Rezension: ‚Dreams of Gods and Monsters‘ von Laini Taylor

dreams of gods and monsters audibledreams of gods and monsters

Titel: ‚Dreams of Gods and Monsters‘ (Daughter of Smoke and Bone #3)

(deutscher Erscheinungstermin steht noch nicht fest)

Autorin: Laini Taylor

Sprache: Englisch

Medium: Hörbuch

Sprecherin: Khristine Hvam

Anbieter: Hodder & Stoughton

erschienen: 17. April 2014

Länge: 18 Std 6 min (ungekürzt)

ACHTUNG: Dies ist Band 3 einer Trilogie! Diese Rezension enthält folglich SPOILER über die Bände 1 und 2!!!

Beschreibung:

Nach den Ereignissen in ‚Days of Blood and Starlight‘ müssen sich die Seraph und die Chimaera zusammenraufen, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen: Jael hat mit seiner Armee die Portale in die menschliche Welt durchschritten und bedroht deren Existenz. Aber können sich die einst erbittert verfeindeten Parteien der ‚Engel‘ und ‚Monster‘ wirklich miteinander anfreunden? Ist das die Chance für Akiva und Karou auf eine gemeinsame Zukunft?

So leicht ist es natürlich nicht, und es taucht ein weiteres Problem auf: Am Himmel von Eretz tauchen Flecken auf, wie Blutergüsse. Und in der Welt der Menschen kommt eine junge Wissenschafts-Studentin mit merkwürdigen Alpträumen den fremden Besuchern auf die Spur. Während die Welt nicht weiß, ob die Ankunft der Engel den Untergang oder eine Offenbarung bedeutet, kämpfen Karou und Akiva um die Existenz ihrer Heimat und um ihre Liebe…

 Zum Hörbuch:

Darauf habe ich mich seit Days of Blood and Starlight so gefreut: Das große Finale zwischen Engeln und Monstern. Und hoffentlich, hoffentlich ein Happy End für unser liebesgequältes Pärchen, Karou und Akiva!

Als ich Dreams of Gods and Monsters beginne, stelle ich stirnrunzelnd fest, dass es doch eine ganze Weile her ist, dass ich Karou und Akiva mit ihrer frisch vereinten Armee gesehen habe. Grob weiß ich zwar noch, was passiert ist, aber die Geschichte ist doch so komplex, dass ich pausiere und nochmal in die Inhaltsangabe zu Band 2 schaue. Nicht einfacher macht die Tatsache, dass durch die ‚Wiedererweckten‘ nicht mehr alle Figuren in ihren ursprünglichen Körpern stecken oder sogar eine andere Identität angenommen haben. Einen kurzen Blick zurück empfehle ich also jedem, der das nicht mehr alles frisch auf dem Tablett hat.

Teil 3 unterscheidet sich atmosphärisch und sprachlich gar nicht von den Vorgängern. Was das Herumschwingen ausufernd malerischer Sprachgebilde angeht, bleibt Laini Taylor ihrem Schreibstil treu. Eine Bewegung, ein Blick, ein Atemzug werden zur Ewigkeit. Da kann eine Sekunde Handlung sich schon mal über fünf Minuten Hörbuch erstrecken. Jeder flammende Flügelschlag Akivas, jede zitternd erhobene Hand Karous werden sprachlich voll ausgekostet. Dazu noch die inneren Monologe (größtenteils Karous): hingebungsvoller, leidvoller und vor allem ausgiebiger kann man nicht schmachten. Das letzte Mal habe ich sowas bei ‚Twilight‘ erlebt.

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Rezension: ‚Die Flutwelle‘ von Mikael Niemi

die flutwelleTitel: ‚Die Flutwelle‘

Originaltitel: ‚Fallvatten‘

Autor: Mikael Niemi

Sprache: Deutsch

Originalsprache: Schwedisch

Medium: gebundene Ausgabe

Verlag: btb

erschienen: 29. April 2014

Länge: 320 Seiten

Beschreibung (btb Verlag):

Wie würdest du dich verhalten im Angesicht einer Katastrophe?

Hoch oben im Norden Schwedens regnet es schon fast den ganzen Herbst. Und dann zeigen sich im obersten Staudamm des Lule älv tatsächlich Risse. Keiner kann sich vorstellen, dass er brechen könnte. Doch dann geschieht genau das – die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das Wasser kommt in gigantischen Massen. Ein Tsunami im eigenen Land. Inmitten des Infernos eine Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die nun aufeinander angewiesen sind, wollen sie überleben: Der Hubschrauberpilot, der kurz vor einem Selbstmord stand. Die Künstlerin, die mit ihrer Malgruppe in den Wäldern umherstreift. Die Schwangere, die an einen Schornstein geklammert um ihr Überleben kämpft und von einem anderen Schiffbrüchigen ins Boot gezerrt wird. Zwei Ingenierinnen, die schon lange vor der Gefahr gewarnt haben. Sie alle stehen vor einer gewaltigen Herausforderung: Sie kämpfen nicht nur ums Überleben, sondern auch um ihre eigene Menschlichkeit …

Zum Buch:

Ich kann es kurz machen: Die Flutwelle ist merkwürdig. Spannend. Und abstoßend.

Blei Sommerhitze und aufziehendem Gewitter lese ich diesen schwedischen Katastrophenthriller im Laufe eines Tages runter. Die sehr kurzen Kapitel (ca. 3 bis 8 Seiten) jeweils aus der wechselnden Sicht der fast zwei Handvoll handelnder Personen sowie die daraus resultierenden dauernden cliffhanger machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Zumal Niemi ohne großes Fackeln in die Katastrophe einsteigt: Der eine Domino-Flutwelle auslösende Damm bricht gleich auf den ersten paar Seiten. Warum genau, das erfahren wir nicht. Interessiert aber auch keinen, denn darum geht es nicht.

Es geht um den Überlebenskampf, den jede der Hauptfiguren ganz für sich auf ihre Art und Weise führt, durch deren Augen gesehen. Das ist ein Konzept, das Spannung garantiert. Zumal Niemi schonungslos und ungeschönt schreibt. Knochen brechen, bleiche Körper trudeln in den Wassermassen und Menschen ersaufen wie die Hunde, grausame Bilder im Kopf und helle Panik im Hirn. Niemis Erzählstil hat etwas von einer Kamera mit Polfilter. Gestochen scharf, mit fast unerträglichem Kontrast und ohne Weichzeichner beschreibt er Szenen, an die einen leises Grauen fesselt. Es ist gräßlich, aber man kann nicht wegsehen.
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Rezension: ‚The Rosie Project‘ von Graeme Simsion

the rosie project audioTitel: ‚The Rosie Project‘

dt. Titel: ‚Das Rosie-Projekt‘

Autor: Graeme Simsion

Sprache: Englisch

Medium: Hörbuch

Sprecher: Dan O’Grady

Anbieter: Penguin Books Limited

erschienen: 11.4.2013

Länge: 7 Std 30 min (ungekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 15,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Beschreibung (audible):

Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Zum Hörbuch:

Es ist Monate her, dass ich The Rosie Project zuende gehört habe. Und ich habe mit mir gerungen, ob ich überhaupt eine Rezension dazu schreiben soll. Ob ich das kann. Ob ich genug trennen kann zwischen persönlicher Erfahrung und einer fiktiven Geschichte, um auch nur annähernd objektiv zu sein. Nun, der Abstand ist inzwischen groß genug, um ein paar Worte zu diesem Hörbuch zu sagen.

Seht ihr, The Rosie Project ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte. Es geht um diesen Genetik-Professor, der mithilfe eines Fragebogens eine Frau finden will. Der dann tatsächlich eine Frau findet, die aber völlig ungeeignet und am Ende doch die einzig Richtige ist. Es kommt ein spannender, teils kontroverser ’supporting cast‘ vor, allen voran Don’s bester Freund, ein herzlicher Psychologie-Professor, der nicht merkt, wie sehr seine Ehefrau unter dem Prinzip der ‚offenen Ehe‘ leidet, Don aber ständig über Beziehungen berät. Es kommt zu einem Haufen witziger Momente, und Don ist ein derart skurriler aber grundsympathischer Kerl, dass man ihn ins Herz schließt und sehr mit ihm mitfiebert. Und Rosie ist ein bunter, freigeistiger Wirbelwind von Frau, wie man sie nur mögen kann.

Das Problem ist, dass die erzählende Hauptperson, Don Tillmann, sich irgendwo auf dem autistischen Spektrum befindet. Es wird absichtlich nicht ausgesprochen, aber offensichtlich hat er ein undiagnostiziertes Asperger-Syndrom, über das er selbst so gekonnt einen treffenden Vortrag hält. Mein Problem damit ist nun, dass ich mich mit diesem Thema gut auskenne. Etwas zu gut. Tatsächlich bin ich Mutter eines halbwüchsigen ‚Aspie‘ und kenne noch etliche weitere Exemplare dieser besonderen Spezies.

Und da beginnen meine Schwierigkeiten mit Don, mit Rosie und mit der ganzen Geschichte: Ich vergleiche zu sehr. Ich weiß zuviel. Und andererseits weiß gerade ich, dass kein Aspie ist wie der andere, und dass jeder Vergleich genau deshalb wieder hinkt. Und bei alledem verliere ich aus den Augen, dass The Rosie Project eigentlich kein Buch über das Asperger-Syndrom ist, sondern eine humorvolle, liebenswürdige Geschichte über zwei Menschen, die sich trotz aller Gegensätze finden und lieben.

Denn das ist es: Humorvoll. Man lacht viel, wenn Don aufgrund seiner Veranlagung immer wieder in Fettnäpfchen tritt und in seltsame Situationen gerät. Man lacht schönerweise dabei nicht über ihn, sondern über die Situation an sich und was geschieht. Da beweist Simsion genügend Fingerspitzengefühl und stellt Don nicht als unfreiwilligen Clown dar. Es hilft natürlich auch, dass wir die Geschichte durch Don’s Augen sehen und seine Perspektive annehmen. Das hilft zu verstehen und hält uns sogar oft einen Spiegel vor. Don’s wortwörtliche Logik stellt sich mehr als einmal als klarer und eigentlich ’normaler‘ heraus als die aller anderen. Zudem lösen sich diese Situationen fast durchweg positiv auf, bringen die Geschichte weiter und Don und Rosie ein Stück einander näher.

Es macht Spaß, den beiden auf ihrem Weg in eine Liebesbeziehung durch einige Auf und Abs zuzuschauen. Nirgendwo gibt es in der Geschichte Längen, dafür fast durchweg sympathische Hauptfiguren und einen Erzähler, dessen Weltsicht, Sprache und Erlebnishorizont genauso ungewöhnlich wie interessant sind. Und nach allem, was ich weiß und bisher erlebt habe, ist Don’s leicht autistisches Wesen durchaus authentisch dargestellt: Seine Überkorrektheit, sein Kleben an Routinen und Ritualen, das wortwörtliche Verstehen von Ironie oder Idiomen, sein ausgeprägtes und starkes logisches Denken im Gegensatz zu seiner Naivität gegenüber Zwischenmenschlichem – das ist alles nicht nur lehrbuchmäßig sondern kommt auch tatsächlich im wahren Leben so vor.

ABER. Da haben wir’s. Das große ABER. Don ist eben nur eine Sorte von Aspie. Und dazu noch ein ziemlich klischeehafter: Der hochintelligente, zahlenversessene, liebenswerte Freak. Dieser Typ wird in Literatur und Film gerne dargestellt, stellt in Wirklichkeit aber nur einen kleinen Prozentsatz von Asperger-Autisten dar. (Im Interview unten erzählt Simsion, dass ‚Don‘ größtenteils auf der Beobachtung seiner akademischen Kollegen und Bekannten beruht und weniger auf recherchierten Fakten). Ja, es stimmt: Viele von ihnen haben Inselbegabungen und sogenannte ‚Spezialinteressen‘, aber die meisten haben eine Durchschnittsintelligenz, und nicht wenige von ihnen landen aufgrund ihrer vielfältigen Schwierigkeiten nicht an Universitäten, sondern auf Förderschulen und in Arbeitslosigkeit.

Und selbst die hochintelligenten Aspies, die aufgrund ihres guten ‚Durchkommens‘ im Leben dann meist gar nicht diagnostiziert werden, kennen die andere Seite der Medaille, die so gar nichts mit lustig oder romantisch zu tun hat. Es ist die Seite, die in The Rosie Project ein paar Mal angedeutet, aber leicht übersehen wird: Es sind die Missverständnisse, die sich eben nicht in Lacher auflösen, sondern in Tränen. Es ist Einsamkeit, weil Freundschaft und Beziehungen trotz allen Willens für Aspies ein Buch mit sieben Siegeln sind. Es ist Überforderung, wenn zu viel Neues passiert und die Ängste davor zu groß werden, um sie zu überwinden. Es ist der Schmerz, anders zu sein als die anderen und das immer wieder zu spüren zu kriegen. Und es sind die Konflikte mit dem Umfeld, mit der Familie, die für alle Beteiligten eine extreme Dauerbelastung sind.

Ich könnte hier noch ewig weitermachen, verkneife mir das aber. Es geht hier ja nicht um mich, sondern um Simsion’s Roman. Ich will hier auch gar nicht gegen sein wirklich schönes Buch wettern. Zumal er zwischendurch eben immer mal wieder andeutet, dass auch Don schwierige Zeiten hinter sich hat. Dass die Beziehung zu Don’s Familie problematisch war. Dass es in Don’s Jugend dunkle Kapitel mit viel Kummer gegeben haben muss. Dass er und Rosie sich wirklich anstrengen müssen, um einen Weg miteinander zu finden, den sie gehen können. Nicht alles ist eitel Sonnenschein.

Ich möchte eigentlich einfach nur loswerden, dass man beim Lesen dieses Buches vorsichtig damit sein muss, sich ein Bild über autistisch veranlangte Menschen wie Don zu machen. Dazu ist es einfach zu einseitig dargestellt und klammert die problematischen Aspekte zu sehr aus. Dazu macht Simsion es sich am Schluss auch zu einfach: Dass Don sich einfach so ändert, nur für Rosie, ist nicht realistisch und gefällt mir auch nur bedingt.

Letztlich kommt es darauf an, was man von diesem Buch erwartet. Wenn man The Rosie Project als exzentrisch-humorvolle Liebesgeschichte lesen möchte, dann ist das kein Problem und sehr empfehlenswert. Absolut nett geschrieben, hoch unterhaltsam und mit einem Happy End, aus dem kein Kitsch trieft.

Wenn man aber etwas über Menschen mit Asperger-Syndrom lernen möchte, dann ist The Rosie Project nur ein Einstieg in ein hoch komplexes, schwieriges Thema, das hier etwas zu sehr verniedlicht wird. Im wahren Leben ist Autismus (und zwar in jeder Form) alles Mögliche, aber sehr selten lustig – außer man hat eine Menge Galgenhumor.

(Wer dieses Thema übrigens mit mir weiter diskutieren oder Literatur- und Filmtipps haben  möchte, kann das gerne tun, hier in den Kommentaren oder über das Kontaktformular per Email. )

Zum Sprecher:

Dan O’Grady hört sich an, als würde er ein wissenschaftliches Experiment kommentieren. Und das passt. In seiner Stimme schwingen Logik und eine fast kindliche Neugierde mit, wobei Gefühle der verdeckte Subtext bleiben. Die Stimmlage bleibt relativ beschwingt, in Don’s Stressphasen klingt eine gewisse Unruhe mit, aber die emotionalen Ausschläge sind gering. Das passt zu Don’s akademisch-empirischem Wesen sehr gut und setzt den Text passend in gesprochene Worte um.

Ob die Erzählweise zu einem Aspie passt? Nun, auch da gibt es ein riesiges Spektrum. Aus meiner Erfahrung hören sich Asperger-Autisten oft ein wenig ‚flach‘ an in der Betonung. Dazu kommt ein gewisser ‚Vortragston‘ selbst im normalen Gespräch. Häufig klingen sie ein wenig altklug, was auch an der oft überkorrekten Sprache liegt und der Tendenz, im Bereich ihrer Spezialinteressen geradezu lexikalisch zu klingen.

Was Don angeht, passt das also. Es gibt aber genauso Aspies, die sehr emotional klingen, die sich weniger geschliffen ausdrücken, und auch solche, deren Stimme auffällig monoton ist. Man kann das also nicht über einen Kamm scheren. O’Grady orientiert sich offenbar an dem, was ihm die Ich-Erzählung als ‚Sprachcharakter‘ vorgibt, und das macht er gut.

Wichtig zu wissen für Nicht-Muttersprachler: So wie Simsion, kommt O’Grady aus ‚down under‘ (oder tut zumindest so). Australisches Englisch ist für Ungeübte nicht leicht zu verstehen, und selbst wenn ‚Don‘ ausgesprochen deutlich und sauber spricht, muss man sich da schon reinhören und diesen Akkzent auch mögen. Sonst gibt es Verständnisprobleme, und das Hörbuch geht einem schnell auf die Nerven.

Fazit:

Eine nette, flott zu lesende Liebesgeschichte, gesehen durch die Augen eines liebenswerten, skurrilen Wissenschaftlers, der eine leichte Form von Autismus hat. Die Geschichte an sich funktioniert, wird nie langweilig und bietet viele Gelegenheiten zum Schmunzeln. Die Figuren sind sympathisch (auch wenn man sich über Don’s dauer-fremdgehenden besten Freund gut streiten kann), allerdings allesamt ziemlich klischeehaft.

Das größte Klischee ist dabei die Hauptfigur selbst: Obwohl es nie ausgesprochen wird, hat Don eindeutig eine Autismus-Spektrum-Störung, vermutlich in Form eines Asperger-Syndroms. Es geht in dem Buch zwar nicht zentral um Autismus. Aber auf Don’s besonderen Sicht- und Verhaltensweisen baut sich die ganze Geschichte eben auf. Und leider stellt Simsion Don’s Problematik zu einseitig und verniedlicht dar. Das muss man wissen, wenn man The Rosie Project liest oder hört, sonst macht man sich ein falsches Bild.

Als leicht dahinfliegendes Sommer-Hörbuch wunderbar geeignet. Als Wissensquelle über Autismus nur bedingt.

Bewertung:

Hörbuch: 7 von 10 Punkten

Sprecher: 8 von 10 Punkten

Infos zur deutschen Ausgabe:

das rosie projekt

 Das Rosie Projekt gibt es auch als deutsches Buch und Hörbuch. Die Hörbuchfassung wird von Robert Stadlober gesprochen und ist ungekürzt bei audible.de erhältlich. Der Roman ist in gedruckter Form bei Fischer Krüger erschienen und umfasst 352 Seiten. Eine Kindle-Version gibt’s natürlich auch.

Der Roman tummelt sich seit Wochen auf der deutschen Bestseller-Liste und ist in 32 Ländern erschienen.

In diesem Interview erzählt der sehr sympathische Autor u.a. Einiges zum Thema ‚Asperger‘ in Bezug auf seinen Roman und wie er die Hauptfigur  und seine Erzählperspektive ins Leben gerufen hat.

Rezension: ‚American Gods‘ von Neil Gaiman

american godsTitel: ‚American Gods‘

Autor: Neil Gaiman

Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)

Medium: Hörbuch-Download

Sprecher: Stefan Kaminski

Anbieter: Audible

erschienen: 20.11.2007

Länge: 22 Std 10 min (ungekürzt)

Das Hörbuch erhaltet ihr im Download bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo nur € 9,95 (regulärer Preis: € 29,95) Auf der Produktseite findet ihr auch eine Hörprobe.

Beschreibung (audible):

Leibhaftige Götter in weißen Limousinen, ein alter Mann, der sich als Odin, der mythische Allvater, erweist, eine Münze, die Tote wiedererweckt, und eine monumentale Götterschlacht in der Mitte der USA – Neil Gaiman hat einen großen Roman über die Mythen Amerikas geschrieben.Hauptfigur ist Shadow, eine eher zwiespältige Gestalt, die nach einer dreijährigen Gefängnisstrafe in die Freiheit entlassen wird, nur um sich mit dem Tod seiner Frau und seines besten Freundes konfrontiert zu sehen, die ein Verhältnis miteinander hatten. Notgedrungen nimmt er einen Job bei einem merkwürdigen alten Mann an, der sich „Wednesday“ nennt. Wednesday entpuppt sich als Inkarnation des nordischen Gottes Odin und ist nur einer von zahlreichen übermächtigen Wesen, denen Shadow auf seiner Reise durch das Herz von Amerika begegnet. Im Laufe des Romans stellt sich heraus, dass der nordamerikanische Kontinent nicht nur die Heimat von Menschen aus der ganzen Welt geworden ist, sondern auch von Göttern aus den unterschiedlichsten Mythologien und Religionen.

Wie schon bei Sandman zaubert Neil Gaiman mit großer Virtuosität Figuren und Geschichten aus allen Kontinenten aufs Tableau und lässt seine Leser eine ihnen bekannte Welt mit völlig neuen Augen sehen. „American Gods“ überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute – liebevoll gezeichnete Protagonisten, eine spannende und vielschichtige Handlung, unaufdringliche Kritik am Selbstbild der USA und ihrer Bewohner.

Zum Hörbuch:

Ich liebe Neil Gaiman. Als Grenzgänger zwischen den Genres, zwischen Realität, Mythologie und Magie ist er ein düster schillernder Vogel der englischen Exzentrik-Literatur. Nachdem mich The Ocean at the End of the Lane letztes Jahr völlig aus den Socken gehauen hat und ich auch dem verrückt-genialen Hörspiel Neverwhere viel abgewinnen konnte, war endlich einer von Gaiman’s ‚Klassikern‘ an der Reihe: American Gods. Und zwar auf Deutsch, weil es keine von Neil Gaiman selbst gelesene Aufnahme gibt, und weil Stefan Kaminski’s Kehlkopf eine unendliche Anzahl an Stimmen und Akkzenten beherbergt.

Es fängt recht erdverbunden an: Wir lernen Shadow kennen, der seinen letzten Tag im Knast absitzt, und ein paar seiner Mitinsassen. Dazu gehört auch Low Key Lyesmith, dessen Name beim geneigten Hörer bereits einen ersten Aha!-Moment auslösen sollte. Na, klingelt’s?

Ich bin an dieser Stelle froh, dass ich mich vor kurzen erst mit Kaminski’s Ring des Nibelungen und den nordischen Göttern auseinandergesetzt habe, denn außerhalb der Knastmauern begegnet uns schon der nächste und heuert den entlassenen Shadow als eine Art Bodyguard an. ‚Wednesday‘ ist eine beeindruckende Figur mit doppeltem Boden und nutzt den armen Shadow ganz schön aus. Schockiert angesichts des Todes seiner Frau Laura, begibt sich unser Ex-Häftling auf eine Art rauschhaften Roadtrip durch die USA und die Welt der alten und neuen Götter.

Was an Stringenz zu Beginn vorhanden war, endet damit auch schnell. Die Handlung ist nur eine Art Ausrede für a) eine Lehrstunde in Sachen globaler Mythologie und b) Gaiman’s Kritik an den USA und der modernen Welt.
Und da haben wir auch schon meinen ersten Kritikpunkt: Eigentlich ist American Gods kein Roman, sondern ein Flickenteppich aus Kurzgeschichten, Legenden, Träumen, Halluzinationen, Erinnerung, Zwischenspielen und – ganz am Rande – einer Mordermittlung. Das führt dazu, dass man manchmal den (dünnen) Faden verliert. Der Mischmasch wird zu einem verwirrenden Mosaik, bei dem man das große Ganze nicht gut sieht. Wo oben und unten ist, in welche Gefilde Gaiman mit seiner unfassbaren Vorstellungskraft entschwebt, ist nicht immer ganz fassbar. Einen Höhepunkt gibt es auch nicht wirklich. Zwar reden alle von einem aufkommenden Sturm, von der großen Schlacht, aber da muss ich euch enttäuschen: klirrende Schwerter und Feuerbälle schleudernde Götter werdet ihr am Ende vergeblich suchen. Der erwartete Showdown findet so nicht statt.

Den roten Faden liefert in American Gods nicht die Handlung, sondern die mitspielenden Figuren. Liebevoll ausgezeichnet, lässt Gaiman ein weltumspannendes Ensemble an Gottheiten vor uns aufmarschieren. Manche sind eindeutig, bombastisch, bekommen ihre eigene Vorstellung und begleiten Shadow durch das ganze Buch. Bei einigen muss man aber auch ganz genau hinsehen, um sie zu erkennen. Das macht zum einen Spaß, führt zu fröhlichem Recherchieren und faszinierenden Entdeckungen (wisst ihr, wer und was sich hinter ‚Ostern‘ verbirgt?). Zum anderen kann man aber auch leicht etwas bzw. jemanden verpassen, und mehr als einmal beschleicht mich das Gefühl, etwas nicht mitbekommen zu haben. Da verliert mich Gaiman schon mal.

Im Gegensatz zu den alten Göttern, die bei Gaiman zu halb vergessenen, sterblichen und sich mit Betrügereien durchs Leben schlagenden Gaunern verkommen sind, geraten die modernen Götter etwas nebulös. Ob ‚Mr. Town‘, ‚Mr. Train‘ oder der ewig Junkfood in sich stopfende Computerjunkie – die Götter der Neuzeit sind wenig definiert und besitzen keinen Charme. Klar, Gaiman kritisiert unsere technikverliebte Neuzeit, vor allem das selbstverliebte, gottlose Amerika. Aber das verpufft am Ende ohne großes Echo in einem recht faulen Zauber. Finde ich schade.

Was bleibt also? Mit Sicherheit Gaiman’s überbordendes Talent für skurille Parallelwelten und denkwürdige Figuren. Es macht Spaß, wenn nordische Gottheiten Ahnungslosen das Geld aus der Tasche ziehen und betörende Vamps ihre Freier im wahrsten Sinne des Wortes verschlingen. Zu rätseln, welche Gottheit sich hinter welcher Figur verbirgt, ist ein spannendes Spielchen. Und es gibt Momente, da trifft Gaiman’s Sprache ins Schwarze: Ebenso fantasie- wie unheilvoll übergießt er mich da mit Gänsehaut.

Nur leider, leider ist die Handlung schwach auf der Brust, teils verworren, und emotional kann mich das Ensemble – wie schillernd auch immer es auftritt – nicht mitreißen. Es funkt nicht zwischen mir und American Gods. Das muss ich ganz einfach so hinnehmen.

Zum Sprecher:

Bücher von Neil Gaiman sollte eigentlich Neil Gaiman selbst vorlesen. Leider gibt es keine Version von American Gods von ihm. Daher mein Griff zum deutschen Hörbuch und zu Stefan Kaminski.

Der ist natürlich alles andere als ‚2. Wahl‘. Kaminski ist ein komplettes Hörspielensemble in einer Person. Das von ihm benannte ‚Stimmen-Morphing‘ beherrscht er wie kaum ein zweiter. Auch hier bekommt jede Figur eine eigene, unverkennbare Stimme, und Kaminski schwelgt geradezu in der Chance, sein Talent für ausländische Akzente zu zeigen. Betagte afrikanische Trickster-Götter sind ebenso wenig ein Problem wie überirdische Wesen aus Russland, Skandinavien oder Haiti. Sexy säuselnde Göttinnen befinden sich bei Kaminski locker eine Gesamtoktave über ägyptischen Totengräbern und anderen männlichen Gestalten. Kaminski spricht nicht nur, er schmatzt, seufzt, keckert mit hörbarem Gesamtkörpereinsatz und sitzt am Ende garantiert wieder schweißgebadet vor dem Mikrofon. Für ein so außergewöhnliches Verwandlungstalent wie Kaminski ist American Gods ein gefundenes Fressen.

Fazit:

Ein Epos, ein Roadtrip durch Amerika, in Begleitung von Göttern aus allen Mythologien, die um ihre Existenz in modernen Zeiten bangen. Gaiman schafft bezaubernde, beunruhigende und enigmatische Figuren, geboren aus Folklore, Religion und Mythologie der ganzen Welt. Ein Fundus an Fantasie und überlieferten Legenden ergießt sich über den Hörer.
Die eigentliche Handlung verpufft dabei leider und gerät schon mal unter die Räder von Gaiman’s überbordender Vorstellungskraft. Es gelingt nur unzureichend, den aufziehenden Göttersturm, die Wiedererweckungsgeschichte von Shadow’s Frau und die verschwundenen Mädchen in einer kleinen Stadt zusammenzuführen. Nebenbei auch noch sanft Kritik an Amerika und den modernen ‚Göttern‘ zu üben, überfordert das ganze Konstrukt ein bisschen.
Ohne Zweifel bin ich immer noch ein riesengroßer Gaiman-Fan. Aber hier tischt er mir ein bisschen zu viel auf. Da kann auch Stefan Kaminskis großartiger, vielstimmiger Vortrag nur bedingt drüber hinwegtrösten.

Bewertung:

Hörbuch (Story, Sprache, Charaktere): 6 von 10 Punkten

Sprecher: 10 von 10 Punkten

American Gods soll übrigens als TV-Serie von Freemantle Media produziert werden. Wann genau, in welcher Form, und wer mitspielt – das steht alles noch nicht fest. Neueste Entwicklungen könnt ihr auf Neil Gaiman’s eigenem Blog verfolgen: http://journal.neilgaiman.com