Rezension: ‚M: Ein Tabor Süden Roman‘ von Friedrich Ani

11Titel: M – Ein Tabor Süden Roman
Autor: Friedrich Ani
Sprache: Deutsch
Format: Hardcover
Verlag: Droemer-Knaur
erschienen: 1. Oktober 2013
Länge: 368 Seiten

Inhaltsangabe:

»Er war irgendwie anders in letzter Zeit.« Mit diesen Worten beauftragt die Redakteurin Mia Bischof die Detektei Liebergesell, nach ihrem vermissten Freund zu suchen. Süden und seine Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Sie sehen sich in ihrem unguten Gefühl bestätigt, als irritierende Hinweise im Arbeitsumfeld des Vermissten auftauchen. Er habe Kontakt zu Neonazis, heißt es. Doch Mia bestreitet das vehement. Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – bis seine Kollegen in höchste Gefahr geraten und er um ihr Leben fürchten muss.

Zum Buch

Ex-Polizist und Privatdetektiv Tabor Süden hatte die Ehre, mich durch den Jahreswechsel zu begleiten. ‚M‘ ist der neueste und 19. Band der Krimi-Reihe vom Münchner Autor Friedrich Ani, und für mich war es die erste Begegnung mit dem Detektiv. Mein Mann hatte mir das Buch geschenkt, und obwohl ich Serien normalerweise am Start beginne, kam es diesmal nicht in Frage. Für 18 Vorgänger-Bände müsste ich zu viel anderes Lesenswertes an die Seite legen.

Ich brauche ein bisschen, bis ich im Buch drin bin. Das liegt aber, glaube ich, nicht daran, dass ich die Vorgeschichten der Figuren nicht kenne. Ani charakterisiert sehr vorzüglich, und schnell hat man den Eindruck, die Angestellten der Detektei Liebergesell als Menschentypen gut einordnen zu können. Tabor Süden ist der Einzige, der etwas kryptisch bleibt, aber das gehört scheinbar mit zu dieser Figur.

Verwirrende Perspektivwechsel

Was mich beim Lesen immer wieder stört, sind die Perspektivwechsel, bei denen man meist einen ganzen Paragraphen braucht, um zu wissen, wer jetzt ’sie‘ oder ‚er‘ ist, um wen es also geht. Ich verstehe nicht, warum das so sein muss, warum Ani nicht direkt Namen benutzt. Ist für mich nur stilistische Spielerei und unnötig. Ärgert mich regelrecht.

Braunes Gesocks aus gutem Hause

Ansonsten ärgert mich allerdings wenig. Okay, es ist keine rasante Geschichte. Allmählich wühlt sich der langhaarige, lederbehoste Süden mit seiner Undurchdringlichkeit und seinen Fragezeichen-losen Fragen durch den Fall, mit wachsendem Entsetzen über den braunen Sumpf, in dem er dabei versinkt. Wer mal etwas lesen möchte über Neo-Nazis, die NICHT glatzköpfig und mit hohlen Sprüchen gröhlend schon aus 3km Entfernung zu erkennen sind, sondern über viel subtilere, ‚intelligentere‘ Rechtspopulisten, die NICHT aus einfachen sozialen Verhältnissen stammen, der kann hier mit mir Gänsehaut bekommen. Dass Menschen mit Bildung, liberalen Jobs und ‚gutem Hause‘ nationalsozialistisches Denken als Grundüberzeugung kultivieren, ist schon schockierend. Und dass man aufgrund ihres Status nicht an sie herankommt, und weil die Ermittlungsbehörden sich gegenseitig im Weg stehen oder sogar mit zu diesem Sumpf gehören, macht einen beklommen.

Parallel zu diesem Handlungsstrang packt ‚M‘ mit einer Kidnapping-Geschichte, die mir richtig an die Nieren geht. Mütter, die Kinder verlieren – das macht mich fertig und tut es auch hier. Weshalb mir Edith Liebergesell auch lange vor Tabor Süden ans Herz wächst. Ich leide mit ihr. Und trauere mit der Detektei um eine rasch liebgewonnene Figur, die auf der Strecke bleibt. Wenn mich das schon so mitnimmt, wie geht das erst langjährigen Fans?

Cooler Typ, aber nicht meiner

Süden selbst bleibt mir ein wenig fremd. Ich verstehe seine Kombination aus Unberührbarkeit und plötzlich tiefen Emotionen nicht immer. Da sehe ich manchmal keine Kongruenz, keine Übergänge. Er wird mir im Laufe der Geschichte zwar sympathischer, aber dieser wortkarge Typ ist für mich nicht richtig einsortierbar. Er ist interessant, ohne Frage, und ich schlage mich auf seine Seite. Aber als Mensch ist er mir zu wenig greifbar.

Weshalb das wohl auch mein einziger Ausflug in die Tabor Süden Reihe bleiben wird. Und ihr versteht das bitte richtig: Ein gutes Buch, und eine Hauptfigur mit Markanz. Aber die Chemie stimmt zwischen uns nicht. Ich bin mir sicher, er wird auch ohne mich erfolgreich weiter ermitteln.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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