Rezension: ‚H Is For Hawk‘ von Helen Macdonald

H is for Hawk von Helen MacdonaldTitel: H Is For Hawk
dt. Titel: H wie Habicht
Autorin: Helen MacDonald
Format: Hörbuch-Download
Sprache: Englisch
Sprecherin: Helen MacDonald
Anbieter: Random House Audiobooks
veröffentlicht: 18.12.2014
Länge: 11:12 Std., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 27,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von Audible.

Inhalt:

As a child Helen Macdonald was determined to become a falconer. She learned the arcane terminology and read all the classic books, including T. H. White’s tortured masterpiece, The Goshawk, which describes White’s struggle to train a hawk as a spiritual contest.

When her father dies and she is knocked sideways by grief, she becomes obsessed with the idea of training her own goshawk. She buys Mabel for £800 on a Scottish quayside and takes her home to Cambridge.

Zum Hörbuch:

Ein Vertreter des modernen ’nature writing‘

Das ’nature writing‘, also das Schreiben über die Natur und den Menschen als Teil dieser Natur (und über die Natur des Menschen) ist wieder in. Das habe ich letztens erst in meiner Rezension von THE WOLF BORDER näher beschrieben.

Von Raubvögeln und Menschen

Raubvögel waren nie out. Wohl kaum jemand kann sich der majestätischen Faszination und Wildheit dieser wunderschönen Tiere entziehen. Sie erwecken in uns Assoziationen von Stolz, Kraft und Freiheit. Ihre Eleganz tut der Ehrfurcht vor ihren scharfen Krallen und Schnäbeln keinen Abbruch. Das sind fähige Jäger, die gnadenlos töten.

Für die Schriftstellerin Helen Macdonald wird das Zähmen eines solchen Tieres, eines weiblichen Habichts, zu einem Weg durch die Trauer um ihren Vater. Das hört sich erstmal verdächtig kitschig an, nicht wahr? Ist es aber nicht.

Denn Gottseidank haben wir es hier a) mit einer ausgebildeten Falknerin zu tun, b) mit einer Vertreterin des ebenso realistischen wie ursprünglichen ’nature writing‘ und c) ist die Sache nicht so geradlinig und vorhersehbar, wie man erwarten könnte.

Rückzug in die Trauer, Rückzug in die Natur

Zurückgezogen in ein Haus im ländlichen Cambridge, nur konzentriert auf Mabel, den Habicht, wird das Raubvogeltraining für Helen zu einem Parcours voller unerwarteter Wendungen. Mabel hilft ihr, sich zu finden, aber nicht, ohne sich zu verlieren und festzustellen, dass es auch Menschen braucht, um zurück ins Leben zu finden. Der Greifvogel bietet Helen zum einen die Konzentration auf etwas Wesentliches, auf etwas ganz und gar Lebendiges, aber auch die Begegnung mit dem Töten und dem Tod. Der Kontakt mit der Natur lässt Helen eins mit dem Tier werden.

Die Sprache: Klar, schön, wild

Dieser lange Prozess ist in H IS FOR HAWK – typisch für das ’nature writing‘ mit klarer, dokumentarischer und dennoch poetischer Sprache beschrieben. Am beeindruckdsten: Der erst Augenblick, als Helen den in einer Kiste zu ihr transportierten Habicht zu Gesicht bekommt. Diese unbändige Wildheit, dieses von schärfsten Instinkten durchzitterte, ungezähmte Wesen voller Muskeln, Federn und Reflexe bietet durch Madonalds Worte hindurch einen atemberaubenden Anblick.

Immer wieder gibt es solche Momente. Immer wieder ist man von der Sprache dieses Romans fasziniert. Wie kann etwas, das so unverfälscht und natürlich beschrieben ist, so tief gehen? Es ist erstaunlich.

Im Widerspruch: Die gezähmte Natur

Dennoch gibt es kritische Punkte. Der größte ist vielleicht der Widerspruch, der in einem gezähmten Raubvogel liegt. Mabel wird über Lederriemen, Futterentzug und Prägung auf ihre Besitzerin geprägt, gegen ihren Willen. Natürlich entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen den beiden. Aber freiwillig ist das zunächst nicht, und das beschönigt Macdonald auch nie. Eine zwiespältige Sache für Natur- und Tierfreunde.

Der zweite Erzählstrang um T.H. White

Das andere ist der zweite Erzählstrang. Neben Helen Macdonald’s eigener Geschichte vergleicht sie ihre Erfahrungen mit denen des 1964 verstorbenen Schriftstellers T.H. White. Vor allem bekannt durch seine an die Artus-Legende angelehnten Romane (The Once And Future King, The Sword In The Stone), war White außerdem eine Weile begeistert von Greifvögeln und schrieb ein Buch (The Goshawk) über seinen (misslungenen) Versuch, selbst einen Habicht zur zähmen und zu trainieren.

Die inkonsequenten, teils quälerischen und immer verzweifelteren Beschreibungen White’s und Macdonald’s Kommentar dazu machen beinahe die Hälfte des Romans aus. Wozu das dient, ist nicht immer klar. Teils geht es um das Fachliche, teils um das Menschliche. Um Diskrepanzen, Parallelen, Gegensätze.

Braucht H IS FOR HAWK diesen Vergleich? Mit einem Autor, der eine schwierige Persönlichkeit und ein problematisches persönliches Leben hatte? Was sagt uns das über Macdonald – außer dass sie es mit ihrem Habicht ‚Mabel‘ wesentlich besser macht? So ganz leuchtet das nicht ein, und so manchem kann die Ausführlichkeit des Greifvogeltrainings dadurch langatmig werden. Man erwischt sich bei kopfschüttelnder Faszination über White, aber auch bei ungeduldigem Hinlesen auf die Rückkehr zum gegenwärtlichen Handlungsstrang. Zwiespältig.

Zur Sprecherin:

Wenn ich sehe, dass ein Autor sein Werk selbst einspricht, runzele ich immer erstmal sorgenvoll die Stirn. In der Regel überlässt man Hörbücher besser den professionellen Sprechern. Es gibt aber Ausnahmen, und hier ist eine. Gerade als autobiographisches ‚Sachbuch‘ gewinnt H IS FOR HAWK unglaublich an Authentizität durch Helen Macdonald’s eigene Stimme und ihre Vortragsart. Sie spricht oft in einem scheinbar neutralen, beobachteten Ton, dem eines Wissenschaftlers. Und trotzdem klingt durch diese lehrende Ruhe Intensität hindurch, scharfe Reflektion und ursprüngliche, bahre Emotion. Da hört man Aufrichtigkeit pur.

Fazit:

Ein Roman über das Zähmen eines Greifvogels, über das Durchleben von Trauer, über den Menschen und seine Natur, als Teil der Natur. Eine Autorin berichtet, teils im Fachjargon, teils in ursprünglicher und wild poetischer Sprache, von ihrem Jahr mit einem Habicht, und wie sie selbst sich beim Zähmen fast in der eigenen, tierischen Natur verliert.
Irgendwo zwischen Autobiographie, Sachbuch und ’nature writing‘, von der Autorin selbst gleichzeitig distanziert und distanzlos vorgetragen, findet H IS FOR HAWK eine besondere Nische in der derzeitigen Literaturlandschaft. Ein Sonderling nicht ohne Fehler, aber zum Aufhorchen.

Bewertung:

Hörbuch: 8 von 10 Punkten
Sprecherin: 9 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Rezension: ‚H Is For Hawk‘ von Helen Macdonald

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