Rezension: ‚Der Fünf-Minuten-Killer‘ von Paul Cleave

Paul Cleave Der Fünf-Minute-KillerTitel: Der Fünf-Minuten-Killer
Originaltitel: Five Minutes Alone
Autor: Paul Cleave
Sprache: Deutsch (Originalsprache: Englisch)
Format: Hörbuch
Anbieter: Random House Audio Deutschland
erschienen: 11.04.2015
Länge:13 Std. 20 Min., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download erhältlich bei audible.de, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 24,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt:

Für jeden Detective ist es ein Albtraum: Die Begegnung mit den Angehörigen von Mordopfern, die tief erschüttert nur noch einen Wunsch haben. Fünf Minuten alleine mit dem Täter, fünf Minuten, um sich zu rächen. Der Polizist Theo Tate kann ein Lied davon singen, denn seine Heimatstadt Christchurch ist in den letzten Jahren von mehreren brutalen Verbrechensserien heimgesucht worden. Und jetzt ist es wieder soweit.

Ein perfider Mörder terrorisiert die Stadt. Er wird bekannt als der Fünf-Minuten-Killer, denn er gibt den Hinterbliebenen von Gewaltopfern eben jene fünf Minuten der Rache: Ob sie wollen oder nicht…

Zum Hörbuch:

Endlich geht es zurück nach Christchurch! Nachdem uns Paul Cleave in OPFERZEIT mit einem fiesen Cliffhanger zurückgelassen hatte, erfahren wir endlich, wie es dem dynamischen Duo dieser Thriller-Serie ergangen ist, Theo Tate und Carl Schroder. Die tragen nach ihren jeweiligen Scharmützeln mit dem Schicksal und verschiedenen Bösewichtern den Spitznamen ‚Koma Cops‘. Warum? Für Einzelheiten müsst ihr die Vorgängerbände konsultieren.

Eine Chance auf Vergeltung?

Jedenfalls sind beide mit von der Partie in diesem Thriller zum Thema ‚Selbstjustiz‘. Der Klappentext verrät es: Jemand führt die Täter ihrer gerechten Strafe zu, indem er den Opfern die gewünschten ‚fünf Minuten allein‘ mit ihren Peinigern gewährt. Wie das vonstatten geht, wie das mit der Gerechtigkeit und der Rache genau ist, kann und will ich wegen Spoiler-Gefahr weiter nicht ausführen. Cleave jedenfalls durchstreift die offensichtliche Grauzone des Themas, schlägt sich allerdings mit zunehmender Deutlichkeit auf eine bestimmte Seite.

Um Selbstjustiz ging es schon mal in einem von Cleave’s Büchern, in DAS HAUS DES TODES. In DER FÜNF-MINUTEN-KILLER allerdings gibt der Autor der Story einen neuen Spin: Sehr schnell wissen wir, wer der Killer ist, und es macht die Sache spannend, dass diese Figur schon vorher im Christchurch Universum aufgetaucht ist. Sogar die Cops erfahren bereits auf halber Strecke, wer der ‚Racheengel‘ ist. Das sorgt auf der einen Seite für ein sehr persönliches Katz-und-Maus Spiel, bei dem die Emotionen hoch schlagen und den Leser in Gewissenskonflikte stürzen.

Der Zufall eilt zur Hilfe

Zum anderen nimmt es aber auch ein bisschen die Spannung raus. Zumal schon zeitig klar ist, worauf die Sache hinauslaufen wird – und es dann auch tatsächlich tut. Paul Cleave bemüht am Ende einen sehr gelegen kommenden Zufall, um sich nicht nur aus einer Entscheidung heraus zu lavirieren, sondern auch, um genau zum passenden Zeitpunkt das passieren zu lassen, was von Beginn an im Raum stand. Das tut dem Showdown in emotionaler Hinsicht keinen Abbruch – zu diesem Zeitpunkt leiden wir derartig mit den Figuren mit, dass es weh tut, ganz egal wie es ausgeht. Es ist einfach nur etwas zu konstruiert.

Gewohnt starke Typen

Trotzdem: Die Geschichte ist über weite Strecken gnadenlos abgebrühte Unterhaltung. Cleave streut in den kriminellen Dreck von Christchurch die passenden menschlichen Momente, um den Leser nicht abstumpfen zu lassen. Besonders der Nebenstrang um Theo’s Frau berührt und öffnet Türen für eine Fortsetzung. Unsere beiden Cops, Tate und Schroder, tragen noch mehr Gepäck mit sich herum, und man begleitet sie gerne auf ihrem oft aussichtslos erscheinenden Weg. In Christchurch gibt es keine wirklichen Gewinner, aber das sind wir ja gewöhnt, und wir mögen es so.

Typisch cool, typisch Cleave

Stilistisch bleibt Cleave sich ebenfalls treu und rotzt einem brutale Szenen kaltschnäuzig vor die Füße, dass es eine Freude ist. Das kann er, auch diesmal. Dass der Spannungsbogen nicht ganz so hoch sirrt, mag am Konstrukt des Plots und der relativen Vorhersehbarkeit liegen. Und vielleicht daran, dass die Ermittler Schroder und Tate sich in vielem sehr ähnlich sind und man Acht geben muss, um wen es gerade geht.

Zum Sprecher:

Das liegt natürlich auch am Sprecher. Ohne Martin Keßler’s knochentrockenen Erzählton kann ich mir kein Paul Cleave Hörbuch mehr vorstellen. Der lakonische Plauderton, in dem Keßler die brutalsten Szenen schildert, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, macht viel vom unterkühlten ‚Charme‘ dieser Thriller aus. Allerdings ist Keßler ein Sprecher, der wenig Variation in der Stimme hat. Für männliche Figuren hat er genau eine Stimme, und für weibliche genau eine andere. Das hört sich cool an, und die Frauenstimmen sind glaubhaft, aber man muss schon gehörig aufpassen, wer gerade spricht. Das Verwechslungspotenzial ist hoch. Was, wenn zwei so ähnliche Typen wie Tate und Schroder zusammen vorkommen, manchmal schwierig ist.

Fazit:

Noch ein kaltschnäuziger Thriller von Paul Cleave zum Thema ‚Selbstjustiz‘. Diesmal ohne den durchgeknallten Joe, dafür mit beiden Christchurch-Cops in derselben Geschichte: Theodore Tate und Carl Schroder. Und mit einem alten Bekannten als Killer. Die Emotionen schlagen hoch, die Sorge um mehrere Figuren ist bedrückend. Der Plot ist – bis auf eine eher nervende Ermittlung in der Ermittlung – eiskalt unterhaltsam. Der Schluss allerdings ist vorhersehbar, und ein arg konstruierter Zufall nimmt dem Showdown etwas die Würze. Und bewahrt Paul Cleave davor, eine endgültige Entscheidung zu treffen, die ich gerne gesehen hätte.

Bewertung:

Hörbuch: 7 von 10 Punkten
Sprecher: 8 von 10 Punkten

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