Rezension: ‚The Deep‘ von Nick Cutter

The Deep Nick Cutter Corey BrillTitel: The Deep
Autor: Nick Cutter
Sprache: Amerikanisches Englisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Corey Brill
Anbieter: Simon & Schuster Audio
erschienen: 13.01.2015
Länge: 12 Std. 30 Min.

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 20,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt (audible):

A strange plague called the „Gets“ is decimating humanity on a global scale. It causes people to forget – small things at first, like where they left their keys… then the not-so-small things like how to drive, or the letters of the alphabet. Then their bodies forget how to function involuntarily – and there is no cure. But now, far below the surface of the Pacific Ocean, deep in the Marianas Trench, an heretofore unknown substance hailed as „ambrosia“ has been discovered – a universal healer, from initial reports. It may just be the key to a universal cure. In order to study this phenomenon, a special research lab, the Trieste, has been built eight miles under the sea’s surface. But now the station is incommunicado, and it’s up to a brave few to descend through the lightless fathoms in hopes of unraveling the mysteries lurking at those crushing depths – and perhaps to encounter an evil blacker than anything one could possibly imagine.

Zum Hörbuch:

Wohlig weggeekelt hatte ich mich ja schon letztes Jahr, bei Nick Cutter’s THE TROOP. Ich weiß also, was mich erwartet, als ich mit THE DEEP beginne, das als Mischung von ‚The Abyss‘ und Stephen King’s SHINING angepriesen wird. Ich weiß, hier gibt es keinen angedeuteten, subtilen Horror, der vor allem in meiner Fantasie entsteht; hier gibt es handfeste Ekelwesen, vermutlich schauderhaftes Getier und plastisches, detailliert beschriebenes Grauen.

Ich habe Recht.

Erst medizinischer Endzeit-Thriller…

Allerdings noch nicht zu Beginn. THE DEEP unterscheidet sich zunächst erstaunlich von seinem Vorgänger. Es kommt erstmal als Endzeit-Roman daher, denn die Menschheit wird zu einem wachsenden Anteil von einer Erkrankung dezimiert, die sich ‚The Gets‘ nennt und sich im Prinzip als eine Kombination aus Aussatz und Alzheimer manifestiert: Nach einem merkwürdigen Ausschlag vergessen die Betroffenen alles – am Ende sogar, wie man schluckt und atmet.

Verzweifelt wird nach einem Heilmittel gesucht. Und jetzt schwingt die Geschichte schnell in den Thriller-Modus um (zu schnell, denn ich hätte gerne noch mehr über ‚The Gets‘ erfahren): In einem Labor im Marianengraben, der tiefsten Stelle des Meeres, erforscht ein Team von Ärzten eine möglicherweise heilbringende Substanz. Doch der Kontakt ist abgerissen, und mit einem der Ärzte ist… nun ja… das werdet ihr selbst sehen *schluck*. Auftritt Luke Nelson, Tierarzt, dessen genialer aber gefühlskalter Bruder Clayton einer der Mediziner im Tiefseelabor ‚Trieste‘ ist. Luke wird mit einer toughen (und mir sehr sympathischen) Navy-Taucherin hinabgeschickt, um herauszufinden, was da los ist.

…dann blanker Horror

DA IST DIE HÖLLE LOS, LEUTE! Es hat sich bereits in der Vorgeschichte um Luke und seinen Bruder angedeutet, doch jetzt gibt es kein Entrinnen mehr: es wird unheimlich, eklig, es spritzt Blut, es kreucht und fleucht und wabert. Alpträume werden lebendig, Menschen drehen durch, Dinge geschehen, die einem die Haare zu Berge stehen und das Frühstück hochkommen lassen. Heidewitzka.

Während ich zu Beginn noch begeistert bin, und mir vor allem die in Flashbacks erzählte Geschichte von Luke’s Familie das Herz aus dem Leib reisst, verrinnt meine Begeisterung proportional zum ansteigenden Horror. Was da passiert, ist einfach der totale Overkill. Cutter wirft alles an Horror-Elementen in die Trieste, was man sich vorstellen kann. Dazu wird die Geschichte immer verworrener. Man weiß nicht mehr, was real ist und was nicht. Um das WAS geht es kaum noch, sondern nur noch um das WIE.

Das ist mir alles zu viel. Weniger wäre mehr gewesen. Ich finde das schade, denn Cutter hat so gut und komplex angefangen, mit abwechslungsreicher Erzählstruktur, interessanten Typen, medizinischer Neugierde, einer tollen Hintergrundgeschichte und einem klaustrophobischen Setting. Dass sich das am Ende alles in grausige blutige Bröckchen auflöst, enttäuscht mich.

Man muss natürlich sagen, dass das Geschmackssache ist. Das lässt sich mit Kinofilmen vergleichen: Ich stehe auf rätselhaften Grusel wie ‚The Others‘ oder ‚Sixth Sense‘. Andere mögen eben Splatterfilme mit literweise Blut und grässlichen Monstern. Für Letztere ist THE DEEP genau das Richtige.

Zum Sprecher:

Corey Brill hat eine recht tiefe Stimme, mit der er die unheimliche Atmosphäre der Geschichte noch verstärkt. Er passt auch gut zu Luke, dem bodenständigen Veterinär mit der gebrochenen Seele. Als das Grauen eskaliert, kann Brill gut mithalten. Seine manchmal distanziert wirkende Vortragsart unterstreicht die Unfassbarkeit der Vorgänge sogar. Abstriche muss man bei der Stimmendifferenzierung machen: Während er deutlich zwischen männlichen und weiblichen Figuren unterscheidet, hören sich die Männer selbst alle irgendwie ähnlich an. Angesichts der erstaunlichen stimmlichen Verrenkungen, die Brill am Schluss mühelos macht, hätte man da mehr von ihm erwarten können.

Fazit:

Was anfängt wie ein apokalyptischer Medizin-Thriller, endet in blutig-ekligem Horror-Overkill. Die Geschichte startet so interessant, mit klasse Hauptfiguren, spannender Struktur und effektvoll eingestreuten Horrorelementen, dass das grausige Spektakel am Ende ironischerweise etwas flach daherkommt. Dass Nick Cutter tollen Horror schreiben kann, beweist er in der ersten Hälfte des Buches. In der zweiten geht es dann mit ihm durch. Weniger dick aufgetragen wäre mehr gewesen.

Wer es heftig, eklig, blutig mag, ist hier genau richtig. Wer subtilen Horror und mehr Tiefgang sucht, sollte etwas anderes lesen. Ich werde Cutter trotz meiner Kritik im Auge behalten. Da ist noch mehr drin!

Eine ernstgemeinte Warnung: Nichts für zarte Gemüter, vor allem für solche mit Angst vor Insekten und einer Abneigung gegen Tierversuche!

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten
Sprecher: 7 von 10 Punkten

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