Rezension: ‚Fragile Things – Short Fiction and Wonders‘ von Neil Gaiman

Neil Gaiman_Fragile ThingsTitel: Fragile Things – Short Fiction and Wonders
dt.Titel: Zerbrechliche Dinge – Geschichten und Wunder
Autor: Neil Gaiman
Sprache: Englisch
Format: eBook
erschienen: 13. Oktober 2009
Länge der Printausgabe: 400 Seiten
 

Inhalt:

‚Fragile Things‘ ist eine Sammlung von (zumeist preisgekrönten) Kurzgeschichten von Neil Gaiman.

Zum Buch:

Oh je, wo fange ich da an? Neil Gaiman ist ziemlich verrückt, und seine Geschichten sind es nicht minder. Eine ganze Sammlung davon beschreiben zu wollen, grenzt ans Unmögliche. Geister, Menschenfresser, Aliens, Götter, Clowns, Sagengestalten, Bewohner paralleler Welten und Wirklichkeiten bevölkern seine Geschichten. Und brechen dabei immer wieder in unsere Realität hinein.

Manche dieser Figuren sind befremdlich. Fast alle irgendwie unheimlich. Gaiman erinnert mich in seiner düsteren Verspieltheit oft an einen weiteren Meister dieses Fachs: Ray Bradbury.
Eine harmlose Teenager-Party mutiert zum Stelldichein mit Außerirdischen. Ein angeheuerter Bodyguard sieht sich mit einem altenglischen Monster konfrontiert. Am Valentinstag hängt ein Clown ein Herz an die Tür der Angebeteten – und zwar sein eigenes. Unfassbar, was dieser Autor in seinem Kopf hat und auf uns loslässt!

Bei Gaiman schwingt immer Unheil im Faszinierenden mit. Düsternis, morbider Humor sind die Begleiter seiner vor Fantasie überschäumenden Geschichten. Die, so muss man zugeben, manchmal zu weit davonlaufen, vom Bizarren ins Absurde kippen. Immer mal habe ich das Gefühl, dass Gaiman zwar etwas sagen will, das aber so verwunschen und verworren tut, dass man ihm nicht hinterherkommt. Da geht es mit ihm durch.

Immer wieder kommt es aber auch zu magischen Momenten in seinen Texten. Der Zirkus zum Beispiel, in dem eine der Figuren verschwindet, verhext mich mit kindlich-ängstlicher Ehrfurcht. Der traurige Harlekin erobert mein Herz. Und dann gibt es auch noch ein Wiedersehen mit Shadow, dem Held aus Gaiman’s Romanen American Gods und Anansi Boys. Ganz atemlos lässt mich eine kleine Geschichte zurück, in der Gaiman flugs die Genres ‚Fantasy‘ und ‚Realismus‘ auf den Kopf stellt. Eine so simple Idee, so meisterhaft ausgeführt.

Sehr schön: Im Vorwort erzählt Gaiman zu jeder der Geschichten eine kleine Anekdote. Woher die Ideen kamen, warum er selbst sie mag (oder nicht), welche Auszeichnungen es dafür gab. Diese kurzen Hintergrundinfos helfen sehr, Licht ins Dunkel einiger dieser Erzählungen zu bringen, und machen auch noch Spaß.

Fazit:

Eine Kurzgeschichtensammlung, typisch für Neil Gaiman: düster, voller Phantasie und bizarrer Ideen. Echte Menschen und unheimliche Kreaturen geben sich die Hand. Gaiman’s Faible für Mythologie findet abermals ein Ventil. Nicht alles ist großartig. Manchmal ist das zu schräg, zu merkwürdig, liegt sprachlich irgendwie nicht da, wo man es haben will.

Letztlich ist es einfach wie bei allen Geschichtensammlungen: Einige gefallen einem, andere nicht, und die Gründe dafür sind reine Geschmackssache. Sicher ist nur eins: Wie bei allen Werken von Gaiman muss man sich auf etwas Besonderes gefasst machen. Er trifft damit nicht immer ins Schwarze und bei diesen Erzählungen auch manchmal daneben. Aber er trifft. Ich bin und bleibe verstört, verliebt und fasziniert.

Bewertung: 7 von 10

 

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