Rezension: ‚Our Souls At Night‘ von Kent Haruf

Kent Haruf_Our Souls At Night_300Titel: Our Souls At Night
Autor: Kent Haruf
Sprache: Amerikanisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Mark Bramhall
Anbieter: Random House Audio
erschienen: 26.05.2015
Länge: 03 Std. 28 Min., ungekürzt

Das Hörbuch ist im Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 18,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible:

Inhalt:

In the familiar setting of Holt, Colorado, home to all of Kent Haruf’s inimitable fiction, Addie Moore pays an unexpected visit to a neighbor, Louis Waters. Her husband died years ago, as did his wife, and in such a small town they naturally have known of each other for decades; in fact, Addie was quite fond of Louis’s wife. His daughter lives hours away in Colorado Springs, her son even farther away in Grand Junction, and Addie and Louis have long been living alone in houses now empty of family, the nights so terribly lonely, especially with no one to talk with.

Zum Hörbuch:

Beim Durchblättern der Hörbuch-Neuerscheinungen lies mich letztens eine Stimme aufhorchen, und zwar die von Mark Bramhall. Dieser Reibeisensamt, der am Ende der Sätze in tiefste Kellergewölbe hinabsteigt – whoa! Dazu die Beschreibung des Romans, die sich nach dem ‚Herbsterwachen‘ zweier alt gewordener Menschen anhört und die Tatsache, dass der letztens erst verstorbene Autor Kent Haruf sich nach einem dieser feinen, leicht übersehenen Schriftsteller anhört, wie sie einem schon mal vorbeihuschen – OUR SOULS AT NIGHT ist gekauft.

Addie und Louis: Gemeinsam statt einsam

Es ist ein leiser Roman mit viel Text zwischen den Zeilen. Wie alle von Haruf’s Werken spielt OUR SOULS AT NIGHT in der fiktionalen Kleinstadt Holt in Colorado (die auf einem Ort beruht, an dem Haruf gelebt hat). Eine schlaflose alte Dame fühlt sich nachts allein, und so fragt sie ihren Nachbarn Louis, ebenso wie sie verwitwet, ob er nicht bei ihr schlafen will. Die seltsame Bitte kommt ohne Hintergedanken; Addie möchte nur neben jemand Nettem im Bett liegen und erzählen, statt an die Decke zu starren.

Und so kommt es, dass Louis seine Zahnbürste und seinen Pyjama packt und zu Addie hinüberschlurft. Eine Freundschaft entsteht, in die sich auch zarte Liebe mischt. Ein Füreinanderdasein, ein Nichtmehrohneeinanderwollen. Nächtelang reflektieren die zwei über ihr Leben, über ihre Familien. Das sind manchmal Belanglosigkeiten, Alltägliches. Manchmal geht es aber auch um das Leben selbst und die Dinge, die man über viele Jahrzehnte sammelt, mitschleppt, erinnert, vermisst.

Herausforderung Dialog

Zwangsläufig ist Haruf’s Roman sehr dialoghaltig. Die Gespräche von Louis und Addie sind lange Blöcke mit ausschließlich wörtlicher Rede. Das ist für einen Sprecher eine große Herausforderung. Bramhall meistert die leisen, dennoch starken Emotionen großartig. Viel Wehmut, aber auch Keckheit und Lebensweisheit klingen in den Worten der Senioren mit. Andererseits rutsch Bramhall’s wunderschöne Stimme immer stark in männliche Tiefen, so dass die Unterscheidung zwischen Louis und Addie schon mal schwer fällt.

Das Miteinander der zwei stößt auf Unverständnis im Umfeld. Ausgerechnet die Kinder der beiden Senioren regen sich über deren ‚Verhältnis‘ – obwohl einer von ihnen bedenkenlos das Enkelkind bei Addie einparkt. Das späte Glück gehört sich nicht, und als gesundheitliche Probleme dazu kommen, wird es schwierig und kommt zu einem Schluss, den ich mir anders gewünscht hätte. Aber so ist das im Leben: Man kann das Glück nicht festhalten, sondern nur genießen, solange es anhält.

Zum Sprecher:

Mark Bramhall hat eine wunderschöne Stimme, in die etliche Jahrzehnte Leben und über 50 Hörbücher tiefe Furchen gegraben haben. Die Kopfhörer vibrieren, wenn er am Satzende in Basstiefen hinabsinkt. Sehr zart und behutsam setzt er dieses Organ in den nächtlichen Konversationen zwischen Addie und Louis ein. Den emotionalen Ton trifft Bramhall jederzeit. Es ist geradezu rührend. Allerdings kann man durch die tiefen Untertöne Addie’s wörtliche Rede nicht immer von Louis‘ unterscheiden. Das verwirrt in langen Gesprächen ohne ’she said‘, ‚he said‘ schon mal. Trotzdem: Wundervoll vorgetragen.

Fazit:

Ein zunächst unscheinbarer, zarter, stimmungsvoller Roman über späte Liebe im Leben, das Anstemmen gegen die Einsamkeit im Alter und gegen die Konventionen. Mit leisem Tritt geschrieben und gefühlvoll von einer mächtigen Stimme vorgetragen, wünscht man dem vor kurzem verstorbenen Autor Kent Haruf, dass er nicht in Vergessenheit gerät sondern – ganz im Gegenteil – noch von vielen entdeckt wird.

Bewertung:

Hörbuch: 7 von 10 Punkten
Sprecher: 8 von 10 Punkten

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