Rezension: ‚Zorn: Wie sie töten‘ von Stephan Ludwig (Zorn #4)

Stephan Ludwig_ Zorn Wie sie töten_300Titel: Zorn: Wie sie töten (Zorn #4)
Autor: Stephan Ludwig
Sprache: Deutsch
Format: Hörbuch
Anbieter: Argon Verlag
erschienen: 23.10.2014
Länge: 08 Std. 47 Min. (gekürzt)

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis €15,95). Eine Hörprobe gibt’s ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhaltsangabe:

In einer Winternacht stößt eine Frau einen wildfremden Mann vor die S-Bahn. Niemand beobachtet den Mord, die Polizei geht von Selbstmord aus. Auch Hauptkommissar Claudius Zorn schenkt dem Vorfall keine Beachtung. Er ist damit beschäftigt, seinen ehemaligen Kollegen Schröder zu überreden, wieder sein Partner zu werden.

Was jedoch weder Zorn noch Schröder ahnen: Die Mörderin ist ganz in ihrer Nähe. Sie glaubt in Zorn einen Seelenverwandten gefunden zu haben und sieht in jedem, der ihm nahesteht, einen Konkurrenten. Was für sie bedeutet: Sie kann ihre Lust am Töten weiter ausleben. Und hat eine Reihe neuer Opfer im Visier…

Zum Hörbuch:

Dieser 4. Teil der Reihe reflektiert in Sachen Spannungsaufbau ganz genau das Naturell des Phlegmatikers Claudius Zorn: Fast das halbe Hörbuch lang braucht es, bis Zorn überhaupt mitbekommt, dass eine Mordserie geschieht und überhaupt mal ANFÄNGT zu ermitteln. Als er das aber tut, kommt richtig Dampf in die Sache, und die Ereignisse überschlagen sich.

Im Gegensatz zu den anderen Teilen ist das hier auch kein Whodunit zum Mitraten. Fast von Anfang an kennen wir die Täterin, die munter direkt unter der Nase der Polizei vor sich hin mordet. Hier geht es also vielmehr darum, wann die Polizei (allen voran unser lieber Claudius Zorn) endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht und wie und ob die Täterin überführt wird.

Dass das so lange dauert, liegt natürlich an der Abwesenheit des eigentlichen Superpolizisten dieser Serie: Schröder hat den Dienst quittiert und einen Imbiss eröffnet (in dem außer Zorn aber nie jemand auftaucht). Ohne den kleinen, dicken, aber scharfsinnigen Schröder an seiner Seite kommt der Fall erst ins Rollen, als Zorn völlig unfreiwillig selbst mitten hinein gerät: Die Mörderin ist hinter ihm her. Und nicht nur hinter ihm…

So besteht die erste Hälfte der Geschichte aus gemächlichem Geplänkel und Gemenschel zwischen Zorn, Schröder, dessen Mutter und Zorns Freundin Malina – während zeitgleich ein paar eklige Morde passieren. Ganz glaubwürdig ist die Ignoranz der Polizei nicht (überhaupt ist uns doch allen schleierhaft, wie Zorn es zum Hauptkommissar schaffen konnte, oder?). Auch der Slapstick der ersten Teile ist stark zurückgefahren, und selbst wenn’s nicht langweilig ist, so fehlt doch erstmal der Pfeffer. Zumal die Geschichte sich diesmal auch von emotionalen Untiefen fernhält; weder erfahren wir etwas über die Motive der Täterin, noch schlagen sich Zorn und Schröder mit irgendwelchen Abgründen herum. Das heißt, Zorn sieht sich schon mit wichtigen Veränderungen in seinem Leben konfrontiert, aber das eher im positiven Sinne.

Und so denkt man, dass das alles ganz nett ist, aber auch nicht mehr – als ziemlich genau nach der Hälfte die Hölle losbricht. Es gibt Explosionen, Entführungen, Bluffs und Psychospielchen, und so ziemlich alle, an denen wir hängen, geraten in Gefahr. Es wird also persönlich. Was natürlich dazu führt, dass unser Claudius endlich auf Touren kommt und auch Schröder endlich wieder mitten im Geschehen steht. Dazu kommt am Schluss dann doch noch eine kleine Überraschung, sowie ein Ende, das zumindest für Zorn mit Ambivalenz aufwartet.

Zum Sprecher:

Die relative Ereignislosigkeit der 1. Hörbuchhälfte sowie der mangelnde Tiefgang sorgen diesmal dafür, dass sogar David Nathan erstmal etwas vor sich hinplätschert. Business as usual, so hat man das Gefühl. Der Stoff gibt zu Beginn einfach nicht so viel her in Sachen Gänsehaut, Humor oder Ernsthaftigkeit. Das ändert sich aber, und mit zunehmender Spannung kann auch Nathan seine berühmten Nuancierungen wieder effektvoll einsetzen. Das gelingt ihm besonders bei Schröder und dessen gewitztem Understatement. Sowie bei Zorn, wenn’s dem brummigen Kerl doch mal an die Gefühle geht. Klar, Nathan macht wie immer einen super Job. Aber es gibt Hörbücher, in denen kann er seine leise Intensität einfach noch besser ausspielen.

Fazit:

Der Fall an sich kommt spät in die Gänge, er kommt es aber. Es fehlen ihm Brillianz und Tiefe, und von Komplexität kann diesmal keine Rede sein. Die Lösung des Falls entsteht auch nicht durch Ermittlungsarbeit, sondern fällt Zorn ganz einfach vor die Füße. Aber es kommt doch noch Spannung auf, und unterhaltsam ist es auch. Das hat natürlich vor allem mit den Figuren zu tun, von denen diese Reihe lebt: Zorn und Schröder zelebrieren auch in Teil 4 ihre ulkig-wehmütige Männerfreundschaft, und es wird einem abwechselnd bange und warm ums Herz.

Für Freunde hoch intelligenter Krimis zum Mitknobeln ist das hier nichts. Der Thrill hält sich ebenfalls in Grenzen. Aber Ludwig schafft eine Variation der bisherigen Teile und entwickelt seine Figuren weiter. Mich erinnern seine Zorn & Schröder-Bücher an die guten alten Schimanski & Thanner-Tatorte: Ein solider Fall, aber eigentlich geht’s um das ungleiche Kumpel-Gespann, das ihn löst. Und auch wenn das hier im Vergleich zu den anderen Teilen eine relativ simpel gestrickte Sache ist, ist es immer noch gut genug für eine Fortsetzung.

PS: Leider ist auch diesmal das Hörbuch wieder gekürzt. Dafür gibt’s einen ganzen Punkt Abzug.

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten
Sprecher: 9 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Rezension: ‚Zorn: Wie sie töten‘ von Stephan Ludwig (Zorn #4)

  1. buechermonster 10. November 2014 / 19:47

    Ich hab ja immer noch den dritten Band vor mir und habe gerade ein bisschen geschockt gelesen dass Schröder nicht mehr mit von der Partie ist? Das Zusammenspiel der beiden ungleichen Typen war doch mit das interessanteste an diesen Krimis, irgendwie motiviert mich das jetzt nicht gerade das nächste Buch in absehbarer Zeit anzugehen…^^

    • papercuts1 10. November 2014 / 20:15

      Doch, doch! Schröder ist noch mit von der Partie – nur nicht mehr als Zorns Kollege! Er hat den Polizeidienst quittiert, kommt aber genauso viel in der Geschichte vor wie sonst auch. Hm. Das muss ich wohl etwas anders formulieren, wenn das missverständlich ist.

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