Rezension: ‚The Last Policeman‘ von Ben H. Winters

the last policemanTitel: The Last Policeman (Teil 1)
dt. Titel: Der letzte Polizist
Autor: Ben H. Winters
Format: Hörbuch
Sprache: Amerikanisch
Sprecher: Peter Berkrot
Anbieter: Brilliance Audio
erschienen: 10. Juli 2012
Länge: 08 Std. 20 Min. (ungekürzt)

 

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 oder 1 Guthaben (Normalpreis €12,95). Eine Hörprobe findet ihr auf der Produktseite bei audible.

Inhaltsangabe (Heyne):

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. In sechs Monaten wird er einschlagen. Und nichts kann ihn aufhalten. Im Angesicht der Apokalypse tun die meisten Menschen das, was sie schon immer tun wollten, sich aber nie getraut haben. Andere wenden sich dem Glauben zu. Wieder andere begehen Selbstmord. Aber niemand tut mehr seine Pflicht – bis auf Detective Hank Palace. Als sich ein vermeintlicher Suizid als Mord entpuppt, ist Hanks Neugierde geweckt: Wer macht sich kurz vor dem Ende der Welt noch die Mühe, jemanden umzubringen?

Zum Hörbuch:

Natürlich ist das Faszinierende an diesem Hörbuch nicht der Kriminalfall. Der ist solide, birgt auch Überraschungen, ist aber alles in allem unaufgeregt und kaum spektakulär. Klassische Polizeiermittlung eben. Oder es wäre zumindest eine. Wenn Detective Hank Palace nicht mit den Widrigkeiten zu kämpfen hätte, die der nahende Weltuntergang so mit sich bringt.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Star der Geschichte: Asteroid Nr. 2011GV1, genannt ‚Maia‘. In genau sechs Monaten wird der riesige Asteroid auf der Erde einschlagen und alles menschliche Leben auslöschen. Nicht sofort, nein. Aber ein großer Teil wird schon beim Einschlag sterben, der Rest an den Folgen der resultierenden ewigen Nacht und zugehörigen Kälte. Keine Chance. Für niemanden.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Hank Palace auf ziemlich verlorenem Posten steht, als er einen Selbstmord für einen Mord hält und ermitteln will. Selbstmorde gehören inzwischen schließlich zur Tagesordnung. Während die einen keinen Sinn mehr im Leben sehen und ihm vorzeitig ein Ende sehen (das gilt besonders für Versicherungsunternehmer…), lassen die anderen einfach alles fallen und verschwinden, um ihre ‚bucket list‘ abzuarbeiten. Das sind all die Dinge, die jeder von uns tun möchte, bevor er ins Gras beißt. Viele dröhnen sich auch dauerhaft (und weitgehend unbestraft) mit Drogen zu. Eine nicht unerhebliche Anzahl läuft religiösen Endzeit-Sekten in die Arme.

Palace hat nicht nur das Problem, dass ihm seine Vorgesetzten die Theorie eines als Selbstmord vorgetäuschten Mordes nicht abnehmen. In der vorherrschenden Lethargie ist der Aktionismus des jungen, gerade erst beförderten Ermittlers allen lästig. Wen interessiert schon Verbrechensaufklärung, wo doch sowieso bald alles vorbei ist? Da immer mehr Menschen ihre Arbeitsplätze auf nimmer Wiedersehen verlassen, kämpft auch die Polizei mit Unterbesetzung. Die forensiche Abteilung gleicht nur noch einem Witz, die Laborarbeit wird nur noch von der Hilfskraft einer Hilfskraft verrichtet. Das Internet ist weitgehend zusammengebrochen; Handys finden nur noch sporadisch ein funktionierendes Netz; Benzin wird knapp.

Aber Hank Palace gibt nicht klein bei. Verbissen ermittelt er, befragt alles und jeden, sammelt akribisch Informationen in seinem kleine blauen Klassenarbeitsheft. Dabei wirkt er – das muss man zugeben – nicht unbedingt sympathisch. Er ist diese Sorte übereifriger, neunmalkluger Grünschnabel, der einem schon auf den Keks gehen kann. Selbst wenn er diesmal Recht hat. Seinen Traumberuf als Detective hat er gerade erst angetreten und will ihn um jeden Preis ausüben. Ob das auch eine Form von psychologischer Vermeidungsstrategie ist, um sich nicht mit ‚Maia‘ auseinanderzusetzen, sei dahingestellt.

Denn Hank ist – zumindest in diesem ersten Buch – ein recht eindimensionaler Typ. Viel scheint sich unter der Oberfläche nicht abzuspielen, obwohl man aufgrund der Ich-Erzählung darunter schauen könnte. Ecken und Kanten sucht man. Das ändert sich ein klein wenig gegen Ende des Buches, als der Fall persönlich wird, bleibt aber ausbaufähig. Er muss an Profil gewinnen, wenn er diese Buchreihe lesenswert machen soll.

Zum Sprecher:

Ähnliches gilt für den Sprecher. Peter Berkrot passt mit seiner geschäftigen Allerweltsstimme genau zur Figur, bleibt aber berührungslos. Es hat alles etwas von einem sorgfältigen Polizeibericht an sich: ordentlich, durchaus enthusiastisch, aber Gefühle sind größtenteils Fehlanzeige. Berkrot kann man daraus keinen Vorwurf machen. Er setzt um, was die Vorlage ihm gibt. Trotzdem denke ich, dass er als Sprecher die fehlende Emotionalität des Textes ein bisschen besser hätte kompensieren können.

Fazit:

Die Idee ist so reizvoll: Eine Kriminalermittlung vor dem Hintergrund der drohenden Apocalypse. Ein eifriger junger Cop, der sich auch von einem heranrasenden Kometen nicht von der Überführung eines Mörders abbringen lässt.

In Band 1 der Trilogie hält die Gesellschaft noch einigermaßen zusammen. Erste Zerfallserscheinungen sind da, aber das große Chaos kommt erst noch. Die subtile Endzeitstimmung ist gut eingefangen. Ihre Auswirkungen auf die Polizeiarbeit sind realistisch und teils von morbider Komik.

Was verbesserungswürdig wäre: Ein spannenderer Fall mit mehr Dramatik. Und vor allem eine Hauptfigur, hinter deren Front sich mehr Gefühle offenbaren als bisher. So abgeklärt kann man nicht sein, wenn bald die Welt untergeht. Aber vielleicht kommt das ja im nächsten Teil? Ich bin gerade dabei, ihn zu lesen.

PS: Diese Reihe wäre prädestiniert für eine Verfilmung, wie man schon am Trailer unten sehen kann. Produzent Lorenzo di Bonaventura hat sich die TV-Rechte gesichert, aber noch hört man nichts von einem tatsächlichen Projekt. Ich hoffe, da tut sich wirklich etwas.

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten

Sprecher: 6 von 10 Punkten

Infos zur Buchreihe:

Auf Englisch sind bereits alle drei Teile der Trilogie erschienen und auch als Hörbuch erhältlich:

1. The Last Policeman

2. Countdown City

3. World of Trouble

Auf Deutsch gibt es bisher nur den ersten Teil als Buch und eBook bei Heyne. Die weiteren werden wohl folgen.

 

 

 

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8 Gedanken zu “Rezension: ‚The Last Policeman‘ von Ben H. Winters

  1. Janice's Bücherwelt (@Lesen_ist) 24. August 2014 / 14:23

    Hallo!

    Ich denke ich werde mir diese Reihe ersparen! Auch wenn ich Krimis liebe verlasse ich mich auf dich und 6/10 ist mir zu wenig. Ich brauche Protagonisten mit Ecken und Kanten, wie Harry Hole, Strike oder Zorn 😉

    Liebe Grüße, Janice

    • papercuts1 24. August 2014 / 17:28

      Hallo Janice!

      Ja, Strike hat sicher mehr Tiefe als Hank Palace. Und zwar gleich von Anfang an. Aber vergiss bitte nicht, dass auf meinem Blog eine 6/10 immer noch eine recht gute Bewertung bedeutet. In Schulnoten sozusagen eine 3+! Die ganze Idee hinter der Reihe ist nach wie vor spannend, und ich habe Band 2 inzwischen angefangen. Tatsächlich zeigt Hank da schon mehr Profil, und die Situation um ihn herum wird dramatischer, so dass er einfach mehr mit dem kommenden Weltende konfrontiert ist als bisher. Ich bin also guter Hoffnung, dass sich die Reihe immer mehr steigert.

      Was nicht heißen soll, dass ich dich zum Lesen oder Hören überreden will. Aber ich bin selbst gespannt, ob am Ende der Trilogie nicht doch noch eine viel bessere Bewertung raus kommt.

      LG,
      Ute

  2. Katrin 24. August 2014 / 14:54

    Interessante Rezension. Ich finde die Idee nach wie vor reizvoll. Band 2 und 3 könnten es hier echt noch reißen, oder? Denn die Lage spitzt sich schließlich mit der Zeit immer mehr zu. Das hat einfach Potential.

    • papercuts1 24. August 2014 / 17:35

      Ja, genau das denke und hoffe ich auch, liebe Karin! Ich habe inzwischen Band 2 angefangen (diesmal als eBook allerdings, weil ich schon etwas anderen ‚auf den Ohren‘ hatte), und diese Hoffnung scheint sich zu bestätigen. Die Lage wird ernster, Hank schleppt aus Teil 1 noch eine ‚Narbe‘ mit sich herum, und er wird einfach überall mit dem Endzeitszenarium konfrontiert. Den recht unschuldigen Polizeieifer aus Teil 1 muss er ablegen und tut das anscheinend auch immer mehr.
      Mal sehen, ob sich das weiter so entwickelt. Wenn du die Reihe auch liest, bin ich sehr interessiert an deiner Meinung! (Bin eurem hübschen Blog dann auch gleich mal gefolgt).

      Gruß,
      Ute aka papercuts1

      • Katrin 24. August 2014 / 17:46

        Mal ganz ehrlich: die meiste Zeit weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu lesen. 😀 Und meinen Mitstreitern geht es ähnlich. Meistens leihe ich mir Bücher von Freunden oder bekomme Leseexemplare ausgeliehen, sodass eigentlich immer ein Stapel rumliegt. Dann noch die „Altlasten“ aus der Vergangenheit, die immer wieder mal an die Oberfläche treiben. Soviele Bücher und so wenig Zeit …

      • papercuts1 24. August 2014 / 19:25

        Ja, das geht uns ja allen so. Gut, dass man durch die Rezensionen wenigstens ein bisschen ‚mitlesen‘ kann, ohne dass man alles selbst gelesen bekommt, nicht wahr? 😉

      • Katrin 24. August 2014 / 20:32

        Wohl wahr. 😀 Ich liebe gut geschriebene Zusammenfassungen. Dadurch kann man mich i.d.R. nicht spoilern, sondern eher noch neugierig machen. Und wenn das halt nicht der Fall ist, kann ich den Titel wenigstens ausschließen.

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