Rezension: Love May Fail von Matthew Quick

Love May Fail von Matthew QuickTitel: Love May Fail
Autor: Matthew Quick
Sprache: Amerikanisch
Format: Hörbuch
Sprecher: Cris Dukehart, Jim Meskimen, Lorna Raver, Timothy Fannon, Tonya Campos
Verlag: Harper Audio
erschienen: 16.06.2015
Länge: 12 Std. 05 Minuten, ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 24,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt:

Portia Kane is having a meltdown. After escaping her ritzy Florida life and her cheating pornographer husband, she finds herself back in South Jersey, a place that remains largely unchanged from the years of her unhappy youth. Lost and alone, looking to find the goodness she believes still exists in the world, Portia sets off to save herself by saving someone else – a beloved high school English teacher who has retired after a traumatic incident.

Zum Hörbuch:

Seit SILVER LININGS ist Matthew Quick für seine melancholisch angehauchten, freakigen Romane bekannt, in denen sich Witz und Traurigkeit die Hand reichen. Seine Figuren kommen nie von der Stange – sie sind leichte Sonderlinge, haben einen Knacks, ein Problem.

Hauptfigur in der Krise

Auch in LOVE MAY FAIL ist das so. Episodenartig verknüpt Quick darin mehrere Schicksale, im Zentrum die Hauptfigur, Portia Kane. Portia lernen wir kennen, als sie mit einem Gewehr im Schlafzimmerschrank hockt und mit anhören muss, wie ihr Ehemann – ein reicher Pornoproduzent – eine seiner kaum erwachsenen Darstellerinnen nagelt. Statt komplett durchzudrehen und ihren Mann über den Haufen zu schießen, packt Portia ihre sieben Sachen und haut ab. Ein Besuch bei ihrer Messie-Mutter mündet in eine Mission, bei der Portia nicht nur ihren alten, desillusionierten Englischlehrer vom Selbstmord abhalten will sondern auch zu sich selbst zu finden versucht.

Ein Ex-Lehrer vor dem großen Nichts

Die nächste Episode gehört folgerichtig Portia’s Lehrer, Mr. Vernon. Vom wunderbaren Ausnahmepädagogen, der in Portia seinerseits Begeisterung (und Schwärmerei) ausgelöst hatte, ist Mr. Vernon zum diskreditierten Ex-Lehrer geworden, dessen Depression in konkrete Suizidabsichten umschlägt, nachdem sich sogar sein einäugiger Hund, Albert Camus, scheinbar lebensmüde aus dem Fenster stürzt. Genau in diesem Moment flattert Portia herein und zerrt Mr. Vernon auf einen literarischen Roadtrip, um ihm zu zeigen, dass das Leben lebenswert ist.

Ensemble mit Haken und Ösen

Weitere Menschen mit merkwürdigen Anwandlungen spielen eine Rolle bei Portia’s Reise durch die Midlifecrisis und hin zum neuen Lebensgefühl: Eine Ordensschwester mit Visionen, einer Zuneigung zu Wodka und einer bewegten Vergangenheit. Außerdem ein Barbesitzer, der sich rührend um den Heavy Metal-liebenden kleinen Sohn seiner drogensüchtigen Schwester kümmert. Portia’s Mutter, die im ewig selben rosa Jogginganzug zwischen Bergen von gesammeltem Müll ihr Leben vor dem Shopping-TV fristet. Und natürlich Mr. Vernon und seine verschüttete Liebe zur Literatur und seinen Schülern.

Matthew Quick’s Charaktere sind, wie immer, etwas Besonderes. Auch hier führt er sie mit viel Herz, ohne jeden Schmalz und mit deutlich ernsten Untertönen durch eine Welt, die viel Kummer zu bieten hat und aus der man nicht ohne Narben davonkommt. Es gibt Grund zu lachen, aber es ist ein Lachen, das diesem Kummer trotzt und nicht leicht ist, sondern tapfer.

Figuren, weniger rund als in SILVER LININGS

Problematisch ist diesmal, dass jede der Figuren etwas an sich hat, das einem querkommt: Portia ist zu Beginn regelrecht nervig. Sie poltert rum, kommandiert Mr. Vernon mit unangebrachter Anmaßung durch die Gegend, ist zu schrill und aufdringlich. Sie zu mögen, braucht viel Verständnis für ihre Situation. Mr. Vernon seinerseits ist ein destruktiver Trauerkloß, dem man in den Hintern treten möchte. Gut, dass er andererseits ein so großartiger Lehrer war und man ihn in den Rückblenden ins Herz schließen kann. Die Geschichte der Nonne ist zu lang und bringt keine wirklich neuen Erkenntnisseuaußer eine weitere skurrile Querverbindung. Und Chuck, der Barbesitzer? Der einzig Normale im Club, so sehr, dass er nett, aber etwas langweilig wirkt.

Durch das Episodenhafte wirkt LOVE MAY FAIL wie ein Flickenteppich, in dem schon mal schlechte Übergänge, lose Nähte, nicht ganz zueinander passende Stoffe vorkommen. Ein richtiger Höhepunkt fehlt.

Treffer ins Schwarze

Dennoch: Matthew Quick schafft auch in diesem Roman Momente, die die Seele berühren. Momente, in denen man sich wiederfindet und denkt: Ja. Ja, genauso ist das im Leben. Genauso fühlt sich das an. Seine Figuren kämpfen sich durch harte Zeiten und haben Schrammen, Macken, Narben. Trotzdem schaffen sie es am anderen Ende irgendwie wieder raus. Und als am Ende die Papierflugzeuge vom Cover wieder auftauchen, ist das längst kein perfekter Schluss, aber einer mit Symbolik.

Zu den Sprechern:

Verschiedene Erzählperspektiven bedeuten hier, dass es vor dem Mikro eng wird: Cris Dukeheart spricht Portia Kane, zu Beginn wie aufgeputscht, im Verlauf mit immer mehr Gefühl. Ihre Kollegen passen zu den jeweiligen Rollen: Eine brüchige alte Stimme für Schwester Maeve, eine von Traurigkeit und Sarkasmus getränkte für Mr. Vernon, eine Pack-an Kerlestimme für Chuck. Komplett gut gecastet, hilft das ganze Ensemble, über Längen und Schwächen des Romans hinwegzuhören.

Fazit:

Ein Roman wie ein angeschwippster Roadtrip durch Midlife-Crisis und gescheiterte Lebensträume. Eine Frau fängt neu an, findet zu sich und wird dabei von einem Cast an nicht minder geschädigten Charakteren begleitet. Matthew Quick schreibt bittersüße Romane für die Versehrten unter uns. Er tut das mit Humor, mit dem Sinn für Skurriles, mit viel Melancholie und ohne perfekte Lösungen. Im Falle von LOVE MAY FAIL haben seine Figuren ein paar Defizite zu viel, die Geschichte keinen stabilen Bogen. Trotzdem sorgt Quick für ein paar magische Momente, bringt ebenso zum Nachdenken wie zum Lächeln und Schlucken. Ein Roman über und für alle mit Kratzern im Lack, denen ein echtes Happy End sowieso suspekt wäre.

PS: Wer mit umgangssprachlichen und unverblümten Begriffen aus dem Genitalbereich sowie mit Kraftausdrücken seine Probleme hat, sollte LOVE MAY FAIL meiden. Besonders die Auftaktszene ist (passenderweise) voll davon.

Bewertung:

Hörbuch: 7 von 10 Punkten
Sprecher: 8 von 10 Punkten

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