Rezension: ‚Gotteslüge‘ von Kathrin Lange

Titel: Gotteslüge
Serie: Faris Iskander #2
Autorin: Kathrin Lange
Sprache: Deutsch
Format: Taschenbuch
Verlag: Blanvalet
Erscheinungsdatum: 16. März 2015
Länge: 416 Seiten

Inhaltsangabe (Blanvalet):

Was anfangs wie eine Geiselnahme aussieht, entpuppt sich für Faris Iskander als ein Fall mit ungeahnt persönlicher Dimension: Ein mit einem Sprengstoffgürtel bewaffneter Mann überbringt Faris eine Botschaft. Sie lautet: »Das nächste Mal wirst du auf den Auslöser drücken.« Faris kann sein eigenes Leben retten, als die Bombe explodiert. Doch er ahnt, dass ein alter Feind einen teuflischen Plan für ihn ersonnen hat. Und der schreckt weder vor Entführung zurück noch vor kaltblütigem Mord. Denn schließlich will er Zeuge werden, wie Faris selbst zum Attentäter wird.

Zum Buch:

Holla, das fängt bombig an: Mit einem Schnappschuss von Spezialagent Faris Iskander, eine Sprengstoffweste umgeschnallt, die er jeden Augenblick zünden wird. Wird er tatsächlich?

Dann springt die Geschichte zurück an den Anfang, wo alles beginnt. Und auch das ist kein gemächlicher Einstieg. Faris, Ermittler einer Spezialeinheit gegen religiös motivierte Verbrechen in Berlin, hat einen Tag, wie ihn sonst nur Kollege Jack Bauer aus ’24‘ erlebt. Geiseln werden genommen, Sprengsätze gehen hoch, Morde geschehen, und pausenlos steht Faris mittendrin. Oder vielmehr: rennt mittendrin. Die Geschichte lässt nicht viel Raum zum Atmen, weder der Hauptfigur noch dem Leser. Mit Stehaufmännchen Faris hetzt man von einem Brennpunkt zum anderen. Gut so! Das Spannungsniveau ist hoch und bleibt es durch das ganze Buch hindurch.

Nix mit Vorgeplänkel

Okay, dafür muss man einen gewissen Preis bezahlen. Eine wirkliche Einführung in diesen zweiten Teil der Reihe gibt es nicht. Die Vorgeschichte stückelt man sich während der Jagd auf den Bösewicht zusammen. Das geht, auch wenn man sich wünscht, nochmal kurz einen Steckbrief unseres tapferen Agenten/Polizisten zu bekommen. Ich, die ich Teil 1 nicht kenne, rätsele zum Beispiel immer noch, aus welchem Land er ursprünglich stammt. Aus dem arabischen Raum, klar, aber woher genau?

Man kommt allerdings auch so ganz gut mit, denn als zweites muss man Abstriche bei der Tiefe der Geschichte machen. Emotional ist schon alles drin von Schock, Schuld, Wut bis Angst und Trauer. Allerdings fehlt für tiefschürfendere Introspektion und Charakterisierung über Jack Bauer-Niveau hinaus ganz einfach die Zeit. Würde das schön hohe Tempo auch unterbrechen, und so nimmt man das zugunsten des Nervenkitzels in Kauf.

Schnell und einfach

Sprachlich hat das alles nichts mit dem Nobelpreis zu tun. Lange schreibt ohne Rüschen, zackig, ohne jedes Gewese. Tatsächlich scheinen viele Sätze aus dem ‚Wie-schreibe-ich-einen-Thriller‘-Handbuch zu stammen und klingen schon mal formelhaft. In meinem Leseexemplar gibt es einige Wiederholungen, die das Endlektorat hoffentlich gefunden hat. Ich fange beim Lesen schon an, eine Strichliste zu machen, wie oft irgendwem ‚die Worte von den Lippen gerissen‘ werden.

Am Schluss wird die an sich sehr stringente und wirklich spannende Geschichte etwas wuschig. Kathrin Lange versucht, eine Wendung zu viel unterzubringen, und die Logik wird holperig.

So richtig zum Verschlingen

Schlimm ist das aber trotzdem nicht. Und zwar, weil Lange ordenlich Gas gibt mit ihrer Geschichte. Weil Faris ein Kerl ist, der das Herz am rechten Fleck und die Knarre in der fähigen Hand hat. Weil er Menschen verliert, die er liebt, und weil man ihn am liebsten auf den Schoß ziehen und ein bisschen im Arm wiegen möchte. Weil Faris selbst aber – blutend und tapfer – den Hintern zusammenkneift und sich einfach nicht unterkriegen lässt. Dafür belohnt Lange ihn (und uns) mit etwas Trost, Heftpflastern und einer aufkeimenden Liebelei.

Dann ist da natürlich noch das brandaktuelle Rahmenthema: Verbrechen, die aufgrund ethnischer Zugehörigkeit und religiösem Fanatismus begangen werden. Faris als muslimischer, deutscher Polizist arabischen Ursprungs, inklusive kleiner rassistischer Seitenhiebe auf ihn. Auch wenn das nicht über ein grobes Hintergrundbild hinausgeht, so sorgt es doch für tagesaktuelle Würze.

Bestens geeignet, um es an einem freien Tag an einem Stück zu verschlingen.

Fazit:

Unterm Strich ist ‚Gotteslüge‘ also kein anspruchsvoller Polit-Thriller. Oh nein. Dafür aber ein mit Cliffhangern durchsetzer Action-Cop-Roman mit durchweg sympathischer Hauptfigur. Ein Buch, das man sich süchtelnd reinzieht wie eine Tüte Lieblingschips. Aus der Hand legen kann man das kaum. Deutsche Thriller sind in der letzten Zeit ja entweder verkopft oder sensationsheischend. Dieser hier hält sich stattdessen an die Hauptsache: krachende Spannung und echte Rasanz. Wen interessieren da noch Schönheitsfehler?

Ich buche den guten Faris dann jetzt schon mal für Teil 3.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Weitere Infos:

Zur Homepage von Kathrin Lange geht’s hier: http://www.kathrin-lange.de/

Zum ersten Teil der Faris Iskander-Reihe, 40 Stunden, geht es HIER.

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar!

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