Rezension: The Book Of Strange New Things von Michel Faber

Michel Faber_The Book Of Strange New Things_175Titel: The Book Of Strange New Things
Autor: Michel Faber
Sprache: Britisches Englisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Josh Cohen
Anbieter: Canongate Books Ltd
erschienen: 06.10.2014
Länge: 19 Std. 27 Min.

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis €20,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt (audible):

Peter Leigh is a missionary called to go on the journey of a lifetime. Leaving behind his beloved wife, Bea, he boards a flight for a remote and unfamiliar land, a place where the locals are hungry for the teachings of the Bible – his ‚book of strange new things‘. It is a quest that will challenge Peter’s beliefs, his understanding of the limits of the human body and, most of all, his love for Bea.

Zum Hörbuch:

Das schon mal vorweg: Wer hier spannende SciFi erwartet, ist falsch. GAAANZ FALSCH. Und obwohl um Peter’s Frau Bea auf der Erde alles auseinanderfällt, ist das hier auch kein apokalyptischer Thriller. Wieder GAAANZ FALSCH.

Was das hier ist? Eine ruhige, meditative, seltsame Erzählung, in der es um den Glauben geht, um Nähe und Distanz, um Partnerschaft, Festhalten und Loslassen. Und um Erwartungen, die völlig an dem vorbei gehen, was eintritt.

Ich habe mich wirklich durchbeißen müssen durch diesen Roman des niederländisch verwurzelten Jetzt-Briten Michel Faber. Die ganze Geschichte driftet sehr allmählich, detailliert und in sich selbst verloren (so wie die Hauptfigur Peter) im schwerelosen Raum, lässt sich schwer irgendwo greifen. Peter selbst wird mit nur begrenzt sympathisch. Einerseits setzt er sich mit ganzem Herzen für die Oasians, die Ureinwohner des Planeten, ein. Andererseits lässt er seine Frau im Stich, die auf der Erde mit dem Zusammenbrechen von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft kämpft. Des öfteren möchte ich ihm den Kopf zurechtrücken, ihn anmeckern, er solle mal seine Prioritäten sortieren.

Andererseits ist da ein langsames Verstehen der Lücke, die sich zwischen Peter und Bea auftut. Sie sind tatsächlich komplette Welten voneinander entfernt, und während der eine seinen Traum als Missionar einer mehr als willigen Glaubensgemeinschaft lebt, ist die andere mit allzu weltlichen Problemen beschäftigt. Das berührt sich immer weniger, schließlich gar nicht mehr. (Wobei ich immer noch Peter die Schuld daran gebe).

Wer sich mit Glauben und Religion gerne auseinandersetzt, der wird Gefallen finden an Peter’s Arbeit mit den Oasians. Sehr genau und langsam wird die Annäherung geschildert, die sanfte, seltsam uniforme Gemeinschaft dieser Wesen ohne erkennbare Gesichter oder Geschlecht. Warum sie so begierig sind auf den fremden christlichen Glauben, wird erst am Schluss verständlich, wenn es um Sterblichkeit und Heilung geht.

Wer mit diesem ganzen religiösen Kram nicht kann, der wird sich hier tot langweilen und hat nichts von den kleinen, feinen Denkanstößen, die sich im Text verbergen und sich nicht oft zu Antworten öffnen.

Überhaußt ist es vielleicht das, was mich an The Book Of Strange New Things am meisten befremdet: Michel Faber gibt viele solcher Anstöße, wirft Fragen auf, deutet Bedeutungen an oder schildert auch einfach nur etwas, das eine Bedeutung haben könnte. Den Rest, die Schlussfolgerung, muss man sich selber denken. Vielfach frage ich mich: Was soll das? Was will der Autor mir sagen?

Schemenhaft. So kommt mir das alles vor. Liegt bestimmt auch daran, dass die von den Menschen behauste Station of Oasis so blass und charakterlos bleibt, geradezu klinisch. Der ganze Planet wirkt wie eine Tundra, ohne Details, karg und leer. Das einzige mit Kontur sind die Figuren, aber auch sie wirken wurzellos und haltlos – sind es auch, absichtlich, wie wir erfahren.

Letztendlich ist die einzige klare Botschaft, die ich für mich mitgenommen habe, diese: Es sind die Beziehungen zu anderen Wesen, die uns Halt geben. Aber nur, wenn wir uns auf sie einlassen und in der Lage sind, auch größte Distanzen – geografische, geistige, kulturelle, physische – zu überbrücken.

Zum Sprecher:

Auch bei Josh Cohen fällt mir die Bewertung schwer. Zum einen ist sein Erzählstil seltsam unpersönlich, sein Tonfall gleichbleibend, neugierig, aber ohne Aufs und Abs. Auch zwischen den Personen höre ich nur kleine Unterschiede.
Andererseits ziehe ich meinen Hut vor seiner Interpretation der Oasians: Sie haben keinen Mund, sprechen nur durch eine Falte in einem ‚Gesicht‘, das eigentlich keins ist, und das setzt Cohen in eine Sprechweise um, die genauso mühevoll und nuschelnd klingt wie jemand mit einer schweren Fehlbildung im Mundbereich – nur, dass man es tadellos versteht! Am Ende muss Cohen dann auch noch Oasian sprechen, eine Sprache ohne Vokale, mit kehligen Kratzlauten, als würde irgendwer Geröll zerhacken. Wie Cohen das hinbekommt, ist erstaunlich und gibt einen Extrapunkt!

Fazit:

Ein kurioses Buch, das alle noch so vorsichtigen Erwartungen umstößt. Es geht um ‚Außerirdische‘, aber es ist keine Science Fiction. Es geht um das Ende der Welt, aber es ist kein apokalyptischer Thriller. Es geht um Glauben, aber nicht nur auf der christlich-religiösen Ebene. Es geht um Beziehungen zwischen Wesen, über Grenzen und Entfernungen hinweg.
Es geht um ganz viel, aber sehr langsam, sehr subtil, oft nur beobachtend, scheinbar ohne eindeutige Aussagen. Einen Spannungsbogen gibt es eigentlich nicht (und das, obwohl die Welt untergeht!), dafür viele schemenhafte Andeutungen von Sinnhaftem – oder Sinnlosem?
Ich kann das nicht einordnen. Vielleicht könnt ihr es ja.

Bewertung:

Hörbuch: 5 von 10 Punkten
Sprecher: 8 von 10 Punkten

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