Anna Karenina – Teil 2: Der Wahrheit ins Auge

Anna Kaernina dtvZusammen mit der lieben @Liedie40 lese ich Anna Karenina von Leo Tolstoi. Näheres dazu erfahrt ihr HIER. Verfolgen könnt ihr unser Vorankommen auf Twitter unter dem hashtag #TeamTolstoi. Außerdem ziehe ich nach jedem der 8 Teile, in die der Roman sich splittet, eine kurze Bilanz. 

Teil 2 – Der Wahrheit ins Auge

Was geschieht:

Wronski hat Kitty das Herz gebrochen. Sie ist so mitgenommen, dass die Ärzte ihr eine Kur empfehlen. Mit ihrer Mutter reist sie in einen Badeort in Deutschland. Dort schließt sie Freundschaft mit Warenka, die sich selbstlos und barmherzig um ihre sieche Ziehmutter und andere Kranke kümmert. Kitty – auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn – eifert ihr nach. Sie muss feststellen, dass diese Selbsttäuschung nicht funktioniert: Kitty kann niemand anderer sein, als sie ist. Sie kehrt ernüchtert aber gesundet zurück nach Hause.

Auf dem Land, bei Petersburg, kümmert sich Lewin derweil mit Leidenschaft um seinen Gutshof. Sein Freund Stepan Oblonski besucht ihn. Man redet über Kitty, über die Lewin trotz aller Beteuerungen doch nicht ganz hinweg ist. Außerdem diskutieren die Freunde über die Landwirtschaft und ihre geschäftlichen Aspekte – ein Thema, das Lewin am Herzen liegt.

In Petersburg kursieren inzwischen Gerüchte über ein Verhältnis zwischen Anna und Wronski. Zurecht, denn die beiden pflegen mittlerweile eine heimliche Affäre. Annas Ehemann Alexej stellt seine Frau zur Rede, doch sie weicht ihm zunächst aus.

Ein Pferderennen findet statt, bei dem auch Wronski mitreitet. Kurz vor dem Rennen besucht er heimlich Anna. Verzweifelt eröffnet sie ihm, dass sie schwanger ist. Wronski schlägt vor, gemeinsam zu fliehen, aber, besorgt um ihren 8jährigen Sohn und ihren Stand, kann Anna sich nicht dazu entschließen.

Beim Rennen geschieht ein Unglück. An zweiter Stelle gelegen, stürzt Wronski schwer. Zwar kommt er unverletzt davon, aber sein Pferd muss getötet werden, und Annas für alle sichtbare Angst um Wronski bestätigts Alexejs Befürchtungen: Seine Frau geht fremd. Abermals konfrontiert er Anna, und im Überschwang der Gefühle gesteht sie endlich, dass sie ihn verabscheut und Wronski liebt. Um sein Ansehen besorgt, verlangt Alexej Bedenkzeit, wie mit der Situation nun ’schicklich‘ umzugehen sei.

Meine (ungefilterten) Eindrücke:

  • Lewin’s Ding mit der Landwirtschaft

Lewins leidenschaftliche Vorträge über die Bewirtschaftung seines Guts, über Forstpreise, Kühe, die Landarbeiter – das ist ein Thema, mit dem ich (noch) nicht so viel anzufangen weiß. Es ist nicht  langweilig. Tolstoi schreibt unterhaltsam. Aber es ist mir fremd, und es deutet sich bereits an, dass es eigentlich um mehr geht – um Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik. Ich merke, dass ich viel zu wenig Ahnung von Tolstois Ära habe, um solche Wörter wie ‚Kapitalismus‘ und ‚Kommunismus‘ überhaupt nur in den Mund zu nehmen, aber es scheint mir damit zu tun zu haben. Ich werde etwas recherchieren müssen, um mich mit diesem Thema wohler zu fühlen.

  • Kitty – Sinn und Sinnlichkeit 2.0?

Wie schon gesagt, verstehe ich mich eher auf englische Klassiker, und Kittys Leidenschaft, Jugend und Drama erinnern mich da an jemanden: Kennt ihr Jane Austen’s ‚Sense and Sensibility‘? Auch da verguckt sich eine junge Dame (Marianne Dashwood) mit Kleinmädchen-Naivität in einen feschen Herrn, um dann mit gebrochenem Herzen festzustellen, dass sie ihre Liebe lieber einem solideren, bescheideneren Kandidaten gegeben hätte. Wie Marianne, so ist auch Kitty auf der Suche nach sich selbst und dem, was sie eigentlich will. Ganz abgesehen von dem, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Ich bin gespannt, ob die Parallele sich hält.

  • Anna und Wronski – Drama, Baby!

Was mich am meisten interessiert, sind natürlich diese zwei. Es geht schließlich um verbotene Liebe und Leidenschaft, die alle Regeln bricht. Natürlich sind wir bei Tolstoi weit entfernt von expliziter Erotik und ‚Shades of Grey‘-Unverblümtheit. Die Affäre zwischen Anna und Wronski hüllt Tolstoi in glühende Blicke und schmachtende Dialoge, bleibt ansonsten aber recht keusch. Sehr schön sind die raren, züchtig verklausulierten Liebesszenen, wo einem erst bei genauerem Hinsehen klar wird, dass die beiden tatsächlich irgendwie…nun… *züchtiges Erröten*. Das Baby muss ja irgendwoher kommen.

Liebe findet jedenfalls in ‚Anna Karenina‘ größtenteils in Worten statt. Das Drama lebt von Gefühlsausbrüchen, versteckt sich physisch aber zwischen den Zeilen. Diese Liebe ist ebenso laut wie leise. Machmal regt mich das auf. Andererseits aber lässt es mich genauer hingucken, mir meinen Teil dazu denken. Eine Leseerfahrung, die mich sensibilisiert.

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