Anna Karenina – Teil 1: Wo die Liebe hinfällt

Anna Kaernina dtvZusammen mit der lieben @Liedie40 lese ich Anna Karenina von Leo Tolstoi. Näheres dazu erfahrt ihr HIER. Verfolgen könnt ihr unser Vorankommen auf Twitter unter dem hashtag #TeamTolstoi. Außerdem ziehe ich nach jedem der 8 Teile, in die der Roman sich splittet, eine kurze Bilanz. 

Teil 1 – Wo die Liebe hinfällt

Was geschieht:

Der Roman beginnt in Moskau, mit einem Ehekrach im Hause Oblonski. Stepan (ein Fürst und dazu eine Art hoher Beamter) ist mit einer Bediensteten des Hauses fremdgegangen, und seine Frau Darja hat es herausbekommen. Sie droht, ihn zu verlassen. Der Haussegen hängt schief. Um sie zu umzustimmen, schickt Stepan nach seiner Schwester Anna, die aus Petersburg anreisen wird.

Zeitgleich buhlen zwei Herren um die Gunst von Darjas Schwester Kitty. Der eine ist Stepans Freund Lewin, ein Gutsbesitzer vom Land. Der andere ist der fesche Oberst Wronski. Kitty weist den Heiratsantrag Lewins zurück, in der festen Annahme, Wronski wolle sie ebenfalls zur Frau nehmen.

Lewin ist am Boden zerstört. Bevor er wieder ins heimische Petersburg abreist, trifft er sich noch mit seinem Bruder Nikolai, dem ’schwarzen Schaf‘ der Familie. Nikolai ist ein Trinker, auf Seiten der Arbeiterklasse und mit einer Prostituierten liiert. Nach dem schwierigen Gespräch reist Lewin ab, zurück auf seinen Gutshof, wo er sich mit Kittys Abweisung abzufinden scheint.

Anna trifft in Moskau ein. Auf dem Bahnhof kommt es zu einer kurzen Begegnung zwischen ihr und Oberst Wronski. Es knistert leise zwischen den beiden, auch wenn Anna das nicht wahrhaben will – schließlich ist sie verheiratet und bereits Mutter eines 8jährigen Sohnes. Wronski ist unverhohlener in seiner Entzückung.

Anna gelingt ihr, ihren Bruder Stepan und dessen Frau Darja zu versöhnen.

Ein Ball wird veranstaltet. Kitty rechnet fest damit, beim Tanz einen Heiratsantrag von Wronski zu erhalten. Es kommt jedoch anders: Wronski hat kaum mehr Augen für sie und verbringt einen Großteil des Balles beim Tanzen mit Anna. Es wird klar, dass Wronski niemals ernsthafte Absichten hatte, Kitty zu ehelichen, und Kitty ist verzweifelt. Mit gebrochenem Herzen reut es sie, Lewin abgewiesen zu haben.

Anna merkt, dass sie mit dem Feuer spielt, und entschließt sich zur Abreise. Aber nicht nur sie – auch Wronski macht sich auf den Rückweg nach Petersburg, zu seinem Regiment. Bei einem Zwischenhalt des Zuges gesteht ihr der Oberst offen seine Zuneigung, und obwohl Anna ihre eigenen Gefühle nicht aussprich,t ist deutlich, dass auch sie sich zu ihm hingezogen fühlt.

In Petersburg scheint sich dann alles zu normalisieren: Anna wird von ihrem (unterkühlten und knubbelohrigen) Eheman Alexej abgeholt und ist mit ihrem Sohn wiedervereint. Die Flirterei mit Wronski erscheint ihr wie eine kurze Verirrung. Der Oberst seinerseits kehrt zu seinem Regiment zurück und fühlt sich unter den Kameraden bei rauen Männergesprächen ebenfalls wieder wie zu Hause. Ist Anna vergessen?

Meine (ungefilterten) Eindrücke:

  • Die Sprache:

Die ersten 50 Seiten brauche ich zum Eingewöhnen. Die altmodische Sprache ist mir noch fremd, wächst mir aber zunehmend ans Herz. Ab und an schlage ich Begriffe nach, z.B. ‚Saffian‘ oder ‚Kummet‘. Das fühlt sich erst komisch an, weicht aber der Freude darüber, Neues (oder Altes?) zu lernen. Am Ende von Teil 1 erwische ich mich dabei, nach Gelegenheiten zu suchen, Tolstoi’s Worte in meinen Alltag einzubauen: Meine Mathe-faule Tochter starrt mich entgeistert an, als ich sie davor warne, ‚in Kalamitäten‘ zu geraten.

  • Die Namen:

Anfangs habe ich Probleme mit den Namen der Figuren. Das liegt daran, dass es im Russischen üblich ist (oder war), die Person je nach Vertrautheitsgrad mit verschiedenen Namensversionen zu bezeichnen: Nur der Nachname, Vor- und Vatersname, nur der Vorname, nur der Kosename…

Fürst Stepan Arkadjewitsch Oblonski wird so wahlweise zu ‚Oblonski‘, ‚Stepan Arkadjewitsch‘, ‚Stepan‘ oder nur ‚Stiwa‘. Das wird erschwert, wenn mehrere Mitglieder einer Familie aufeinandertreffen sowie durch die Tatsache, dass es gleich mehrere ‚Alexej‘ gibt.

Hilfreich: Ein Stammbaum bzw. Namensverzeichnis der Familien. Die @Liedie40 hat mir eins gebastelt, und das liegt jetzt immer neben mir beim Lesen.

  • Die Leidenschaft:

Wer denkt, Russen seien frostig und schwermütig, der sollte Anna Karenina lesen! Von Anfang an zelebrieren Tolstoi’s Figuren eine Theatralik und Leidenschaft, dass man so manches Mal zu Grinsen beginnt. Tatsächlich kommen mir das Wehklagen, Seufzen, Aufbrausen und die plötzlichen Stimmungsumschwünge eigentlich aller Beteiligten zu Beginn etwas übertrieben vor. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber spätestens, als Anna und Wronski die Bühne betreten, ist es um mich geschehen: Die berühmte ‚russische Seele‘ reißt mich mit. Ich genieße Wronskis glühende Avancen (er ist eine solche drama queen – entzückend!) und Annas gequältes Hin- und Hergerissensein. Das sind aber auch Szenen: Liebesgeständnisse auf verschneiten Bahnhöfen zwischen in Pelz gehüllten Protagonisten. Hach! Schön…

Da kommen noch ganz große Gefühle auf mich zu, und – um es mit Tolstoi zu sagen – es hat mich ‚versengt‘. 😉

Auf zu Teil 2!

 

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