Rezension: Everything, Everything von Nicola Yoon

Everything, Everything von Nicola YoonTitel: Everything, Everything
dt. Titel: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
Autorin: Nicola Yoon
Sprache: Amerikanisch
Format: eBook, Kindle Edition
Verlag: RHCP Digital
erschienen: 03.09.2015
Länge der Printausgabe: 320 Seiten

Inhalt:

Madeline Whittier is allergic to the outside world. So allergic, in fact, that she has never left the house in all of her seventeen years. But when Olly moves in next door, and wants to talk to Maddie, tiny holes start to appear in the protective bubble her mother has built around her. Olly writes his IM address on a piece of paper, shows it at her window, and suddenly, a door opens. But does Maddie dare to step outside her comfort zone?

Zum Buch:

Eine seltene Erkrankung

Aufgrund eines seltenen Immundefektes darf die 17jährige Maddy das hermetisch abgeriegelte Haus nicht verlassen: Jeglicher Kontakt zur Außenwelt könnte sie schwer erkranken lassen oder sogar töten. Aus demselben Grunde sind auch Besucher eine große Seltenheit. Maddy’s einzige Kontaktpersonen: Ihre Mutter und Krankenschwester Carla. Der Vater und Bruder von Maddy sind vor langer Zeit bei einem Unfall ums Leben gekommen.

Bisher hat Maddy sich in ihr Schicksal gefügt, verbringt die Tage mit Lernen, Lesen, Film- und Spieleabenden mit der Mutter. Sie kennt es ja nicht anders. Das ändert sich, als ins Nachbarhaus neue Mieter einziehen. Besonders der Sohn, Olly, erregt Maddy’s Aufmerksamkeit. Aus Blicken von Fenster zu Fenster wird eine Email-Freundschaft und – wie sollte es anders kommen – die erste große Liebe.

Ausbruch für die Liebe

Maddy’s Welt wird ihr plötzlich zu klein, die Grenzen zu eng. Der Wunsch, Olly gegenüberzustehen, ihn zu berühren, mit ihm nach draußen zu gehen wird übermächtig. Dazu kommt noch, dass es in Olly’s Familie Probleme gibt: Der Vater trinkt und misshandelt Olly’s Mutter. Maddy sieht sich vor die Wahl gestellt: Olly aufgeben oder für die Liebe alles riskieren…

Ernstes Thema, leichte Lektüre

Nicola Yoon hat eine fesselnde, flugs zu lesende Liebesgeschichte auf’s Blatt gezaubert und schafft es, trotz der ernsten Hintergrundthematik viel Leichtigkeit, Witz und Wärme hineinzuzaubern. Maddy und Olly sind ein sympathisches Paar (auch wenn Olly schon fast zu perfekt dargestellt ist). Die Geschichte hat einen klaren Spannungsbogen, und man fliegt durch die Seiten, weil natürlich klar ist, worauf das Ganze hinaussteuert.

Oder ist es das?

Am Ende kommt’s ganz anders

Es geht natürlich um’s Erwachsenwerden, um’s Loslassen, um Mut und Liebe. Maddy durchläuft eine klassische coming-of-age Entwicklung. Allerdings kommt es am Schluss ganz anders, als man denkt: Yoon baut einen Twist ein, der die Geschichte um 180 Grad dreht.

Störend: löcherige Logik

Wenn man genau aufpasst, kann man das voraussehen. Es gibt Lücken in der Plausibilität, eine gewisse Nebulösität. Stücke, die sich nicht ineinanderfügen und einen aufhorchen lassen. Was bei mir leider auch frühzeitig dazu führt, dass ich abgelenkt werde von der Liebesgeschichte. Ich grübele, warum mir da etwas Spanisch vorkommt und ärgere mich über vermeintliche Nachlässigkeiten in Yoon’s Schreiblogik – die sich zwar am Schluss erklären, mich zu diesem Zeitpunkt aber dauernd genervt haben. Ich kann hier wegen Spoilergefahr nichts Genaueres dazu sagen. Lest es selbst.

Charmant illustriert

Schön gemacht, auf dem Kindle allerdings viel zu klein und kaum zu entziffern, sind die eingefügten Grafiken (die von Yoon’s Eheman gezeichnet wurden): medizinische Formulare, Skizzen, witzige Graphen und immer wieder Ein-Satz-Rezensionen bekannter Buchklassiker. Außerdem Maddy’s und Olly’s Emails und Chats. Das lockert auf, macht die etwas mehr als 300 Seiten noch viel kürzer.

Fazit:

Eine Liebesgeschichte als Coming-of-Age Jugendroman, vor ernstem medizinischem Hintergrund, mit einer Schlusswendung, die alles Vorausgegangene in ein ganz anderes Licht taucht. Flockig geschrieben, mit netten Illustrationen, einer Prise Humor und etwas zu perfekten Hauptfiguren, kann man das so weglesen. Vorausgesetzt, man lässt sich nicht von Logik-Löchern ablenken oder sieht den Knackpunkt der Handlung voraus.

Für Erwachsene schön unanstrengend für zwischendurch. Für Jugendliche mit genug Tragik und Dramatik versehen, um sich damit eine Nacht um die Ohren zu schlagen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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Ein Gedanke zu “Rezension: Everything, Everything von Nicola Yoon

  1. Jenni 11. Oktober 2015 / 18:04

    Das kann ich genau so unterschreiben! Ich fand es wirklich spannend zu lesen (auf Papier; das war sehr schön für die Grafiken) und ich konnte mich gut in Maddy einfühlen, obwohl sie so eine seltene Krankheit hat.
    Und ja – man darf nicht zu viel darüber sagen, sonst ist der Twist verraten und das wäre unverzeihlich.

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