Rezension: ‚A Spool of Blue Thread‘ von Anne Tyler

Anne Tyler_A Spool Of Blue Thread_175Titel: ‚A Spool of Blue Thread
(auf Deutsch erschienen unter ‚Der leuchtend blaue Faden‘)
Autor: Anne Tyler
Sprache: Amerikanisch
Format: Hörbuch
Sprecherin: Kimberly Farr
Anbieter: Random House Audio
erschienen: 10.02.2015
Länge: 13 Std. 23 Min., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 30,95) Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von Audible.

Inhalt

„It was a beautiful, breezy, yellow-and-green afternoon…“ This is how Abby Whitshank always begins the story of how she fell in love with Red that day in July 1959. The Whitshanks are one of those families that radiate togetherness: an indefinable, enviable kind of specialness. But they are also like all families, in that the stories they tell themselves reveal only part of the picture.
Abby and Red and their four grown children have accumulated not only tender moments, laughter, and celebrations, but also jealousies, disappointments, and carefully guarded secrets. From Red’s father and mother, newly arrived in Baltimore in the 1920s, to Abby and Red’s grandchildren carrying the family legacy boisterously into the 21st century, here are four generations of Whitshanks, their lives unfolding in and around the sprawling, lovingly worn Baltimore house that has always been their anchor.

Zum Hörbuch:

Anne Tyler ist eine Institution in Sachen kontemplative Figurenromane. Zugleich nah dran und mit weltklugem Fernblick legt sie ihrem Publikum erinnerungswürdige Charaktere ans Herz und oft auch – wie hier – mehrere Generationen einer Familie.

Sympathisches Familienensemble

Schnell wird man warm mit Abby und Red, die wir an einem Punkt kennenlernen, als ihre Kinder schon erwachsen und aus dem Haus sind. Zumindest vorübergehend, bis Turbulenzen den ein oder anderen wieder zurück ins Elternhaus treiben. Unter ihren Kindern gibt es die typischen Ingredienzien einer Familie mit mehr als zwei Sprößlingen: Da gibt es die starke Amanda, den zuverlässigen Stem, das ’schwarze Schaf‘ Denny und die unauffällige Sandwich-Schwester Jeannie. Im Verlauf der Geschichte kommen diverse Enkel hinzu, und irgendwann schwingt die nicht linear verlaufende Geschichte in die Vergangenheit zurück, zu Red’s eigenen Eltern.

Der Tyler’sche Blick aufs Familiengeflecht

Anlass und grober Angelpunkt für diese Generationengeschichte ist das allmähliche Gebrechlichwerden von Abby und Red. Darum herum rankt Tyler das, was sie am besten kann: Das Beobachten, Beschreiben und auf den Punkt bringen des komplexen Kosmos Familie. Über weite Strecken reicht das auch, um mit Freude bei der Sache zu bleiben, sich wiederzufinden in den Auf und Abs, in den Sorgen, Konflikten und Glücksmomenten der Whitshanks.

Eine Generation zu viel

Leider beginnt der Roman zu schwächeln, als es zurück in die Vergangenheit geht. Junior und Linnie’s Liebesgeschichte hat eine Einseitigkeit, die ein paar Fragezeichen zurücklässt. Beide Figuren finden sich in Red und Abby sehr stark wieder. Obwohl es natürlich Unterschiede gibt, stellt sich das Gefühl der Wiederholung ein. Dem Roman hätte es nicht geschadet, wenn Junior und Linnie nur aus der Gegenwart erklärt und nicht so komplett ausgeleuchtet worden wären.

Bei Anne Tyler zuhause

Wer Anne Tyler mag, wird sich dennoch wohl fühlen. Eigentlich macht sie ja nichts anderes, als das ganz normale Leben und Erleben einer Familie in pointierten Worten niederzuschreiben. Deshalb fühlen ihre Bücher sich auch immer so echt an. Tyler’s Romane sind keine fantasievollen Fluchten vor der Realität. Sie geben vielmehr den Lesern die Möglichkeit, alltägliche Realitäten und menschliches Miteinander reflektiert zu sehen.

Eine Familie hat schließlich jeder, mit all ihren Verflechtungen, Nickeligkeiten und Komplikationen. Die inzwischen über 70jährige Anne Tyler kennt sich damit bestens aus, und vermutlich fühlt man sich deshalb in ihren Romanen immer zuhause.

Zur Sprecherin:

Kimberly Farr klang in der Hörprobe etwas penetrant – was aber an der Figur lag, in der sie gerade stimmlich steckte. Sie verblüfft tatsächlich mit pointierter, unterhaltsamer Differenzierung, Energie und Wandelbarkeit. Von der ältlichen, resoluten Abby bis hin zu Stem’s verschüchtertem Kinderstimmchen, vom schwerhörig-lauten Red bis zu Linnie’s dickem Südstaaten-Akzent: Es passt. Was manchmal wie zu dick aufgelegt klingt, sorgt tatsächlich in diesem personenlastigen Hörbuch dafür, dass auch Längen nicht langweilig werden.

Fazit:

Typisch Anne Tyler: Mit kräftigen Pinselstrichen und feinen Tupfern lässt sie uns an mehreren Generationen einer Familie teilhaben. Erste Liebe, zeitliche Konventionen, Elterndasein, Geschwisterrivalität und die Tücken des Altwerdens. Sie spannt einen Bogen, der in seiner nicht linearen Struktur etwas gestückelt wirkt, und zumindest eine Passage davon zieht die Mitte in die Länge. Es ist nicht ihr bester Familienroman (das ist immer noch DINNER IM HEIMWEHRESTAURANT), aber immer noch ein ziemlich guter in bewährter Anne Tyler-Manier.

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten

Sprecherin: 9 von 10 Punkten

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