Rezension: ‚Die dunkle Seite‘ von Frank Schätzing

Die dunkle Seite von Frank SchätzingTitel: Die dunkle Seite
Autor: Frank Schätzing
Sprache: Deutsch
Format: Hörbuch mp3-CD
Sprecher: Stefan Kaminski
Verlag: Der Hörverlag
erschienen: 24.08.2015
Länge: 14:09 Std., ungekürzt

Dss Hörbuch ist als ungekürzte Lesung auf mp3-CDs direkt beim Hörverlag oder im lokalen Buchhandel erhältlich.

Inhalt:

Köln, 1999: Ein scheinbar harmloser Geschäftsmann fällt einem grausamen Verbrechen zum Opfer. Die Tat eines Verrückten? Vera Gemini, Kölner Detektivin, die wider Willen in den Fall hineingezogen wird, erkennt schon bald die perfide Logik hinter der angeblichen Wahnsinnstat. Die Spur führt zurück ins Jahr 1991, in die letzten Tage des Golfkriegs, und zu einem Geheimnis in der kuwaitischen Wüste – begraben, aber nicht vergessen …

Zum Hörbuch:

Seit der Kölner Autor Frank Schätzing mit DER SCHWARM zum Bestsellerautor wurde, werden seine davor bereits erschienenen Bücher nach und nach noch einmal neu aufgelegt. Und finden neue Leser. Oder Hörer – wie auch DIE DUNKLE SEITE, der ursprünglich schon 1997 veröffentlicht wurde.

Steht Schätzing drauf. Ist Schätzing drin.

Das Verwirrspiel um eine Mordserie in Köln, die ihren Anfang im Golfkrieg nahm, ist ein typischer Schätzing: Auch hier nimmt sich der Autor eines Themas an (Kriegssöldner), wühlt sich tief hinein und packt seine Recherchen in eine raumgreifende Geschichte mit Kölner Kolorit. Schätzing knüpft viele Fäden an viele Personen, bettet die Geschichte in ein brisantes Stück Zeitgeschichte, baut ein wenig zimperliches Krimi-Szenario ein und lässt sich bei all dem nicht hetzen.

Das hat dann auch die typischen Schätzing-Vorteile und Nachteile. Einerseits ist das Thema Golfkrieg, Söldner und was das mit den Menschen macht hoch interessant und offenbar bestens recherchiert – andererseits führt das zu den typischen Längen im Plot und zu kaum verhüllten Moralpredigten (was mich manchmal an Michael Crichton erinnert).

Die Figuren: Tolle Typen und schwierige Zeitgenossen

Bei den Charakteren gelingen Schätzing markante Typen (mein Highlight: der türkischstämmige Kölner Kommissar Menemenci), doch es sind ein paar Figuren zu viel, so dass er ihre persönlichen Geschichten teils nur streifen kann und sie zugunsten von Detektivin Vera in den Hintergrund verbannen muss. Das ist ein bisschen schade.

Eine Nebenfigur bezeugt Schätzings Talent, Entwicklungen vorauszuahnen: Er lässt eine junge Frau geradezu süchtig nach einem Computerspiel werden, das nichts anderes ist als eine simulierte digitale Realität: ‚Second Life‘ vorausgeahnt, und zwar bis ins Detail. Da kommt der Journalist in Schätzing durch, der, dicht am Zeitgeist, seine Fiktionen eng an der Realität aufbaut und schon mal den Nagel auf den Kopf trifft. Chapeau.

Vera Gemini: Die Heldin verspielt Sympathien

Aber kommen wir zurück zu Vera Gemini: Ausgerechnet die Hauptfigur ist nicht diejenige, die Schätzing am besten gelungen ist. Vera ist sperrig, etwas klischeehaft, über lange Strecken geradezu nervig, und man versteht ihr Handeln teils nicht. Spät im Buch erfahren wir etwas Wichtiges über sie, das vieles erklärt. Zu spät für meinen Geschmack. An diesem Punkt hat so mancher Leser das Buch vor Ärger über Vera vielleicht schon abgebrochen.

Am Schluss gibt Schätzing Gas

Was Schätzing gut kann, auch hier, ist die Verknüpfung der vielen losen Fäden. Man kann zwar immer mehr voraussehen, worauf es hinausläuft, und die große Wendung ist letztlich nur die Bestätigung eines Verdachts, aber das ist immer noch spannend genug. Der Showdown ist wirklich gelungen.

Zum Sprecher:

Schon beim Prolog in der irakischen Wüste entfaltet Kaminski seine ganze Sprechergewalt: Die Stimmen sind so unterschiedlich, so echt, so stark geschauspielert, dass DIE DUNKLE SEITE sich fast wie ein Hörspiel anhört. Kaminski keucht, brüllt, knarzt, ätzt, schnauft – das ist voller Körpereinsatz, und er saß bei den Aufnahmen bestimmt wieder schweißgebadet am Mikro. Was Kaminski manchmal passiert – dass er zu theatralisch wird, den Stimmen mehr Raum gibt als der Geschichte selbst – das passiert ihm hier nicht. Für mich einer seiner besten Einsätze. Seine Performance macht das Buch besser, als es ist.

Fazit

Ein wieder aufgelegter Schätzing von 1997, mit den typischen Stärken und ein bisschen mehr ausgeprägten Schwächen. Ein brisantes Thema (Söldner im Golfkrieg), grausige Szenen, weit ausholende Zusammenhänge und ein reichhaltiges Ensemble sind die Pluspunkte. Auf der Negativseite gibt es Längen, eine anstrengende Hauptfigur und eine gewisse Vorhersehbarkeit.
Nicht so stark wie DER SCHWARM oder TOD UND TEUFEL, aber durchaus die Neuauflage wert. Erst recht, wenn Stefan Kaminski durch die ungekürzte (!) Lesung braust wie ein entfesselter Wüstensturm.

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten
Sprecher: 10 von 10 Punkten

Danke an Der Hörverlag für das Rezensionsexemplar!

Advertisements

Verfass' einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s