 2014 / 16:06

      Marilyn Monroe? Das ist interessant! Ich habe inzwischen auch gelesen, dass der Film nur auf dem Buch ‚beruht‘, die Novelle also nicht 1:1 wiedergibt. War es also doch nicht nur meine kindliche Warnehmung, dass das Buch so anders ist…
      Jedenfalls muss ich den Film unbedingt noch mal sehen und vergleichen.
      Und was Michael C. Hall angeht – ja, von dem will ich auch noch mehr Hörbücher! Es sieht zwar aus, als sei das nur eine Ausnahme gewesen, aber man kann ja hoffen. Ich find’s schon lange schade, dass die ‚Dexter‘-Romane von einem anderen Sprecher gelesen werden als ihm. Obwohl die nun auch wieder nicht viel mit der TV-Serie zu tun haben. Anderes Thema…

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