Rezension: ‚Trigger Warning – Short Fictions and Disturbances‘ von Neil Gaiman

Neil Gaiman_Trigger Warning_175Titel: ‚Trigger Warning – Short Fictions and Disturbances
Autor: Neil Gaiman
Sprache: Englisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Neil Gaiman
Anbieter: Harper Audio
erschienen: 11.02.2015
Länge: 11 Std. 01 Min.

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € ). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von Audible.

Inhalt (audible):

Neil Gaiman returns to dazzle, captivate, haunt, and entertain with this third collection of short fiction following Smoke and Mirrors and Fragile Things–which includes a never-before-published American Gods story, „Black Dog“, written exclusively for this volume.

In this new anthology, Neil Gaiman pierces the veil of reality to reveal the enigmatic, shadowy world that lies beneath. Trigger Warning includes previously published pieces of short fiction–stories, verse, and a very special Doctor Who story that was written for the fiftieth anniversary of the beloved series in 2013–as well as „Black Dog“, a new tale that revisits the world of American Gods, exclusive to this collection.

„There are things that wait for us, patiently, in the dark corridors of our lives. We think we have moved on, put them out of mind, left them to desiccate and shrivel and blow away; but we are wrong. They have been waiting there in the darkness, working out, practicing their most vicious blows, their sharp hard thoughtless punches into the gut, killing time until we came back that way.”

― Neil Gaiman, Trigger Warning: Short Fictions and Disturbances

Zum Hörbuch:

Verzückt stürze ich mich auf die neue Kurzgeschichtensammlung meines derzeitigen Lieblingsautor. Er liest selbst vor, also ist die Hörversion ein MUSS.

Alte Bekannte…

Es passiert, was mir eigentlich immer passiert, wenn Neil seine schrägen, düsteren, kecken, seltsam-wundrigen Geschichten über mich ergießt: Bei einigen – besonders denen in Gedichtform – bleibe ich außen vor, komme nicht dran, schüttele den Kopf. Schüttele sie ab, um etwas jede zweite Geschichte dafür beglückt in die Arme zu schließen. Ein paar alte Bekannte sind auch dabei: Das Wander-Abenteuer-Rache-Märchen THE TRUTH IS A CAVE IN THE BLACK MOUNTAINS hatte ich bereits gehört und rezensiert. Die kleine, gemeine Halloween-Geschichte CLICK CLACK THE RATTLEBAG gab’s mal an – klar – Halloween umsonst. Von der Dornröschen-Neuauflage THE SLEEPER AND THE SPINDLE, in der nicht ein Prinz, sondern eine Prinzessin die Schlafende wachküsst (die dann ganz neue Seiten zeigt) hatte ich schon so viel im Netz gelesen, dass sie mir vertraut erscheint.

…und neue Lieblinge

Ganz und ganz wundervoll sind für mich diese Entdeckungen: ORANGE birgt neben der originellen Formular-Struktur viel lauthals lachenden Humor (und vergällt auch dem letzten den Besuch im Sonnenstudio). Die kurzen CALENDAR TALES sind deliziöse Häppchen in allen Farben der Jahreszeiten. ADVENTURE STORY überrascht und lässt mich die ‚Abenteuerberichte‘ meiner eigenen Mutter in einem anderen Licht sehen. JERUSALEM kritisiert auf feinsinngste Art und Weise das gelobte Land.

Gefühlvolle Hommage an ein Vorbild

Auf die emotionalen Knie zwingt mich dann THE MAN WHO FORGOT RAY BRADBURY. Der 2012 verstorbene Schriftsteller Ray Bradbury ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Seine Kurzgeschichten und sein Roman ‚Dandelion Wine‘ sitzen tief und fest und für immer in meinem Herzen, schon seit ich ein Teenager war. Es gibt für jeden Leser Autoren, die genau die Dinge in Worte fassen, für die man selbst keine findet. So einer war Ray Bradbury für mich, und dass er es auch für Neil Gaiman war, haut mich um. Diese Hommage von Neil an Ray ist voller Achtung, Wehmut, Anerkennung und Trauer. Trifft da, wo es am schönsten ist und am meisten weh tut.

‚American Gods‘ lässt grüßen

BLACK DOG dagegen rauscht völlig an mir vorbei. Hochgelobt von anderen, ist diese einzige komplett neue Geschichte in der Anthologie genauso wenig mein Ding wie der Roman AMERICAN GODS, an den sie anknüpft und für Fans ein Wiedersehen mit Hauptfigur Shadow bedeutet. Eigentlich komisch, dass gerade dieser Bestseller von Gaiman mich nicht berührt, aber inzwischen stört mich das nicht mehr.

Gaiman hat so unendlich viele Facetten. Seine Welt reicht von der Realität über Träume, Märchen und Folklore bis hin zur Mythologie. Wenn – wie in dieser Sammlung – da immer wieder eine Geschichte dabei ist, die nicht meins ist, dann ist sie aber garantiert genau das Richtige für jemand anderen. Was natürlich auch daran liegt, dass viele der Geschichten einem anderen Autoren (z.B. H.P.Lovecraft oder Sir Arthur Conan Doyle) Respekt zollen. Wenn man da die Querverweise und Insider-Gags nicht kennt, bleibt man eben außen vor. Aber das ist gar nicht schlimm, denn ich weiß: die nächste oder übernächste Story ist mir dann wieder ganz nah.

Das Vorwort: Ein Muss!

Ach, und hier gibt es den seltenen Fall, dass man das sehr ausführliche Vorwort auf keinen Fall überspringen sollte! Darin erklärt Gaiman zu jeder einzelnen Geschichte, woraus und wofür sie entstanden ist. Und er erzählt etwas über ‚trigger warnings‘. Etliche druckreife Zitate sind dabei, aber vor allem ein Gedanke ist mir im Kopf geblieben: Die einzige Warnung, die laut Gaiman auf einem Buch aufgedruckt sein sollte, ist diese: ENTER AT YOUR OWN RISK. Recht hat er.

Zum Sprecher:

Ein Buch von Neil Gaiman liest am besten Neil Gaiman. Daraus sollte man ein Gesetz machen. Nicht nur ist er ein großartiger Sprecher, mit ruhiger, pointierter Betonung, viel Sprachrhyhtmus und einer großen Wärme, die jederzeit einen gefährlichen Unterton bekommen kann. Er kennt natürlich auch sein Werk am besten und weiß am allerbesten, wie man Zuhörer damit verführt. Ein Genuss.

Fazit:

Neil Gaiman’s dritte Anthologie voller Kurzgeschichten und Freiform-Gedichte, die die ganze Breite und Tiefe seines Kosmos präsentieren. Dazu ein Vorwort, dass mindestens ebenso spannend ist. Bizarr, düster, komisch, fantasievoll, wärmend und originell – für jeden ist etwas dabei, wenn man bereit ist, die Grenzen der Realität in alle Richtungen ein bisschen zu überschreiten, ohne sie aus den Augen zu verlieren.

Für mich gleichwertig mit SMOKE AND MIRRORS, der ersten und bisher besten Sammlung, und von Neil Gaiman höchstpersönlich ebenso leichtfüßig wie intensiv vorgetragen.

Bewertung:

Hörbuch: 9 von 10
Sprecher: 10 von 10

Advertisements

3 Gedanken zu “Rezension: ‚Trigger Warning – Short Fictions and Disturbances‘ von Neil Gaiman

  1. freiraum01 27. August 2016 / 21:35

    Kenne bislang nur ein Boom von Gaiman: america gods. Bin zwar erst in den ersten Kapiteln, dafür sofort Feuer gefangen. Lese und höre abwechselnd beide auf Englisch und finde gerade diesen Roman ultrageil! Guck mir gern danach aber auch Trigger Warnung an. Gruß Frank

    • papercuts1 4. September 2016 / 10:08

      American Gods ist für viele ja DAS Gaiman Buch. Ich muss es vielleicht einfach nochmal lesen. Ist ja auch schon etwas her, das sehe ich jetzt vllt mit anderen Augen.
      Trigger Warning kann ich dir nur wärmstens empfehlen! Tolle Mischung.
      Gruß,
      Ute

      • freiraum01 4. September 2016 / 11:33

        Jau! Bin gespannt auf den nächsten Betrag von dir! Und: PS Denk vllt nochmal über meinen Vorschlag, den ich dir per mail gesendet habe nach! Würde so gerne auch audios tauschen, einfach, weil oft die pure Zeit zum Lesen fehlt und gerade bei American Gods finde ich den Erzähler überaus gelungen! Habe auch die Good Omens von der BBC als Hörspiel da! Einfach klasse!! Melde dich gerne, Gruß F..

Verfass' einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s