Rezension: „Teufelsgold“ von Andreas Eschbach

Teufelsgold von Andreas EschbachTitel: Teufelsgold
Autor: Andreas Eschbach
Format: Hörbuch
Sprache: Deutsch
Sprecher: Matthias Koeberlin
Anbieter: Lübbe Audio
erschienen: 09.09.2016
Länge: 15:40 Std., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 29,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Inhalt:

Nach dem Ende der Kreuzzüge taucht er das erste Mal auf: der Stein der Weisen, mit dem man Gold machen kann – gefährliches Gold, radioaktives Gold nämlich. Der Stein erscheint, als ein Alchimist Gott verflucht, und er zieht eine Spur der Verwüstung durch Europa. Die Deutschordensritter erklären es zu ihrer geheimen neuen Aufgabe, ihn zu finden und sicher zu verwahren. Für alle Ewigkeit.
Doch in unserer Zeit kommen zwei Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, dem wahren Geheimnis des Steins auf die Spur: Er ist ein Schlüssel – ein Schlüssel, der unser aller Leben zum Guten hin verändern könnte. Oder öffnet er die Pforten der Hölle?

Zum Hörbuch:

Was ich erwartet hatte: Einen ähnlich spannenden Abenteuer-Mystery-Historienroman wie „Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach. Mit einem stetig anziehenden Plot, interessanten Figuren, ebenso unterhaltsamer wie lehrreicher historischer Anbindung und den bei Eschbach typischen, leicht übernatürlichen Touch.

Es geht gut los…

Und in der Tat ist der Auftakt erstmal vielversprechend: Von der ominösen Sitzung mit einer Jahrmarkt-Wahrsagerin in der Gegenwart springen wir zurück ans Ende des 13. Jahrhunderts. Dort produziert ein Alchemist Gold – und zwar mithilfe des Steins der Weisen. Aber das Gold ist gefährlich.

…und wird dann langweilig

Dann geht es wieder in der Gegenwart weiter. Und zwar mit der Hauptfigur, Hendrik Busske, der mit Seminaren zur „Alchemie des Glücks“ den Teilnehmern den Weg zum Erfolg beibringen will. Und da fängt das Dilemma an: Eschbach verliert sich in viel zu detailreichen, unnützen und langweiligen Beschreibungen über Hendriks allmählichen beruflichen Aufstieg.

Klar, mir soll deutlich werden, dass Hendrik sich seinen Erfolg allmählich erarbeitet, aber muss ich wirklich en détail wissen, wie oft er welche Email an wen verschickt und seine Seminare aufgrund wieviel fehlender Teilnehmer cancelled, bis das erste endlich stattfindet? Sowas kann man auch in ein paar Sätzen abhandeln statt über mehrere Kapitel. Zumal Eschbachs Sprache so simpel und beinahe technisch rüberkommt, dass einen das auch stilistisch nicht gerade wach hält. Gähn.

Hendrik, der Unsympath

Zudem wird Hendrik, auf dessen Seite ich mich ja wohl begeben soll, von einem anfänglich charmanten jungen Erfolgsaspiranten zu einem immer unsympathischeren, geldgeilen, egoistischen und treulosen Windbeutel. Sorry. Aber wer seine Seminare dazu nutzt, die ihn selbstlos unterstützende Ehefrau zu betrügen, und sich mit teurem Schloss und Auto als High Society ausgibt, obwohl das größtenteils heiße Luft ist, den kann ich partout nicht leiden.

Mir ist schon klar: Das gehört zu Eschbachs Message über den Weg zum Glück. Dass man sich verführen lässt und falsche Wege geht bevor man das wahre Glück erkennt. Aber diese Botschaft ist ebenso plump wie Eschbachs Geschichte. Und wenn ich den Protagonisten derart innerlich ablehne, rauscht Eschbachs Intention an mir vorbei.

Zu wenig Geschichte, zu wenig Spannung

Zumal die wirklich interessanten Elemente des Romans – der Stein der Weisen, die Alchemie und das Teufelsgold – lange mit Abwesenheit glänzen. Wir müssen uns durch Hendriks beruflichen Aufstieg quälen und glauben schon fast nicht mehr daran, als das „Teufelsgold“ aus dem 13. Jahrhundert endlich wieder auftaucht und mit dem Stein der Weisen das faszinierende Thema „Unsterblichkeit“ die Bühne betritt.

Endlich: Es wird spannend

Wer bis dahin trotzdem durchgehalten hat, spürt Hoffnung in sich aufkeimen: Auf einmal passiert was, geht es wieder um etwas, setzt das geheimnisvoll-abenteuerliche Eschbach-Feeling ein. Plötzlich (aber viel zu spät) kommt Fahrt und Spannung in die Sache. Eine Figur taucht mit leicht gruseligem tada!-Effekt auf, und Hendrik wird  unter extremem Zeitdruck vor elementare Entscheidungen gestellt.

…und verpufft in einem banalen Ende

Und dann folgt die Moral von der Geschicht. Und die ist derartig vorhersehbar, abgekaut und banal, dass ich jetzt richtig enttäuscht bin. Die Alchemie, die Fragen, die Eschbach nach dem Glück stellt, sind so komplex und faszinierend. Die Antwort, die er findet, ist vielleicht die richtige, aber wir haben sie schon tausendmal gehört. Dafür hätte ich diese Geschichte wirklich nicht lesen müssen.

Der Sprecher:

Matthias Koeberlin steht seit „Der Distelfink“ in meinen persönlichen Sprechercharts unter den Top 5. Was hatte ich mich auf seine Performance gefreut! Er versteht es normalerweise, hinter den Text zurückzutreten, ihm ruhig und mit ungeheuer angenehmer Stimmfarbe Wirkung zu verleihen.

Aber huch! Das hier kommt mir uninspiriert vor. Koeberlin liest, als hätte er sich nicht auf den Text vorbereitet. Routiniertes Abspulen, bei dem er manchmal das dramatische Moment einfach verpasst und überliest. Beim Hören empfinde ich Ungeduld – die erst verfliegt, als ich das Hörbuch auf 1,5-fache Geschwindigkeit stelle. Besser. Heißt aber auch: das Tempo stimmt nicht. Was bei einer ohnehin spannungsarmen Geschichte nicht förderlich ist. Herr Koeberlin, da ist kein Herz drin.

Fazit:

Ein über weite Strecken langatmiger Plot, in simplem Stil geschrieben, mit einer unsympathischen Hauptfigur im Zentrum. Die spannenden Zutaten – gerade die historischen – und das Abenteuerflair sind nur ganz am Anfang und im Schlussdrittel vorhanden. Das, was Eschbach sonst ausmacht, fehlt in „Teufelsgold“ überwiegend. Dazu noch ein zu langsam lesender, etwas lustlos wirkender Sprecher, der zu spät mit dem Text warm wird, und eine plumpe Botschaft. Schade. Das kann Andreas Eschbach eigentlich besser.

Bewertung:

Hörbuch: 3 von 10 Punkten
Sprecher: 3 von 10 Punkten

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2 Gedanken zu “Rezension: „Teufelsgold“ von Andreas Eschbach

  1. Marion Skowronski 8. März 2017 / 10:37

    Oha, die Geschichte kam bei Ihnen ja nicht wirklich gut weg. Ich bin gerade auch fertig geworden und kann Ihnen an bestimmten Punkten zustimmen. Gerade der Part mit Henricks Karriere war etwas lang, aber für jemanden im Bereich Marketing/Event-Organisation ganz interessant. Ich hatte manchmal den Eindruck ein Fachbuch zu lesen. Gerne hätte ich das Ende noch etwas ausgiebiger gehabt. Mich hätte sehr passiert was mit den anderen Charakteren passiert ist.

    • papercuts1 8. März 2017 / 11:19

      Hallo Marion,

      ja, das hatte etwas von einem „Sachbuch“ an sich. Und das erschien mir – möglicherweise weil auch ich beruflich mit Marketing zu tun habe – nicht passend in einem Roman. So wie Sie hätte ich den Schluss dafür gerne ausführlicher gehabt. Für mich lagen Fokus und Detailliertheit dieses Romans nicht da, wo sie hingehört hätten.

      Gruß,
      Ute

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