Rezension: The Infinite Sea (The 5th Wave #2) von Rick Yancey

Rick Yancey_The Infinite Sea_175Titel: The Infinite Sea (The 5th Wave #2)
Autor: Rick Yancey
Sprache: Amerikanisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Phoebe Strole, Ben Yanette
Anbieter: Penguin Audio
erschienen: 16.09.2014
Länge: 08 Std. 13 Min., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download erhältlich bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 24,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe (audible):

How do you rid the Earth of seven billion humans? Rid the humans of their humanity.

Surviving the first four waves was nearly impossible. Now Cassie Sullivan finds herself in a new world, a world in which the fundamental trust that binds us together is gone. As the 5th Wave rolls across the landscape, Cassie, Ben, and Ringer are forced to confront the Others‘ ultimate goal: the extermination of the human race.

Cassie and her friends haven’t seen the depths to which the Others will sink, nor have the Others seen the heights to which humanity will rise, in the ultimate battle between life and death, hope and despair, love and hate.

Zum Hörbuch:

Achtung: Spoiler für Buch 1, The 5th Wave!!!

“That’s the cost. That’s the price. Get ready, because when you crush the humanity out of humans, you’re left with humans with no humanity.
In other words, you get what you pay for, motherfucker.”

Rick Yancey, The Infinite Sea

Mir schwirrt der Kopf. Normalerweise sind zweite Teile einer Trilogie ja immer etwas lahm und unbefriedigend. Statt zu überraschen, führen sie die Geschichte einfach weiter, lassen echte Höhepunkte und Wow-Momente oft vermissen, bis hin zum üblichen Cliffhanger.

Nichts davon gilt für The Infinite Sea. Gleich zum Start gibt es eine grausige Szene, die durch die sachliche Erzählweise noch gruseliger wirkt. Gänsehaut. Und dann erzählt – nein, NICHT Cassie, die Hauptfigur aus Buch 1, sondern ein anderes, nicht weniger toughes Mädchen: die abgebrüht erscheinende Ringer. Tatsächlich wird ein großer Teil der Geschichte von ihr erzählt, doch wer sich jetzt darüber aufregt, sollte durchatmen. Ringer erweist sich im Vergleich zu Cassie als ebenbürtig, ihre Story is komplex und fesselnd, und mir persönlich ist ihre Charakterstärke und bissige Attitude sogar lieber als Cassie’s eher launisches Wesen.

Als die Erzählung zu einer männlichen Figur und zum entsprechenden Sprecher wechselt, gibt es eine erneute Überraschung: Hier berichten weder Evan noch Ben, sondern eine weitere Nebenfigur – der pummelige Poundcake. In einem unter die Haut gehenden Flashback erfahren wir, wie er zu seinem Namen kam und zum Kindersoldaten wurde. Wieder Gänsehaut.

Und was ist jetzt mit den eigentlichen Stars der Trilogie, mit Cassie und Evan? Keine Sorge. Auch die zwei bekommen ihr Stück vom Kuchen ab. Wir erfahren, was nach dem dramatischen Finale von Buch 1 mit Evan geschah (und lernen eine eiskalte neue Figur kennen), und Cassie darf ihren Hybriden auch wieder anschmachten. Die Zeit für kuschelige Gefühle ist allerdings knapp bemessen. Ganz im Stil von Hunger Games wartet The Infinite Sea mit schonungsloser Grausamkeit auf. Kämpfe, Explosionen, heimtückische Gewalt und Quälerei durch die ‚Others‘ sorgen dafür, dass ich dieses Hörbuch keinem Jugendlichen unter 15 auf die Ohren drücken würde. Es ist hart, spannend, erbarmungslos.

Die verschiedenen Handlungsstränge, die Blicke zurück und wechselnden Erzählperspektiven sorgen für Dauerspannung und Abwechslung. Bis auf eine etwas in die Länge gezogene Passage rund um Ringer und ihre Annäherung an eine neue männliche Figur hat man eigentlich kaum Zeit, auch nur zu blinzeln. Yancey macht das aber auch sehr geschickt: Wie unter dem Brennglas steckt man mit entweder Cassie oder Ringer in ihren teils klaustrophobischen Situationen fest und teilt die Verwirrung des fehlenden Überblicks, das Misstrauen, die Paranoia.

Unglaublich, dass Yancey es auch noch schafft, viel Witz und Teenie-Schnoddrigkeit in diese düstere Geschichte zu weben, gepaart mit einem Hauch Romantik. Die Dialoge sind teils zum Schießen, lakonisch-witzig, was durch Phoebe Strole’s quicklebendige Vortragsart noch mehr zum Vergnügen wird.

Tja, und dann kommt der Schluss. Die letzte Stunde wird zu einer einzigen WTF-Achterbahnfahrt. Ein heftiger Twist stellt alles Bisherige auf den Kopf. Und während man noch dasitzt und ‚Aber…aber…aber…‘ vor sich hinstammelt, bezahlen liebgewonnene Figuren mit dem Leben (oder doch nicht?). Es ist spannend, es ist komplex, es ist heftig. Zum Teil wird es auch etwas überbordend metaphorisch und forciert poetisch. Aber ist es auch logisch? Ich höre die letzte Stunde noch ein zweites Mal. Versuche, mir einen Reim auf alles zu machen. Es gelingt mir ansatzweise, aber nicht wirklich.

So fällt mir auch die abschließende Bewertung für The Infinite Sea schwer. Sollte es Rick Yancey gelingen, im nächsten Band alle Fäden zusammen zu führen und alle Fragen zu klären, dann wäre das der absolute Hammer. Sollte er Antworten aber ausweichen und auf schlüssige Logik verzichten, wäre es eine echte Enttäuschung.

Auf jeden Fall hat er eine ganz große Tür für ein mögliches Wahnsinnsfinale der Reihe aufgestoßen. Er muss nur noch konsequent hindurchgehen.

Zu den Sprechern:

Phoebe Strole hat ihre Sache in Buch 1 ja schon gut gemacht, aber sie steigert sich noch einmal. Von der schreckgelähmten Lethargie der Anfangsszene schaltet sie nahtlos zur militärisch-schnoddrigen Ringer um; von Cassie’s Evan-umwölktem Grübeln zu Grace’s hochnäsiger Eiseskälte. Den Jungs verleiht sie in Ben’s Fall viel muskulären Trotz, in Evan’s eine rauchige Attraktivität, die man als Frau erstmal hinkriegen muss. Dazu schafft es Strole auch mit über 30 noch, sehr authentisch wie ein Teenager zu klingen.

Im Vergleich schneidet Ben Yanette mit seiner eher eintönigen Sprechweise schlechter ab. Zwar passt das zur traumatisierten Lethargie einiger der Figuren, die er spricht, und verstärkt damit die Emotionen beim Hörer sogar. Aber Strole’s Variationen und Lebendigkeit sind so viel unterhaltsamer, dass ich froh bin, dass Yanette’s Anteil am Hörbuch relativ gering ist.

Fazit:

Eine überraschende, fesselnde Fortsetzung von The 5th Wave. Neue Erzählperspektiven weiten den Blickwinkel, Nebenfiguren treten – verdientermaßen – ins Rampenlicht. Der Spannungsbogen stimmt über fast die gesamte Länge. Und am Ende verpasst einem eine genickbrechende Wende Schnappatmung.

Es gibt kaum etwas zu kritisieren. Für ein Jugendbuch gibt es ein paar sehr grausame Ideen, aber das kennen wir ja schon aus Hunger Games. Ich empfehle Eltern, einfach mitzulesen und im Gespräch zu sein. An die englische Version werden sich vermutlich sowieso nur ältere Teenager rantrauen.

Ob Yancey mit der Reihe der ganz große Wurf gelingt, wird sich am Abschlussband entscheiden. Da darf er sich nicht aus den vielen offenen Fragen rauswinden, sondern muss glaubhaft zuende bringen, was er angefangen hat. Ich bin sehr gespannt.

Bewertung:

Hörbuch: 9 von 10 Punkten

Sprecher: Phoebe Strole – 10 von 10 Punkten

 Ben Yanette – 5 von 10 Punkten

 

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2 Gedanken zu “Rezension: The Infinite Sea (The 5th Wave #2) von Rick Yancey

  1. Janice's Bücherwelt (@Lesen_ist) 30. September 2014 / 20:07

    Hallo!

    Tolle Rezension die echt Lust macht!
    Ich möchte die Reihe unbedingt lesen, überhaupt seit du und Sebastian so begeistert seid, aber ich warte noch und lese sie einfach alle zusammen. Ich kann besser auf die komplette Reihe warten als auf den nächsten Band 😀

    Liebe Grüße, Janice

    • papercuts1 2. Oktober 2014 / 16:35

      Danke! Und ich kann dich verstehen: Yancey spannt uns ganz schön auf die Folter nach jedem Teil. Ich habe allerdings nicht die Disziplin wie du, zu warten, bis die ganze Reihe erschienen ist.

      Schönes langes Wochenende!

      LG,
      Ute

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