Rezension: Monster 1983 von Ivar Leon Menger (Hörspiel)

Monster 1983 von Ivar Leon MengerMonster 1983

Autor: Ivar Leon Menger, Anette Strohmeyer, Raimon Weber
Format: Hörspiel
Sprecher: David Nathan, Luise Helm, Benjamin Völz, Nana Spier, Ekkehardt Belle, Norbert Langer u.a.
Anbieter: Audible
erschienen: 31.10.2015
Länge: 10:56 Std., ungekürzt

Das Hörspiel ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 19,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von Audible.

Inhalt:

Oregon, Sommer 1983 – eine Serie mysteriöser Todesfälle rüttelt das Küstenstädtchen Harmony Bay aus seinem friedlichen Schlaf. Sheriff Cody, den es nach dem Tod seiner Frau dorthin verschlagen hat, wird bereits kurz nach seiner Ankunft zur Pflicht gerufen, denn es geschehen merkwürdige Dinge: Ein Gefangenentransport zerschellt an einer Klippe, ein russischer Spion ist wie vom Erdboden verschluckt und es tauchen immer mehr Leichen auf, die merkwürdige Einstiche im Rücken aufweisen.

Zum Hörspiel:

Als Retro-Grusel-Krimispaß präsentiert sich die 1. Staffel von MONSTER 1983 der deutschen Audible Studios. Zehn gut 1-stündige Folgen hat der uns aus DARKSIDE PARK und PORTERVILLE gut bekannte Ivar Leon Menger geschrieben, die in „das kultigste Jahrzehnt des letzten Jahrtausends“ zurückführen.

Wenn man, wie ich, seine Jugend in den 80ern durchlebt hat und sich mit Schulterpolstern, lilafarbenen Bomberjacken, „Dallas“ und Duran Duran rumschlagen musste, ist so ein 80er-Hörspiel irgendwas zwischen nostalgischem Spaß und Traumabewältigung. Umso höher meine Erwartungen.

Atmosphärisch dicht dran

Der Eighties-Zeitgeist kommt tatsächlich ganz gut rüber. Von etlichen eingestreuten Popkultur-Referenzen über Handyfreies Old School Ermitteln bis hin zu dem fremdartig-absurden Monster, das mich sehr stark an die damaligen Horror-Kassetten erinnert, passt das schon. Dazu kommt eine gewisse Gemütlichkeit und Heimeligkeit beim Erzählen. Da überschlagen sich nicht sofort die Ereignisse, sondern das Ganze nimmt erst allmählich Fahrt auf. Es bleibt viel Zeit für die großen und kleinen Geschichten der vielen agierenden Figuren. Man macht sich erst mal vertraut mit Familie Cody und den Einwohnern von Harmony Bay. So kenne ich das von früher.

Es sei mal verziehen, dass manche 80er-Referenzen sehr platziert wirken. Und inzwischen rege ich mich auch nicht mehr über das Fantasie-Schimpfwort „Mückenpisse“ auf, das der Sohn von Sheriff Cody alle zwei Minuten um sich wirft. (Das hat damals KEINER, wirklich KEINER gesagt. NIE.)

Von der 80er-Atmo her ist das eine gute Zwei.

Mehr Figuren als Falcon Crest

Meine Güte, ist das ein großer Cast! Ivar Leon Menger spart wahrlich nicht an Figuren. Und jede bekommt ihren großen Moment bzw. ihr großes Mysterium. Familie Cody. Die Babysitterin. Deren Freund. Die Kumpels der Cody-Kinder. Der Bürgermeister. Die diversen Monster-Opfer. Dieser zwielichte Typ, der mich dauernd an den Cigarette Smoking Man aus „Akte X“ erinnert…und so weiter…und so fort.

Trotz der vielen Akteure erlaubt es die Länge des Hörspiels, dass wir alle im Blick behalten. Die entzückende Cody-Familie enthüllt schön langsam die Leichen in ihrem Keller. Und selbst bei der Enthüllung des Monsters bleiben noch etliche Personen übrig, die ebenfalls Dreck am Stecken und dunkle Geheimnisse haben. Und die sind noch lange nicht auserzählt.

Klar. Einige Figuren sind wandelnde Klischees. Die kann man schnell in eine Schublade stecken. Aber auch das war in 80er-Hörspielen so üblich. Wenn man zur „Generation Drei ???“ gehört, weiß man, wie man seine Pappenheimer beim Hören einsortiert. Allerdings gilt das nur für einen Teil der Figuren. Erfrischend viele zeigen im Verlauf andere Gesichter, bleiben rätselhaft oder sorgen am Schluss gar für einen bösen Schock. Das ist wirklich klasse gemacht.

Die Sprecher: …aber bitte mit Sahne!

David Nathan, meine Damen und Herren. Die Lobhudelei auf Deutschlands wohl beliebtesten Sprecher wird manchmal schon ein wenig viel. Aber sie ist verdammt noch mal gerechtfertigt. Dass der perfekt ist für Gruseliges, wissen wir aus seinen zahlreichen Stephen King-Vertonungen. Hier kann er als Sheriff Cody aber auch den alleinerziehenden Vater mit Herz und Mut unter Beweis stellen. Und so angsterfüllt losbrüllen, dass es einem das Herz zusammenkrampft. Ganz großes Kino!

Das gilt auch für alle anderen Beteiligten. Gerade die jugendlichen Sprecher sind ja immer so eine Sache, und sie machen das alle gut.

Eine persönliche Erwähnung wert ist mir als großer „Magnum“-Fan der ersten Stunde natürlich Norbert Langer, Tom Selleck’s Synchronsprecher von damals. Ich brauche eine Weile, bis ich mir den Bürgermeister nicht mehr mit Schnäuzer, in Khaki-Shorts und Hawaiihemd vorstelle, aber dann funktioniert es. Langer fügt dieser Figur etwas subtil Diabolisches hinzu, und ich liebe, wie er das macht.

Sprechertechnisch ein echtes Sahneschnittchen.

Das klingt gut!

Was die Soundkulisse angeht, erfüllt Audible die Erwartungen. Man ist da inzwischen Hochklassiges gewöhnt, und das bekommen wir hier auch. Sprecher, Musik, Geräusche und Tontechnik liefern auf ganzer Strecke höchstes Niveau. Kusshand!

Die Handlung: Viele offene Fragen

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle schimpfen wie ein Rohrspatz. Darüber, dass so wahnsinnig viele Fragen offen bleiben. Dass ein ganzer Berg angerissener Stories einfach so im Regen stehen bleibt. Dass der Schlusstwist ganz dringend weiterer Erklärung bedarf, um überhaupt IRGENDEINEN Sinn zu ergeben (auch wenn der Schock-Effekt super ist). Ich will hier nicht spoilern, deshalb nenne ich keine Details, aber die Liste ungelöster Rätsel am Schluss von MONSTER 1983 hat schon fast Klorollenlänge.

Hätte ich die Rezension direkt nach dem Hören geschrieben, stünde hier jetzt ein ganz wütendes „MÜCKENPISSE!“

Aber inzwischen hat Audbile bekannt gegeben, dass es eine zweite Staffel von MONSTER 1983 geben wird. Das ändert tatsächlich alles. Das sorgt statt Frust für brennende Neugier und Vorfreude. Das einzige Problem: Bis Staffel 2 erscheint, habe ich Staffel 1 vermutlich größtenteils vergessen und muss alles nochmal hören. Inklusive der Mückenpisse.

Fazit:

Gemächlich anziehender Gruselspaß im etwas demonstrativen 80’s Style, der einfach Spaß macht. „Horror“ ist zu viel gesagt (obwohl der Schluss es in sich hat), und die Spannung baut sich langsam auf, aber viele tolle Figuren, etliche Rätsel und ein Monster unter dem Bett sorgen für beste, nostalgisch angehauchte Unterhaltung. Das Sprecher-Ensemble, allen voran der unschlagbare David Nathan, und beste Hörspiel-Soundtechnik machen alle großen Kassettenkinder glücklich.

Gut allerdings, dass es eine zweite Staffel geben wird. Es sind sehr viele Fragen offen geblieben, und ob die Sache mit dem Monster noch irgendwie logisch erklärt werden kann, bleibt abzuwarten.

Bewertung:

Story: 7 von 10 Punkten
Soundkulisse: 10 von 10 Punkten
Sprecher: 10 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Rezension: Monster 1983 von Ivar Leon Menger (Hörspiel)

  1. Marion 19. April 2016 / 21:34

    Ich habe in der Tat auch nie jemanden Mückenpisse* sagen hören, finde es aber ein hinreißendes Schimpfwort. Vielleicht benutze ich das jetzt.

    *Eine Recherche hat ergeben, dass dieses Wort eine Benzinmischung für Zweitakter bezeichnet. Sowas hatte ich nie, möglicherweise ist es mir auch deshalb entgangen.

    • papercuts1 19. April 2016 / 21:37

      Ach, eine Benzinmischung? Tatsächlich? Das ist dann auch an mir vorbei gegangen damals. Ich hatte es jedenfalls nie gehört. Mir ging die ‚Mückenpisse‘ tatsächlich auf die Nerven, und ich weiß gar nicht genau, warum.

      Davon mal abgesehen war’s aber eine nette Zeitreise. 🙂

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