Rezension: „Kalter Rauch“ (Zorn #5) von Stephan Ludwig

Zorn - Kalter Rauch von Stephan LudwigTitel: Zorn – Kalter Rauch
Autor: Stephan Ludwig
Serie: Zorn #5
Sprache: Deutsch
Sprecher: David Nathan
Format: Hörbuch
Verlag: Argon
erschienen: 26.11.2015
Länge: 12:58 Std., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis €13,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt

Es regnet Fische auf die Stadt. Eines Nachts klatschen Aale und Lachse auf die dunklen Straßen und Dächer. Bei den Aufräumarbeiten wird ein künstliches Hüftgelenk gefunden. Doch die Frau, der es eingesetzt wurde, ist spurlos verschwunden. Gregor Zettl, der Ehemann der Vermissten, schweigt beharrlich. Was Zorn und Schröder nicht wissen: Jemand ist hinter Zettl her und droht, ihn umzubringen…

Zum Hörbuch:

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich mir der 5. Fall für Zorn & Schröder zu Gemüte geführt habe. Und nach einer Weile bleiben eben nur die Dinge im Gedächtnis, die dort Eindruck hinterlassen haben – im Guten wie im Schlechten.

Bemerkenswerter Bösewicht

So präsentiert uns KALTER RAUCH einen markanten Bösewicht, und zwar mit einem erbärmlichen Opfer in einer kammerspielartigen Situation. Der Unbekannte, der bei Gregor Zettl im miefigen Wohnzimmer auftaucht, kommt auf leisen Sohlen daher, aber nicht weniger bedrohlich. Seine insistierende, herablassende Art, seine Fragen, die in eine schier endlos scheinende Verhör-Tortur ausarten, sind das, was mir am besten in Erinnerung geblieben ist. Von David Nathan mit unterschwelligem Wahnsinn gelesen, habe ich eine ganze Zeit lang voyeuristischen Spaß an diesem Eindringsling und seinen Spielchen mit dem völlig untauglichen Gregor Zettl. Vor allem, als unser Bösewicht Popsongs vor sich hinsummend Leichenteile herumwuchtet.

Absurdes..äh…Opfer?

Auch Gregor Zettl hat einen gewissen Reiz. Das liegt vor allem an seinem absurd-hilflosen Umgang mit der penetranten Nachbarin und den daraus folgenden Problemen. Hier mehr zu verraten wäre ein dicker Spoiler. Nur so viel als Tipp: Die Benutzerhinweise auf Reinigungsmitteln sind eine überraschende Quelle für extrem schwarzen Humor.

Der Fall ist schwach auf der Brust

Leider zieht sich dieses Kammerspiel irgendwann, und der Moment scheint überschritten, wo das alles noch zweckdienlich ist. Es fühlt sich an, als bräuchte Ludwig noch ein paar Kapitel, damit das Buch nicht zu kurz gerät, und er streckt das Ganze einfach. Bis hin zu einer Auflösung, die wenig spektakulär gerät. Tatsächlich ist das WIE dieses Falles interessanter als der Fall selbst. Der ist, so muss man sagen, der bisher schwächste im Zorn-Reigen.

Zorn in seelischen Untiefen

Und was machen derweil unsere beiden Kommissare? War es zuvor Schröder, um dessen mentalen Zustand wir uns Sorgen machen mussten, ist es diesmal Zorn. Der gerät angesichts seiner Probleme mit Malina in einen Zustand, den man auch als Laie als Depression einstufen könnte. Das macht ihn menschlich und führt zu ein paar erstaunlichen, sowohl anrührenden als auch überraschenden Szenen mit seinem Kollegen/besten Kumpel Schröder. Andererseits ist dadurch nicht viel Platz für den Slapstick-Witz, den wir an diesem Polizistengespann so mögen. Zweischneidige Situation.

Zum Sprecher:

Ein Glanzstück ist und bleibt die Performance von David Nathan. Dass der bei seiner derzeitigen Vielbeschäftigung als Deutschlands wohl beliebtester Sprecher nicht auch nur eine Sekunde abgeschliffen oder runtergespult rüberkommt, erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Auch hier. Kaum einer kann leise und dennoch bedrohlich so wie er, um in der nächsten Sekunde zum Lachen zu bringen.

Fazit:

Der bisher schwächste Fall für Kommissar Zorn und seinen inzwischen zum Chef beförderten Sidekick Schröder. Dafür allerdings ein Bösewicht, der über lange Zeit in einem Kammerspiel mit seinem Opfer morbide Freude bereitet. Dabei geht es ungewöhnlich unblutig aber nichtsdestotrotz schon mal schaurig zu.
Die Freundschaft zwischen Zorn und Schröder wird diesmal durch ein Stimmungstief auf Seiten Zorns und durch die verschobene Hierarchie auf die Probe gestellt, und der Humor muss deshalb mal zur Seite treten.
Ich werde den beiden treu bleiben, aber fürs nächste Mal muss Ludwig sich in Sachen Krimihandlung wieder mehr einfallen lassen. Und ich frage mich, in welche Richtung er Zorn und Schröder sich jetzt noch entwickeln lassen kann. Das wird nicht einfach.

P.S: Das erste Zorn-Hörbuch in ungekürzter Version. Glückwunsch – geht doch! Das gibt einen Bonuspunkt.

Bewertung:

Hörbuch: 6 von 10 Punkten
Sprecher: 10 von 10 Punkten

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