Rezension: Ponderosa von Michael Sieben

Ponderosa von Michael SiebenTitel: Ponderosa
Autor: Michael Sieben
Sprache: Deutsch
Format: eBook
Verlag: Carlsen
erschienen: 18. März 2016
Seitenanzahl der Printausgabe: 224

PONDEROSA ist direkt beim Carslen Verlag erhältlich oder beim Buchhändler eures Vertrauens vor Ort.

PONDEROSA wurde mir von netgalley.de und dem Carlsen Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Inhalt:

Ponderosa. So nennen Kris, Josie und Juri die verlassene Hütte am Rand der Siedlung. Sie ist ihr geheimer Ort, schon seit Jahren. Hier können die Freunde reden. Rauchen. Die Matratze auf den Hügel ziehen und einfach in den Himmel starren. Alles ist gut, findet Kris. Nichts muss sich ändern.
Und doch fühlt es sich anders an, seit kurzem. Wenn er an Josie denkt, ist da etwas Neues. Wenn er mit Juri redet, hakt es einfach nur. Vor allem seit sie versuchen, Josies verschwundenen Nachbarn aufzuspüren. Als Kris durch Zufall mehr über den Alten erfährt, geht er der Sache nach – allein. Und bringt damit Ereignisse ins Rollen, die wirklich alles verändern.

Zum Buch:

PONDEROSA beginnt mit einem Zitat aus DAS ALSO IST MEIN LEBEN von Steven Chbosky, und schlägt damit direkt seine Hände in mein Hirn. DAS ALSO IST MEIN LEBEN ist nicht nur das Lieblingsbuch von Kris, der Hauptfigur aus PONDEROSA; es ist auch das Lieblingsbuch meiner 15jährigen Tochter, und ich kenne es deswegen natürlich auch.

Blick ins emotionale Teenager-Spektrum

Die aufkommenden Assoziationen stimmen, leichte Parallelen sind da: PONDEROSA ist ein Jugendroman, der ein Stück Erwachsenwerden vor ernstem Hintergrund darstellt. Es geht um Freundschaft, um Liebe. Es geht sogar um Leben und Tod. Ein ernstes Buch, das trotzdem Momente des Schmunzelns bereithält, zarte Augenblicke.

Am Beispiel des 15jährigen Kris durchforstet Michael Sieben die Gefühlswelt eines Teenagers, der nach außen so cool und oberflächlich erscheint, wie das in diesem Alter nunmal üblich ist. Unsicherheit, Verwirrung, Gedankenlosigkeit, Draufgängertum und Schmetterlinge im Bauch geben sich die Hand. In seiner stellenweisen Flappsigkeit errinnert PONDEROSA eher an TSCHICK, im Miteinander der Buchhelden manchmal auch an VORSTADTKROKODILE. Obwohl die Vibes oft ähnlich sind, erreicht PONDEROSA nie die psychischen Abgründen aus DAS ALSO IST MEIN LEBEN – zum Glück!

Freundschaft und Liebe mit Krimi-Rahmen

PONDEROSA macht trotz dieser Vergleiche nämlich sein eigenes Ding. So webt Michael Sieben eine Krimihandlung in die Geschichte hinein. Gleich zu Beginn wird klar: Etwas Schlimmes ist passiert. Blaulicht. Blut auf dem Shirt. Kris hat etwas Furchtbares erlebt, offenbar schwere Schuld auf sich geladen. Was? Das erfahren wir erstmal nicht. Dafür muss man das Buch durchlesen.

Also Rückblende. Der Klappentext verrät die grobe Handlung: Kris, sein bester Freund Juri, und die gemeinsame Freundin Josie bilden ein Dreiergespann. Die Dinge werden kompliziert, als Kris Gefühle für Josie entwickelt, und Spannungen zwischen ihm und Juri auftreten. Außerdem ist Josies Nachbar verschwunden, und als die drei beginnen nachzuforschen, wird vor allem Kris in eine nach und nach gefährlich werdende Sache reingezogen.

Am Rande spielen sich weitere kleine und größere Erdbewegungen ab. Josies Mutter hat Probleme mit Alkohol. Zwei kleinkriminelle Bullies aus der Schule machen Kris das Leben schwer. Und dann ist da die von allen in der Klasse gemiedene „Tonne“, die sich angeblich ritzt oder den Finger in den Hals steckt oder beides, und die Kris plötzlich anspricht.

Michael Sieben trifft den richtigen Teenie-Ton

Kris hat also viel auf der Platte, und durch seine Ich-Perspektive erleben wir PONDEROSA. Seine Gedanken, seine Gespräche mit Juri und Josie, das gemeinsame Abhängen auf der Ponderosa oder im „Knochenhaus“ schildert Michael Sieben im jugendlichen Erzählton und trifft dabei die richtigen Akkorde. Das ist lässig und authentisch, behält aber den Kopf sehr deutlich über FACK JU GÖHTE-Niveau. Kris‘ Handlungen sind typisch unüberlegt für dieses Alter. Seine unsortierte Empfindlichkeit und die äußere Coolness glaubhaft.

Michael Sieben sorgt für Abwechslung, indem er mit den Zeiten spielt. Die Handlung spielt in der Vergangenheit. Einige Erinnerungen von Kris schildert er aber immer wieder im dramatischen Präsenz. Das sorgt für die Intensität des Augenblicks. Wenn Kris neben Josie steht, rutscht uns das Herz mit in die Hose und schlägt heftig in der Brust.

Vom Pageturner-Start zum coming-of-age Ende

Was PONDEROSA zum Pageturner macht, ist natürlich der Anfang. Man will unbedingt wissen, was jetzt eigentlich passiert ist. Ob jemand ums Leben gekommen ist. Geht das gut aus oder böse?

Darauf muss man bis zu den letzten Seiten warten. Und selbst da gibt es noch mal eine Überraschung. Am Schluss stellt sich der „Kriminalfall“ um den verschwundenen Münze als nicht ganz so spannend heraus wie angenommen, aber was er auslöst und als Konsequenz hinterlässt, bedeutet für Kris einen gewaltigen Schubs in Richtung Erwachsenwerden.

Fazit:

Ein Jugendroman mit Krimi-Touch, der sich um einen 15jährigen und dessen Beziehungsgeflechte zu Gleichaltrigen dreht. Freundschaft ist ein zentrales Thema. Liebe kommt mit ins Spiel. Ein bisschen geht es auch darum, das Jugendliche hinter ihrer Fassade ganz anders sind, als die Schublade, in die sie von anderen gesteckt werden. Ein Stück ist PONDEROSA auch coming-of-age Roman.

Für die Spannung sorgt ein Cliffhanger-Anfang, der das gesamte Buch braucht, um am Ende aufgelöst zu werden. Für die Gefühle sorgt die handfeste Schreibe von Michael Sieben. Man kauft ihm ab, wie er in die Haut von Kris schlüpft. Als erwachsener Leser, und vermutlich auch als Teenager. Dazu muss ich meine Tochter befragen. Die liest PONDEROSA nämlich gerade.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Rezension: Ponderosa von Michael Sieben

  1. Heinz Mößlang 27. April 2016 / 20:34

    Das Buch ist ganz große Klasse! Spannend von der ersten bis zur letzen Seite mit versönlichem Ausgang. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Buch!

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