Auf der Suche nach dem perfekten Passwort: „Origin“ von Dan Brown

Origin von Dan BrownTitel: Origin (Robert Langdon #5)
Autor: Dan Brown
Sprache: Deutsch
aus dem amerikanischen Englisch von Axel Merz
Sprecher: Wolfgang Pampel
Verlag: Lübbe Audio
erschienen: 04.10.2017
Länge: 18:56 Std., ungekürzt

Das Hörbuch ist als Download bei audible.de erhältlich, und zwar HIER. Es kostet im Flexi-Abo € 9,95 (regulärer Preis € 34,95). Eine Hörprobe findet ihr ebenfalls auf der Produktseite von audible.

Wenn ein Harvard-Professor mit einer Kinderarmbanduhr auf einer intellektuellen Schnitzeljagd um den Globus hetzt, um ein die Welt erschütterndes Rätsel zu lösen, kann das nur eins bedeuten: Robert Langdon ist wieder unterwegs.

Zum fünften Mal schickt Dan Brown in „Origin“ seinen unfreiwilligen Helden ins Rennen. Es beginnt diesmal im Guggenheim-Museum in Bilbao, Spanien, wo ein Freund Robert Langdon’s vor den Augen der gesamten Welt eine bahnbrechende Entdeckung verkünden will. Doch es kommt anders als geplant, und Langdon findet sich auf der Flucht wieder, um in einem Wettlauf gegen die Zeit die Mission seines Freundes zu erfüllen.

Das Schöne an „Origin“: Dan Brown liefert genau des ab, was wir von ihm erwarten: Er entführt uns an pittoreske Schauplätze mit begeisternder Architektur und interessanten Kunstwerken, so dass unsere Google-Suche neben dem Hören heiß läuft (die Videos von Fujiko Nakaya’s Nebelskulpturen sind besonders empfehlenswert) und wir bereits Flugangebote nach Spanien checken.

Er bringt uns dazu, beim Knobeln mit Robert Langdon unser Wissen zu Erweitern – in diesem Fall über Zukunftstechnologie, englische Lyrik und Evolutionsbiologie. Wir dürfen uns über das übliche „Bond-Girl“ an seiner Seite freuen (oder aufregen, je nach nachdem). Auch der gewohnte Suchtdruck stellt sich ein: Dan Brown hyped die bevorstehende Enthüllung so schamlos hoch wie die Vorstellung eines neuen iPhones, so dass wir in unserem Hörbuch campieren wie vor einem Apple-Laden zum Verkaufsstart.

Natürlich kocht die Kontroverse zwischen Wissenschaft und Kirche auch wieder hoch. Dan Brown weiß, dass dieser Frontenkrieg hoch aktuell ist in Zeiten, wo fanatischer Glaube Gewaltakte produziert und die Kirche nur betend zusehen kann. Der Blick geht dabei in die Zukunft: wühlten Langdon’s erste Abenteuer noch tief in der Vergangenheit, steht jetzt innovative Technologie mit all ihren Konsequenzen im Fokus des Konflikts.

Mit anderen Worten: spannend ist „Origin“ auf jeden Fall. Aber… jetzt kommen wir zum „aber“. Wir müssen es nämlich zugeben: Die besten Zeiten hat Robert Langdon hinter sich. Was uns in „Illuminati“ und „Sakrileg“ mit seiner Originalität und Spannung den Atem raubte, packt uns beim fünften Wiederaufkochen einfach nicht mehr so. Zumal das Ganze diesmal wesentlich unblutiger daherkommt und ohne einen Auftakt-Schocker. Auch das Rätselraten beschränkt sich eigentlich auf das Herausfinden eines einzigen Passwortes – seine Fachkenntnis in Sachen Symbole benötigt Langdon gar nicht. Jagt der Professor sonst durch mehrere Länder, bleibt seine Suche diesmal auf Spanien beschränkt. Auch als Figur hat Langdon keine neuen Facetten zu bieten.

Und die große Enthüllung? Die regt zwar zum Nachdenken an, ist aber nicht wirklich neu und wirkt gerade wegen der ins Unendliche hochgeschraubten Erwartungen etwas enttäuschend. Der Schlusstwist würzt die Angelegenheit zwar nochmal schön durch, ist für aufmerksame Hörer jedoch vorhersehbar.

Der Sprecher, Wolfgang Pampel, ist ein zweischneidiges Schwert. Als Synchronsprecher von Harrison Ford hat er eine hohe Markanz und ist sehr sympathisch besetzt, tritt dadurch aber sehr in den Vordergrund. Wer beim Hören Schauspieler Tom Hanks vor sich sieht, kriegt das nicht gut übereinander. Pampel differenziert beim Lesen nicht viel zwischen den einzelnen Figuren. Außer bei einer: Winston, den ungewöhnlichen Sidekick von Robert Langdon in „Origin“, versieht Pampel mit einem selbst gezimmerten britischen Akzent, an dem sich die Geister scheiden, und verpasst ihm eine großartige, beschwingte Altklugheit.

Fazit:

Wo Robert Langdon drauf steht, ist Robert Langdon drin. Das bekommt man bei „Origin“- zuverlässig, spannend, unterhaltsam. Außerdem ärgert Dan Brown mal wieder schön die Kirche mit seinen Ansichten und dürfte erneut für fruchtbare Diskussionen sorgen. Mit „Winston“ erschafft er zudem eine der denkwürdigsten Nebenfiguren der gesamten Reihe. Die Abnutzungserscheinungen der Serie sind allerdings nicht zu verleugnen. Man kann „Origin“ mit Spaß hören. Aber nur, wenn man nicht erwartet, dass Dan Brown das Rad neu erfindet.

Bewertung

Hörbuch: 6 von 10 Punkten
Sprecher: 6 von 10 Punkten

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